Bildung, Soziales

Wenn KI zum GegenĂĽber wird: USTP-Forscherin untersucht die sozialen Folgen kommunikativer KI

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:55 Uhr | pressetext, AD HOC NEWS
St. Pölten - Was verändert sich, wenn KI nicht mehr nur Werkzeug ist, sondern mit Menschen kommuniziert, Nähe vermittelt oder Aufgaben in der Beziehungsarbeit übernimmt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Sprachwissenschafterin Sabine Lehner an der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. In ihrem Forschungsprojekt "KIKKI" am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung untersucht sie, welche Vorstellungen von Sprache, Kommunikation und Mensch-Maschine-Interaktion mit KI-basierten Sprachtechnologien verbunden sind. Für ihre herausragende Forschung erhielt Lehner das renommierte APART-GSK-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Sabine Lehner - Bild: Jan Dreer / IFK ĂĽber pressetext.de

Generative KI-Systeme wie ChatGPT oder Gemini haben künstliche Intelligenz in kurzer Zeit für Millionen Menschen zugänglich gemacht. Die Technologien werden immer häufiger im privaten und beruflichen Alltag eingesetzt. Gleichzeitig werfen sie neue Fragen auf: Welche Vorstellungen von Kommunikation liegen solchen Systemen zugrunde? Wie verändern sie das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine? Und welche gesellschaftlichen Folgen hat ihr Einsatz?

Ideologien hinter KI

Diesen Fragen widmet sich Lehner im Forschungsprojekt "KIKKI – Kommunikationsideologien in Bezug auf kommunikative künstliche Intelligenz" am Ilse Arlt Institut der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Kommunikationsideologien, also Vorstellungen darüber, was Sprache und Kommunikation ausmachen und welche Eigenschaften Menschen künstlicher Intelligenz zuschreiben. Es geht um die sozialen Dimensionen von Sprache und darum, was passiert, wenn soziale Interaktionen und Funktionen zunehmend von Maschinen übernommen werden.

Lehner geht diesen Fragen empirisch in zwei Feldern nach: Erstens untersucht sie die Vorstellungen und (potentiellen) Anwendungen von KI-basierten Sprachtechnologien aus der Warte von KI-Forscher*innen und -Entwickler*innen und somit jenen Akteur*innen, die diese Technologien selbst entwickeln und beforschen. Zudem fokussiert Lehner auf Bereiche, in denen Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen für das Professionsverständnis und den Arbeitsalltag eine zentrale Rolle spielen. Deshalb analysiert Lehner zweitens auch den Umgang mit KI-basierten Sprachtechnologien in der Sozialen Arbeit.

"Mit dem Projekt möchte ich der Frage nachgehen, welche Vorstellungen von Sprache und Kommunikation in KI-Systemen enthalten sind und wie Menschen diese Technologien wahrnehmen und nutzen. Gerade in sensiblen Bereichen wie der Sozialen Arbeit ist es wichtig, Chancen und Grenzen kommunikativer KI kritisch zu betrachten. Umso mehr freue ich mich über das APART-GSK-Stipendium, das mir die Möglichkeit gibt, diese Forschung in den kommenden Jahren intensiv voranzutreiben", sagt Lehner.

Wenn KI kommunikative Sorgearbeit ĂĽbernimmt

Seit Projektbeginn konnte Lehner bereits neue Erkenntnisse und Schwerpunkte erarbeiten. In ihren ersten Studien – etwa zur App "Replika", mit der sich virtuelle Freund*innen und Begleiter*innen erschaffen lassen, und zum KI-gestützten Dolmetschen in der Sozialen Arbeit – rückt die Forscherin die Frage nach der sprachlichen Sorgearbeit ins Zentrum: Was bedeutet es, wenn menschliche sprachliche Interaktionen automatisiert werden und dabei Zuwendung und Nähe maschinell erzeugt werden?

Das Forschungsprojekt verbindet an der USTP Fragestellungen zu künstlicher Intelligenz mit der Expertise des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung. Ziel des Projekts ist es unter anderem, besser zu verstehen, welche Vorstellungen von Kommunikation in KI-Sprachtechnologien angelegt sind, wie Akteur*innen aus KI-Forschung und Sozialer Arbeit diese Technologien wahrnehmen und welche Anwendungen im Bereich der Sozialen Arbeit als vertretbar eingeschätzt werden.

Das Forschungsprojekt leistet einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über künstliche Intelligenz. Die Ergebnisse sollen helfen, ein besseres Verständnis für die sozialen Auswirkungen KI-basierter Kommunikationstechnologien zu entwickeln und Handlungsempfehlungen für ihren verantwortungsvollen Einsatz zu erarbeiten.

Forschung an der Schnittstelle von Digitalisierung und Sozialem

"Wir gratulieren Sabine Lehner herzlich zu dieser außergewöhnlichen Auszeichnung. Das Stipendium bestätigt die hohe wissenschaftliche Qualität ihrer Forschung und unterstreicht die Bedeutung innovativer Forschung an der Schnittstelle von Digitalisierung und Sozialem", betont Christine Haselbacher, Leiterin der Fakultät für Gesundheit und Soziales der USTP.

Auch Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung, freut sich über den Erfolg: "Das APART-GSK-Stipendium zählt zu den renommiertesten Förderungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Österreich. Die Auszeichnung würdigt die herausragende Forschungsleistung von Sabine Lehner und ihre exzellente wissenschaftliche Arbeit. Gleichzeitig stärkt sie die internationale Sichtbarkeit unseres Instituts und eröffnet neue Perspektiven für die Forschung zu den gesellschaftlichen Auswirkungen künstlicher Intelligenz."

Renommiertes Stipendium fĂĽr exzellente Forschung

Das APART-GSK-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist ein Förderprogramm für exzellente Nachwuchswissenschaftler*innen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in der ersten Post-Doc-Phase. Es unterstützt außergewöhnliche Forschungspersönlichkeiten dabei, wissenschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen und ihre eigenen Forschungsprogramme umzusetzen.

Mehr zum Projekt:

https://research.ustp.at/projekte/kikki-kommunikationsideologien-in-bezug-auf-kommunikative-kuenstliche-intelligenz

APART-GSK-Stipendium:

https://stipendien.oeaw.ac.at/stipendien/apart-gsk

Über die USTP – University of Applied Sciences St. Pölten

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten (vormals Fachhochschule St. Pölten) steht für innovative Lehre, wirkungsvolle angewandte Forschung und – als leitende Hochschule der European-University-Allianz E³UDRES² – für gelebte Europeanness. Als USTP – University of Applied Sciences St. Pölten unterstreicht sie ihre wachsende Internationalität und ihre Rolle als dynamischer Knotenpunkt für tertiäre Bildung, Forschung und gesellschaftliche Transformation – regional, national und in ganz Europa. Mehr als 4.000 Studierende erhalten in zahlreichen Bachelor- und Master-Studiengängen sowie berufsbegleitenden Weiterbildungsprogrammen eine praxisorientierte Ausbildung in den Themenbereichen Medien, Kommunikation, Management, Digitale Technologien, Informatik & KI, Security, Bahntechnologie, Gesundheit und Soziales. Lehre und Forschung sind dabei eng verzahnt.

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