Wellness-Paradoxon, Erwachsene

Wellness-Paradoxon: Junge Erwachsene schlafen mehr, sind aber gestresster

01.06.2026 - 11:04:29 | boerse-global.de

Studie zeigt: Wellness-Boom führt bei 16- bis 24-Jährigen zu mehr Stress. Experten warnen vor Selbstoptimierungswahn und Cyberchondrie.

Wellness-Paradoxon: Junge Erwachsene schlafen mehr, sind aber gestresster - Foto: über boerse-global.de
Wellness-Paradoxon: Junge Erwachsene schlafen mehr, sind aber gestresster - Foto: über boerse-global.de

Besonders junge Erwachsene stecken in einem Paradox fest.

Das Wellness-Paradoxon bei jungen Erwachsenen

Das Streben nach einem gesunden Lebensstil führt bei 16- bis 24-Jährigen zunehmend zu Stress. Das zeigt eine Untersuchung des Gottlieb Duttweiler Instituts aus dem Jahr 2026. Mehr als die Hälfte der Befragten leidet unter Zeitdruck, nur zwölf Prozent sind selten gestresst.

Besonders absurd: Obwohl 86 Prozent der jungen Erwachsenen acht Stunden oder mehr schlafen, fühlt sich über die Hälfte dennoch müde. Die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln liegt bei 84 Prozent. Gleichzeitig sind 74 Prozent überzeugt: Aktuelle Beauty-Trends sind reine Geschäftemacherei.

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Der Markt wächst trotzdem rasant. Die weltweite Wellness-Ökonomie erreichte 2024 ein Volumen von 6,8 Billionen US-Dollar. Prognosen sagen für 2029 einen Wert von rund 9,8 Billionen US-Dollar voraus.

Digitale Selbstoptimierung und Cyberchondrie

Fachleute schlagen Alarm. Der Münchner Orthopäde Prof. Dr. Dominik Pförringer kritisiert ein Missverhältnis: Zu wenig Alltagsbewegung, dafür exzessive Sporteinheiten von etwa drei Stunden pro Woche. Fitness-Apps und Wearables, so der Arzt, ersetzen keinen gesunden Menschenverstand. Er warnt vor einem Selbstoptimierungswahn und den Folgen digitaler Dauerreize.

Ein neues Phänomen heißt Cyberchondrie: die ständige Angst vor Krankheiten, verstärkt durch Online-Recherchen. Klinisch gilt sie als Form der Hypochondrie. Betroffene geraten in einen Kreislauf aus körperlicher Fixierung, Unsicherheit und Angst.

Routinen als Schutzschild

Wie wichtig Alltagsroutinen sind, zeigt eine Studie der Macquarie University. Das Aussetzen positiver Gewohnheiten – realistisches Denken, soziale Kontakte, sinnvolle Aktivitäten – kann bereits nach 14 Tagen Depressions- oder Angstsymptome auslösen. Zu Beginn der Untersuchung galten 97 Prozent der Teilnehmenden als psychisch gesund. Nach zwei Wochen Einschränkung waren es nur noch 31 Prozent. Nach Wiederaufnahme der Routinen verschwanden die Symptome.

Resilienz-Konzepte gewinnen deshalb an Bedeutung, besonders in belasteten Berufen wie der Pflege. Bei einer Fachveranstaltung am heutigen Montag mit 140 Teilnehmenden diskutierten Experten Strategien wie Achtsamkeit, Selbstfürsorge und gezielte Pausengestaltung. Neue Kursangebote basieren zunehmend auf wissenschaftlichen Rahmenwerken wie dem „Positive Health & Health Literacy Framework“.

Systemische Probleme und Versorgungsengpässe

Die steigenden psychischen Belastungen fordern ihren Tribut. Für 2025 wurde ein durchschnittlicher Krankenstand von 14,5 Tagen pro Person verzeichnet. In der Politik wird über Maßnahmen zur Senkung der Fehlzeiten diskutiert – besonders die Zunahme von Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen steht im Fokus.

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Der Zugang zu professioneller Hilfe bleibt schwierig. Auf einem Kongress der Deutschen Depressionshilfe wurde bekannt: Die Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz beträgt im Schnitt fünf Monate. Prominente Teilnehmer wie Harald Schmidt, Karl-Theodor zu Guttenberg und Jan Ullrich diskutierten dort die gesellschaftliche Wahrnehmung der Krankheit.

Im Juni erscheint zudem ein neuer Ansatz zur Angstbewältigung: Robin und Persia Hayley veröffentlichen ein Buch nach dem Easyway-Prinzip. Ihre These: Angstzustände sind erlernte Verhaltensmuster – und können durch gezielte Techniken und das Hinterfragen von Verhaltensmythen überwunden werden.

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