Wertstoffhof-Neueröffnung: Landkreis Augsburg nimmt Altgeräte ab 24. September
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die fachgerechte Entsorgung von Altgeräten und die Rückführung werthaltiger Metalle in den Rohstoffkreislauf gewinnen angesichts steigender Rohstoffbedarfe und strenger Vorgaben zunehmend an Bedeutung. Von kommunalen Kontrollen über bürokratische Umstellungen im grenzüberschreitenden Schrotthandel bis hin zu industriellen Pilotprojekten zeigt sich die Kreislaufwirtschaft gegenwärtig an mehreren Schnittstellen gefordert.
Illegale Sammlungen und kommunale Entsorgungswege
Auf lokaler Ebene bereitet die unregulierte Erfassung von Schrott immer wieder Probleme. So kontrollierte die Stadt Essen am Autokino in Bergeborbeck den illegalen Schrottverkauf, wobei 500 alte Elektrogeräte entsorgt und rund 9000 Euro an offenen Forderungen eingetrieben wurden.
Im Landkreis Mittelsachsen warnten die zuständigen Entsorgungsdienste EKM vor nicht genehmigten Handzettel-Sammlungen für Elektrogeräte, Fahrzeuge, Maschinen, Schrott und Möbel. Dabei handle es sich nicht um kommunale Sperrmüllabholungen; häufig würden lediglich hochwertige Gegenstände mitgenommen, während Restabfälle zurückblieben.
Auch für private Haushalte gelten klare Vorgaben. Juristen weisen darauf hin, dass Elektroaltgeräte, Batterien, Plastik, Metall, Glas und Papier nicht über den Restmüll entsorgt werden dürfen; falsch befüllte oder überfüllte Behälter dürfen von Entsorgern stehen gelassen werden.
Für zusätzliche Abfallmengen kosten Mehrmengenbanderolen je nach Region und Müllart meist zwischen 3 und 6 Euro pro Stück. Bei dauerhaft überfüllten Tonnen besteht für Mieter die Möglichkeit einer Mietminderung, wie Urteile des Amtsgerichts Potsdam (Az. 26 C 406/94) und des Amtsgerichts Köln (Az. 155 C 3424/75) belegen.
Gleichzeitig passen Kommunen ihre Sammelinfrastruktur an. Der Landkreis Augsburg eröffnet am 24. September 2026 einen Wertstoffhof im Umweltkompetenzzentrum Langerringen, der unter anderem Elektroaltgeräte, Altmetalle, Kunststoffe und Sperrmüll kostenfrei annimmt, während Stoffe wie Bauschutt oder Photovoltaikmodule ausgeschlossen bleiben.
Im Zuge der Neustrukturierung schließen Ende September 2026 die Standorte Schwabmünchen, Langerringen und Konradshofen; zum 31. Dezember 2026 folgen Hiltenfingen, Kleinaitingen, Großaitingen und Klosterlechfeld. In der Schweizer Gemeinde Wald AR ist für den 24. Oktober 2026 eine unentgeltliche Sonderabfuhr für Elektronikschrott und Haushaltsgroßgeräte angesetzt.
Hemmnisse im grenzüberschreitenden Schrotthandel
Wer Elektroaltgeräte, Batterien oder Metallschrott einfach in den Restmüll gibt, riskiert, dass die Tonne stehen bleibt — und bei dauerhaft überfüllten Behältern sogar Ärger mit dem Vermieter. Der neue Wertstoffhof im Landkreis Augsburg nimmt Elektroaltgeräte, Altmetalle, Kunststoffe und Sperrmüll kostenfrei an; Bauschutt und Photovoltaikmodule bleiben ausgeschlossen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was wohin gehört und welche Standorte Ende des Jahres schließen. Kostenlosen Entsorgungs-Leitfaden anfordern
Auf Verbandsebene sorgen neue digitale Vorgaben für Kritik. Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, der künftig den Zusatz „Recycling Germany“ führt und rund 1.100 Unternehmen mit etwa 60.000 Beschäftigten vertritt, warnt gemeinsam mit dem BDSV und dem VDM vor massiven Störungen durch das seit dem 21. Mai 2026 verpflichtende Digital Waste Shipment System (DIWASS) gemäß der EU-Verordnung 2024/1157. Laut einer bvse-Umfrage unter Mitgliedern wurde bislang keine Notifizierung vollständig über das System abgewickelt.
Die Verbände fordern eine Verlängerung der Papierform-Übergangsfrist mindestens bis zum 30. Juni 2027, eine zweimonatige Testphase sowie eine einjährige pauschale Verlängerung für Bestandsnotifizierungen.
Zudem warnt die CMA vor Einschränkungen im internationalen Handel mit Sekundärrohstoffen. Die EU-Kommission prüfte seit März 2025 Ausfuhrbeschränkungen für Metallschrotte, verzichtete jedoch im Oktober 2025 bei Stahlschrott darauf und ließ auch einen Ausfuhrzoll auf Aluminiumschrott fallen.
Ab dem 21. Mai 2027 untersagt die Abfallverbringungsverordnung den Export von Metallschrotten in Nicht-OECD-Staaten; eine Ausnahmeliste der EU-Kommission soll bis zum 21. November 2026 vorliegen.
Industrielle Verfahren zur Rohstoffrückgewinnung
Die Bedeutung geschlossener Kreisläufe wächst vor dem Hintergrund internationaler Prognosen. Szenarien der Internationalen Energieagentur (IEA) erwarten bis 2040 eine höhere Nachfrage nach Lithium, Kupfer, Graphit, Nickel und Seltenen Erden; für 2035 weisen IEA-Berechnungen auf eine potenzielle Deckungslücke beim Kupfer hin.
Die Europäischen Union strebt für 2030 an, mindestens 25 Prozent des eigenen Bedarfs an strategischen Rohstoffen über Recycling und mindestens 40 Prozent über Verarbeitung abzudecken, während maximal 65 Prozent aus einem einzelnen Drittstaat stammen dürfen.
Nicht genehmigte Handzettel-Sammlungen für Elektrogeräte und Schrott sind keine kommunale Abholung: Häufig werden nur die hochwertigen Teile mitgenommen, der Rest bleibt zurück — und die Entsorgung dann an Ihnen. Unser Leitfaden erklärt, wie Sie genehmigte kommunale Wege erkennen und Altgeräte kostenfrei über den Wertstoffhof abgeben, statt sie zweifelhaften Sammlern zu überlassen. Leitfaden zur sicheren Altgeräte-Abgabe sichern
In der Industrie entstehen dazu neue technische Ansätze:
* Batterierecycling: Das Krefelder Unternehmen Accurec investiert in die direkte Lithium-Rückgewinnung, um die Weiterverarbeitung nicht wie bislang üblich bei der Schwarzmasse enden zu lassen. Laut Geschäftsführer Sojka zahlen sich die Investitionen derzeit jedoch noch nicht sicher aus.
Porsche erprobt in einem Pilotprojekt mit cylib Batteriezellen, deren Kathoden-Aktivmaterial vollständig aus recyceltem Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan aus konzerneigenen Hochvoltbatterien stammt.
* Biomining: Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg nutzen Bakterien, um Kupfer, Gold und Silber mit reduziertem Chemikalien- und Energieeinsatz aus Elektronikschrott zu lösen; eine Demonstrationsanlage soll bis Anfang 2027 betriebsbereit sein.
* Photovoltaik-Recycling: Im österreichischen Schwaz hat das Unternehmen Daka Ende Juli eine automatisierte Entrahmungsstation in Betrieb genommen, die Aluminiumrahmen mittels Bildverarbeitung vom Glas-Folie-Verbund trennt.
