Wegovy, STEP-UP-Studie

Wegovy 7,2 mg: STEP-UP-Studie misst 20,7 Prozent Gewichtsverlust

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 04:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Semaglutid-Formen erweitern die Behandlung; eine Erstattung bei Adipositas erfordert zunächst eine Gesetzesänderung.

Adipositastherapie: Wegovy-Neuerungen und Streit um die Kostenübernahme
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer medizinischen Praxis mit einer Waage auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 14 Millionen Menschen mit Adipositas. Mediziner betonen zunehmend, dass starkes Übergewicht kein individuelles Disziplinproblem darstellt, sondern eine ernsthafte chronische Erkrankung ist. Laut Prof. Susanne Reger-Tan erhöht Adipositas das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt und weitere schwerwiegende Folgeerkrankungen erheblich.

Während neue medikamentöse Therapien wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten in der Versorgung an Bedeutung gewinnen, steht das Gesundheitssystem vor der Frage, für wen diese Präparate geeignet sind und unter welchen Voraussetzungen die Kosten übernommen werden sollten.

Medikamentöse Entwicklungen rund um Inkretin-Mimetika

Medikamente zur Gewichtsreduktion gelten in der Fachwelt als Hoffnungsträger, da Untersuchungen positive Effekte auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System sowie die Lebenserwartung belegen.

Für Betroffene erweitert sich das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten: Der Hersteller Novo Nordisk führte Wegovy mit einer Wirkstärke von 7,2 mg Semaglutid als Einzeldosis-Pen in Deutschland für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index ab 30 kg/m² ein. Die wöchentliche Gabe ersetzt damit die bisher notwendige Aufteilung auf drei Injektionen à 2,4 mg.

In der zugrunde liegenden STEP-UP-Studie über 72 Wochen mit 1.407 Teilnehmern ohne Diabetes erzielten die Probanden einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20,7 Prozent (18,7 Prozent nach dem Treatment Policy Estimand), was bei einem mittleren Ausgangsgewicht von 113 kg einer Reduktion von 20,9 kg entsprach.

Rund ein Drittel der Behandelten nahm mindestens 25 Prozent des Ausgangsgewichts ab. Eine Post-hoc-Analyse zeigte zudem, dass 84 Prozent der verlorenen Masse auf reines Fettgewebe entfielen, während die Muskelfunktion weitgehend erhalten blieb.

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Seit August 2026 ist zudem eine Quartalspackung mit drei 2,4-mg-Pens erhältlich, gefolgt von einer Tablettenform, die im September 2026 in deutschen Apotheken eingeführt wurde. Laut YouGov-Daten würden 48 Prozent von 2,8 Millionen an einer Behandlung interessierten Haushalten eine orale Verabreichung vorziehen.

Kontroverse um Erstattung und gesetzliche Hürden

Trotz des medizinischen Nutzens greift in der gesetzlichen Krankenversicherung bei der Behandlung reiner Adipositas weiterhin der sogenannte Lifestyle-Paragraf. Präparate wie Ozempic oder Wegovy werden von den Kassen bislang nur bei der Indikation Typ-2-Diabetes erstattet, während Patienten bei Adipositas die Kosten in Höhe von mehreren Hundert Euro monatlich privat tragen müssen.

Dr. Sonja Optendrenk, Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), forderte eine breite Debatte darüber, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kostenübernahme künftig erfolgen sollte. Voraussetzung für eine Prüfung durch den GBA sei jedoch zunächst eine Anpassung der gesetzlichen Vorgaben durch den Gesetzgeber.

Optendrenk verwies darauf, dass die Kassen seit 2025 unter definierten Auflagen auch Arzneimittel zur Tabakentwöhnung finanzieren. Zugleich stellte sie klar, dass medikamentöse Therapien zwingend an strukturierte Begleitprogramme zu Ernährung und Bewegung gekoppelt sein müssten.

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Multimodale Ansätze und Schutz junger Patienten

Experten mahnen vor diesem Hintergrund, Medikamente nicht isoliert zu betrachten. Auf dem Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes wurden Empfehlungen vorgestellt, die neben dem frühzeitigen Einsatz moderner Wirkstoffe bei kardiovaskulären Risiken vor allem Lebensstilinterventionen hervorheben. Dazu gehören tägliche Schrittziele, moderates Ausdauer- sowie regelmäßiges Krafttraining.

Besonders restriktiv fallen die Vorgaben für Minderjährige aus. Die Weltgesundheitsorganisation empfahl in globalen Leitlinien für die rund 170 Millionen weltweit betroffenen Kinder und Jugendlichen strukturierte multimodale Programme aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen.

Für Kinder unter zehn Jahren schließt die WHO medikamentöse oder operative Eingriffe kategorisch aus. Bei Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren sollten Arzneimittel laut den Richtlinien lediglich als letzte Option erwogen werden, sofern betreute Lebensstilprogramme zuvor keine Ergebnisse erzielt haben.

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