Wechseljahre: Östrogenmangel verursacht Gelenkschmerzen bei 59%
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Berichte verdeutlichen zunehmend den Zusammenhang zwischen dem Hormonhaushalt und der Gesundheit des Bewegungsapparates bei Frauen. Besonders der Östrogenmangel während der Wechseljahre wird als eine zentrale Ursache für Gelenkschmerzen und Steifheit identifiziert, die vorrangig Knie, Hüften und Finger betreffen.
Hormonelle Einflüsse auf den Bewegungsapparat
Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die Relevanz des Östrogenspiegels für die Gewebeintegrität. Da Östrogenrezeptoren direkt in Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern und im Knorpel nachgewiesen wurden, führt ein Absinken des Hormonspiegels zu spürbaren physiologischen Veränderungen.
Eine Meta-Analyse, die 37 Studien aus 22 Ländern mit insgesamt 93.021 Frauen auswertete, zeigt eine deutliche Zunahme von Beschwerden im Verlauf der hormonellen Umstellung. Während in der Prämenopause etwa 40 Prozent der Frauen über Muskel- und Gelenkschmerzen berichteten, stieg dieser Anteil in der Perimenopause auf 57 Prozent und erreichte nach der Menopause einen Wert von 59 Prozent.
Ein Review aus dem Jahr 2024 prägte in diesem Zusammenhang den Fachbegriff des „musculoskeletal syndrome of menopause“. Dieser Begriff fasst die vielfältigen Beschwerden zusammen, die durch den Verlust der protektiven Wirkung von Östrogen auf die Gelenkstrukturen entstehen und über die klassischen Symptome der Menopause hinausgehen.
Wissenschaftliche Einordnung der Hormontherapie
Trotz des klaren hormonellen Zusammenhangs liefert die Forschung ein differenziertes Bild zur Wirksamkeit von Hormonersatztherapien bei spezifischen Gelenkproblemen. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Meta-Analyse, die 57 Studien mit rund 4 Millionen Frauen umfasste, konnte keinen signifikanten Zusammenhang zwischen einer Hormontherapie und der Linderung von Gelenkbeschwerden feststellen.
Demgegenüber steht die gesicherte Erkenntnis, dass eine Hormontherapie bei anderen klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen bei Frauen unter 60 Jahren ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweist.
Fachleute betonen daher, dass die Behandlung von Gelenkschmerzen primär durch einen multimodalen Ansatz erfolgen sollte. Hierzu zählen insbesondere regelmäßige Bewegung, gezieltes Krafttraining sowie eine Gewichtsreduktion bei bestehendem Übergewicht.
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Physiotherapeutische Empfehlungen gegen morgendliche Steifheit
Die Ursachen für morgendliche Steifheit liegen häufig in einer nächtlichen Bandscheibenauffüllung sowie einer inaktiven Muskulatur und verklebten Faszien.
Dr. Michèl Gleich weist darauf hin, dass bei Schmerzen oder Steifheitsgefühlen, die länger als 15 bis 30 Minuten anhalten, auch Faktoren wie chronischer Bewegungsmangel, muskuläre Dysbalancen, Verschleiß, ungünstige Schlafpositionen, Bandscheibenprobleme oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen als Auslöser infrage kommen.
Zur Mobilisierung unmittelbar nach dem Erwachen empfiehlt Dr. Michèl Gleich fünf spezifische Übungen, die noch im Bett durchgeführt werden können:
- Fußpumpe: 15 bis 20 Wiederholungen zur Förderung der Zirkulation.
- Fersengleitbewegung: 8 bis 12 Wiederholungen pro Bein.
- Knie zum Körper: Halten der Position für jeweils 15 bis 20 Sekunden.
- Knie von Seite zu Seite: Kontrollierte Rotation mit 8 bis 12 Wiederholungen.
- Brücke: Aktivierung der hinteren Kette mit 8 bis 10 Wiederholungen.
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Rolle von Nahrungsergänzungsmitteln in der Behandlung
Ein weiterer Aspekt der Therapiebegleitung ist der Einsatz von Supplementen wie Glucosamin-HCl und Chondroitinsulfat. Die GAIT-Studie des National Institutes of Health (NIH) ergab für Glucosamin-HCl zwar keinen signifikanten Vorteil gegenüber einem Placebo bei leichten Beschwerden, stellte jedoch bei mittelschweren bis schweren Schmerzen einen Nutzen fest.
Bei der Anwendung ist jedoch Vorsicht geboten: Es bestehen potenzielle Wechselwirkungen mit dem Gerinnungshemmer Warfarin, zudem wird zur Wachsamkeit bei Diabetes oder einer Schalentierallergie geraten.
Chondroitinsulfat, ein natürlicher struktureller Bestandteil des Knorpels, wirkt durch die Bindung von Wasser im Gewebe und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Studien stützen dessen Nutzen insbesondere bei Osteoarthritis, wobei eine typische Dosierung zwischen 800 und 1.200 Milligramm pro Tag liegt.
