Wechseljahre, Bauchfett

Wechseljahre: Bauchfett als Gesundheitsrisiko entlarvt

30.04.2026 - 07:35:13 | boerse-global.de

Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren begünstigen viszerales Bauchfett. Studien zeigen, wie Ernährung und Bewegung gegensteuern können.

Wechseljahre: Bauchfett als Gesundheitsrisiko entlarvt - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Wechseljahre: Bauchfett als Gesundheitsrisiko entlarvt - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Neue Studien zeigen, warum Bewegung und Ernährung den entscheidenden Unterschied machen.

Hormonelle Ursachen und stille Gefahren

Der Rückgang des Östrogenspiegels verändert die Fettverteilung im Körper grundlegend. Statt an Hüften und Oberschenkeln lagert sich Fett nun vermehrt im Bauchraum ab – und das oft trotz gleichbleibender Ernährung und Bewegung, wie Ärztin Viktoria Schelle erklärt.

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Dieses viszerale Bauchfett ist besonders tückisch: Es umhüllt lebenswichtige Organe und setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Die International Diabetes Federation (IDF) hat klare Grenzwerte definiert: Bei Frauen gilt ein Bauchumfang von über 80 Zentimetern als kritisch, bei Männern sind es 94 Zentimeter. Ab 50 Jahren steigt das Risiko für das Metabolische Syndrom drastisch an.

Die Gefahr liegt in der „stillen Entzündung" – einem chronischen, oft unbemerkten Prozess, der als Vorläufer für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall gilt.

Epigenetisches Gedächtnis: Wenn Abnehmen nicht reicht

Eine Studie der Universität Birmingham, veröffentlicht am 28. April 2026 in EMBO Reports, enthüllt eine erschreckende Erkenntnis: Fettleibigkeit hinterlässt dauerhafte epigenetische Spuren in den T-Helferzellen des Immunsystems. Diese Veränderungen können selbst nach erfolgreicher Gewichtsabnahme bis zu zehn Jahre bestehen bleiben und das Krebs- und Diabetesrisiko erhöhen.

Ernährung: Ersetzen statt verzichten

Die Ernährungsmedizin setzt auf eine kluge Strategie: „Ersetzen statt verzichten", betont Prof. Dr. Matthias Riedl. Die größten Entzündungstreiber in der modernen Ernährung sind:

  • Fruchtsäfte und WeiĂźmehlprodukte
  • Alkohol
  • Omega-6-reiche Ă–le wie Sonnenblumenöl

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt stattdessen:

  • GemĂĽseverdopplung: Bei jeder Mahlzeit den Anteil an GemĂĽse erhöhen
  • Fettoptimierung: Olivenöl statt entzĂĽndungsfördernder Ă–le, dazu fetter Fisch mit Omega-3-Fettsäuren
  • Komplexe Kohlenhydrate: Vollkorn und HĂĽlsenfrĂĽchte statt WeiĂźmehl
  • Ausreichend EiweiĂź: 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – besonders wichtig fĂĽr den Muskelerhalt, wie Ernährungswissenschaftlerin Alma Beinhauer betont

Eine großangelegte Studie mit über 340.000 Erwachsenen vom 30. April 2026 zeigt zudem: Hoher Pflanzenkonsum senkt das Risiko für Morbus Crohn deutlich. Allerdings war Kartoffelkonsum spezifisch mit einem erhöhten Risiko für Colitis ulcerosa verbunden.

Vorsicht vor Social-Media-Trends

Mediziner schlagen Alarm: Ein viraler Trend auf Social Media empfiehlt die Kombination von Antihistaminika und Sodbrennen-Medikamenten gegen Wechseljahresbeschwerden. „Dafür gibt es keinerlei klinische Belege", warnt Dr. Tara Narula. Die Risiken reichen von Schwindel bis zu Herzrhythmusstörungen.

Stattdessen stehen bewährte Optionen zur Verfügung:

  • Hormonersatztherapie fĂĽr Frauen unter 60 Jahren, die maximal zehn Jahre nach Beginn der Wechseljahre sind
  • Nicht-hormonelle Medikamente wie Veozah oder Paxil
  • Hautbehandlungen: Eine Kombination aus Hyaluronsäure und Poly-L-Milchsäure verbessert nachweislich die Hautfeuchtigkeit und bekämpft den Kollagenverlust

Bewegung als SchlĂĽsselfaktor

Drei- bis viermal pro Woche Ausdauer- und Krafttraining – das ist das Mindestmaß, das Experten empfehlen. Intervallfasten ein- bis zweimal pro Woche kann zusätzlich helfen, viszerales Fett abzubauen.

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Eine Studie im International Journal of Molecular Sciences vom 29. April 2026 zeigt: Bewegung hat einen stärkeren Einfluss auf Entzündungsmarker als die Ernährung allein.

SchilddrĂĽse und Autoimmunerkrankungen im Blick

Fast ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet unter einer vergrößerten Schilddrüse, oft durch Jodmangel, erklärt Prof. Dagmar Führer-Sakel vom Universitätsklinikum Essen. Da die Schilddrüse den Stoffwechsel reguliert, kann eine unerkannte Störung Gewichtszunahme und Müdigkeit in den Wechseljahren verstärken.

Rheumatologin Lisa Göschl von der MedUni Wien ergänzt: Rund 80 Prozent der Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen – die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen zusätzlich erschweren.

Ausblick: Neue Therapieansätze

Die Forschung arbeitet an vielversprechenden Lösungen:

  • SGLT2-Hemmer könnten helfen, das epigenetische Gedächtnis der Fettleibigkeit zu löschen
  • Photobiomodulation – rotes und nahinfrarotes Licht – zeigt Erfolge bei chronischen Schmerzen
  • Der Markt fĂĽr pflanzliche Proteine soll laut Experte Godo Röben in den nächsten 30 Jahren auf 60 Prozent steigen

Das Ziel der Präzisionsmedizin: Gewebeschäden frühzeitig verhindern und die Stoffwechselgesundheit proaktiv managen – bevor chronische Erkrankungen irreversibel werden.

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