Wechseljahresbeschwerden, Belastungen

Wechseljahresbeschwerden: Jede dritte Frau berichtet von Belastungen im Job

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Expertengremium verlangt bessere medizinische Versorgung, arbeitsplatzbezogene Erleichterungen und eine PrĂŒfung des gesetzlichen Diskriminierungsschutzes.

Wechseljahre: Gremium fordert Strategie und besseren Schutz im Beruf
Ein helles, modernes und minimalistisches BĂŒro mit ergonomischen Möbeln und Pflanzen bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat in Berlin umfassende Handlungsempfehlungen des von ihr eingesetzten Gremiums „Wechseljahre und Diskriminierung“ vorgestellt. Das von Miriam Stein und Franzi von Kempis geleitete Gremium fordert eine Nationale Wechseljahres-Strategie, eine verbesserte medizinische Versorgung sowie gezielte Maßnahmen fĂŒr wechseljahresfreundliche ArbeitsplĂ€tze.

Neben einer bundesweiten Informationskampagne und verstĂ€rkter interdisziplinĂ€rer Forschung steht auch eine PrĂŒfung des Diskriminierungsschutzes im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz auf der Agenda. Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman betonte, die Wechseljahre dĂŒrften keine Diskriminierungsjahre sein, und mahnte eine stĂ€rkere Sensibilisierung sowie klare Pflichten fĂŒr Arbeitgeber an.

Belastungen im Erwerbsleben und demografische Relevanz

Rund 11 Mio. Frauen in Deutschland befinden sich derzeit in den Wechseljahren. Laut Angaben des Gremiums beginnen diese statistisch im Alter von 51 bis 52 Jahren, womit Betroffene im Durchschnitt noch mindestens 15 Jahre Erwerbsleben vor sich haben. Frauen ab 50 Jahren stellen gegenwÀrtig die am schnellsten wachsende Altersgruppe unter den ErwerbstÀtigen im Land dar.

Die gesundheitlichen Umstellungen wirken sich dabei spĂŒrbar auf den Berufsalltag aus. Laut Miriam Stein nehmen rund 85 Prozent der Betroffenen Symptome wahr. Eine Auswertung der Krankenkasse DAK belegt zudem, dass jede dritte betroffene Frau von teils schweren beruflichen Belastungen berichtet. Dazu zĂ€hlen eine verminderte ArbeitsfĂ€higkeit, erhöhte Fehlzeiten oder vollstĂ€ndige ArbeitsausfĂ€lle.

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Geforderte Anpassungen am Arbeitsplatz und rechtlicher Schutz

Um Betroffene im Berufsleben zu unterstĂŒtzen, verlangt das Gremium arbeitsplatzbezogene Erleichterungen. Vorgeschlagen werden unter anderem flexible Arbeitszeiten, geeignete Raumtemperaturen, ein gesicherter Toilettenzugang sowie betriebsĂ€rztliche Beratungsangebote. Diese Anpassungen sollen ausdrĂŒcklich auch BeschĂ€ftigten in Branchen ohne Homeoffice-Möglichkeit zugutekommen, darunter der Pflege, der Landwirtschaft und der Gastronomie.

ZusĂ€tzlich plĂ€diert das Gremium fĂŒr eine juristische Absicherung. Es mĂŒsse gesetzlich klargestellt werden, dass der Diskriminierungsschutz fĂŒr Frauen in den Wechseljahren gilt, um Benachteiligungen im Job – wie etwa die NichtverlĂ€ngerung von VertrĂ€gen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden – wirksam zu verhindern.

Handlungsbedarf in Ausbildung und medizinischer Forschung

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Erheblichen Nachholbedarf identifiziert das Gremium ferner im Gesundheitssystem. Wechseljahre und Menopause seien bislang weder im Medizinstudium noch in der Facharztausbildung fĂŒr GynĂ€kologie adĂ€quat verankert. Zudem fehlt eine eigenstĂ€ndige Abrechnungsziffer fĂŒr die medizinische Wechseljahresberatung.

An der Berliner CharitĂ© finde laut Mandy Mangler dazu lediglich eine Vorlesung statt. Ataman verwies in diesem Kontext ĂŒberspitzt darauf, dass es bei einer Betroffenheit von MĂ€nnern wohl mehr FachĂ€rzte als McDonald’s-Filialen in Deutschland gĂ€be.

Auf politischer Ebene stellten das unionsgefĂŒhrte Gesundheitsministerium und das Forschungsministerium im Jahr 2026 erstmals Fördermittel fĂŒr einen Dialogprozess bereit, die zunĂ€chst auf medizinische Vorhaben begrenzt sind.

Die Bedeutung wissenschaftlicher AufklĂ€rung unterstreichen neuere Analysen: Eine im Fachblatt Nature publizierte Untersuchung wies hormonelle VerĂ€nderungen bereits ĂŒber zehn Jahre vor der Menopause nach.

In Nature Medicine veröffentlichte Daten von ĂŒber einer Million Frauen zeigten zudem, dass die hormonelle Umstellung teils 12 bis 15 Jahre vor der Menopause einsetzt und mit der letzten Blutung sprunghafte VerĂ€nderungen bei 52 von 90 Laborparametern einhergehen.

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de | wissenschaft | 70317611 |