Weltspartag, Wertpapiere

Weltspartag: Vier von zehn Befragten setzen bereits auf Wertpapiere

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfragen zeigen den Wandel zu Wertpapieren und digitalen Angeboten; zugleich bleibt Sicherheit für viele Sparer das wichtigste Kriterium.
Minimalistisch gestalteter Raum mit natürlichem Lichteinfall, der eine ruhige Atmosphäre für langfristige Finanzplanung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Der 1924 von Sparkassenvertretern in Mailand initiierte und erstmals am 31. Oktober 1925 begangene Weltspartag stand historisch für das klassische Sparschwein und den Gang zum Bankschalter.

Mehrere Erhebungen und Marktanalysen verdeutlichen jedoch eine grundlegende Transformation: Während die Notwendigkeit von Rücklagen angesichts hoher Lebenshaltungskosten für Miete, Lebensmittel und Versicherungen unverändert hoch bleibt, verlagern Sparer ihr Geld zunehmend von traditionellen Sparbüchern hin zu Fonds, börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und digitalen Anlageoptionen.

Wandel der Sparformen: Wertpapiere und digitale Angebote gewinnen an Gewicht

In Österreich und Deutschland zeigen Erhebungen eine deutliche Ausdifferenzierung des Anlageverhaltens. Einer repräsentativen Umfrage der bank99 unter 1.500 Personen zufolge legen 68 Prozent der Österreicher monatlich Geld zurück, während 23 Prozent weiterhin Bargeld zu Hause aufbewahren.

Als vorrangige Sparziele nennen 42 Prozent eine finanzielle Absicherung, 35 Prozent größere Anschaffungen und 33 Prozent die Altersvorsorge. Dabei verliert das Sparen im eigenen Heim an Zuspruch, während Fonds und ETFs stark an Relevanz gewinnen.

Untersuchungen von Erste Bank und Sparkassen zeichnen ein ähnliches Bild: Zwar nutzen 85 Prozent ein Sparbuch und 60 Prozent das Girokonto zum Sparen, doch bereits vier von zehn Befragten greifen zu Wertpapieren, wobei Aktien führen und ETFs aufholen.

Bei den Vorarlberger Sparkassen wird zudem darauf verwiesen, dass jüngere Generationen wie die Generationen Y und Z eine höhere Risikobereitschaft zeigen und Kryptowährungen verstärkt in den Fokus rücken. An der Börse Stuttgart investiert über die Plattform Bison gut ein Viertel der Nutzerschaft über regelmäßige Sparpläne in Krypto-Assets.

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Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO sank die Sparquote in Österreich zuletzt von rund zehn Prozent im Vorjahr auf etwa acht Prozent. Während konservative Sparbücher durch die Einlagensicherung geschützt sind, führen Zinsen unterhalb der Inflationsrate dort zu Kaufkraftverlusten, weshalb jüngere Anleger dynamischere Kapitalmarktprodukte bevorzugen.

Zinsumfeld zwischen Sicherheitsbedürfnis und Renditeüberlegungen

Laut dem Vermögensbarometer 2026 des Sparkassenverbands Baden-Württemberg rangiert Sicherheit mit 66 Prozent der Nennungen weiterhin vor Rendite und Zinshöhe an erster Stelle der Kriterien. Auf dem deutschen Bankenmarkt zeigen sich deutliche Zinsunterschiede: Aktionszinsen für Tagesgeld reichen vereinzelt über vier Prozent, liegen jedoch häufig zeitlich befristet vor.

Nach Erhebungen des Vergleichsportals Biallo beträgt der durchschnittliche Aktionszins seit Mitte September rund drei Prozent. Bestandskunden überregionaler Institute erhalten 1,48 Prozent, während Sparkassen im Schnitt 0,49 Prozent und Volks- und Raiffeisenbanken 0,57 Prozent für Tagesgeld vergüten.

Bei einjährigem Festgeld werden leicht drei Prozent und mehr erzielt; Sparkassen zahlten hier zuletzt im Schnitt 0,27 Prozentpunkte mehr als noch Mitte September. Einlagen bleiben innerhalb der EU beziehungsweise des EWR über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro je Kunde und Institut abgesichert.

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Junge Sparer zwischen Informationsbedarf und Vorsorgelücken

Eine Erhebung der MAI Group für den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) unter 2.013 jungen Erwachsenen in Deutschland zeigt, dass sich 72 Prozent der 18- bis 30-Jährigen mindestens einmal wöchentlich mit Finanzfragen beschäftigen.

Dennoch empfinden lediglich 45 Prozent Sicherheit im Umgang damit – bei Frauen liegt dieser Anteil bei 36 Prozent, bei Männern bei 53 Prozent. Bei der Informationsbeschaffung dominieren soziale Medien (42 Prozent), Suchmaschinen und Podcasts (jeweils 41 Prozent) sowie KI-Anwendungen (34 Prozent), während Bankberatungen von 27 Prozent und schulische Angebote nur von neun Prozent genutzt werden.

Hinsichtlich der Beträge ergab eine BVR-Analyse über Kantar, dass Bundesbürger durchschnittlich rund 200 Euro monatlich sparen, jedoch 275 Euro für erforderlich halten, was einer rechnerischen Lücke von 75 Euro entspricht.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist in diesem Zusammenhang kritisch darauf hin, dass traditionelle Kinderpolicen, Bausparverträge oder aktiv gemanagte Fondssparpläne oft teuer oder renditeschwach seien.

Für das Erlernen des Umgangs mit kleinen Beträgen im Grundschulalter behalte das Sparbuch zwar eine Funktion, eigne sich wegen der geringen Verzinsung aber kaum für langfristige Sparziele. Vertretungen der Kreditwirtschaft betonen demgegenüber die Notwendigkeit von Anreizen zur frühen Finanzbildung, die auch in schulischen Lehrplänen verankert werden müsse.

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