West-Nil-Virus, Infektionen

West-Nil-Virus: 312 Infektionen in Italien, 16 TodesfÀlle

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das West-Nil-Virus etabliert sich in neuen europĂ€ischen Regionen. Deutschland verzeichnet erste FĂ€lle, wĂ€hrend SĂŒdeuropa hohe Infektionszahlen meldet.

West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus: Neue Risikogebiete in Deutschland identifiziert
Eine StechmĂŒcke sitzt auf einem menschlichen Unterarm in einer Waldumgebung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Ausbreitung des West-Nil-Virus (WNV) in Europa hat in den vergangenen Jahren an Dynamik gewonnen. Aktuelle Untersuchungen des Bernhard-Nocht-Instituts fĂŒr Tropenmedizin (BNITM) sowie Daten des EuropĂ€ischen Zentrums fĂŒr die PrĂ€vention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) verdeutlichen, dass sich der Erreger zunehmend in Regionen etabliert, die zuvor nicht als Risikogebiete galten.

WĂ€hrend die Infektionsketten in SĂŒdeuropa bereits seit lĂ€ngerem fest verankert sind, zeigen Simulationsmodelle fĂŒr Deutschland eine stetige Expansion seit dem ersten Auftreten im Jahr 2018.

Simulationsmodelle identifizieren regionale Schwerpunkte in Deutschland

Forscher des BNITM haben die Ausbreitungswege des Virus innerhalb Deutschlands analysiert. Den Ergebnissen zufolge bilden insbesondere Ostdeutschland sowie ein Korridor, der sich von Norddeutschland bis in den SĂŒdwesten erstreckt, klimatische und ökologische Hotspots fĂŒr das Infektionsgeschehen. Als entscheidender Faktor fĂŒr die Einschleppung und die rĂ€umliche Verteilung wurden Zugvögel identifiziert, die als Hauptwirte des Virus fungieren.

Das vom BNITM entwickelte Modell deckt sich mit den tatsĂ€chlich gemeldeten Infektionszahlen. In Deutschland wurde im Rahmen der aktuellen Erhebungen fĂŒr das Jahr 2026 unter anderem ein Fall in Rheinland-Pfalz registriert. Die Simulationen unterstreichen, dass die klimatischen Bedingungen in den identifizierten Gebieten die Vermehrung der ÜbertrĂ€germĂŒcken begĂŒnstigen, was eine dauerhafte Etablierung des Virus ermöglicht.

Die epidemiologische Lage im europÀischen Vergleich

Nach Angaben des ECDC wurden im Jahr 2026 bisher West-Nil-Infektionen in insgesamt 12 europĂ€ischen LĂ€ndern nachgewiesen. Betroffen sind neben Deutschland auch Albanien, Frankreich, Griechenland, Italien, der Kosovo, die Niederlande, Nordmazedonien, Österreich, RumĂ€nien, Serbien und Spanien.

Insgesamt meldeten 99 Regionen InfektionsfÀlle, wobei 21 Regionen erstmals betroffen waren. Dies stellt eine Steigerung zum Vorjahr dar, in dem 9 LÀnder und 67 Regionen FÀlle verzeichneten.

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Besonders hohe Fallzahlen weist Italien auf. Mit Stand vom 22. August 2026 wurden dort 312 Infektionen in 60 Provinzen und 16 Regionen dokumentiert. Davon entfielen 156 FÀlle auf schwere neuroinvasive VerlÀufe. In Italien wurden zudem 13 TodesfÀlle gemeldet, darunter ein 84-jÀhriger Patient in der Provinz Padua sowie ein weiterer Todesfall in Oristano.

Auch Griechenland berichtet von einer angespannten Lage mit 157 registrierten FĂ€llen und 13 bis 15 Todesopfern (Stand 22. August 2026). Etwa zwei Drittel der griechischen FĂ€lle konzentrieren sich auf die Region Attika. In Nordmazedonien wurde seit Anfang August eine Epidemie im Raum Skopje beobachtet.

Dort stieg die Zahl der Infektionen auf 43 FÀlle bei 5 gemeldeten TodesfÀllen. Zum Vergleich: Zwischen dem Erstnachweis in Nordmazedonien im Jahr 2011 und Ende 2025 waren insgesamt lediglich 54 Infektionen registriert worden. In RumÀnien wurden 34 FÀlle und zwei Todesopfer in 14 betroffenen Regionen gezÀhlt.

Herausforderungen fĂŒr die öffentliche Gesundheitsvorsorge

Das West-Nil-Virus, das erstmals 1937 in Uganda isoliert wurde, stellt die europĂ€ischen Gesundheitssysteme vor logistische Herausforderungen, da bisher weder eine spezifische Behandlungsmethode noch eine Impfung fĂŒr Menschen verfĂŒgbar ist. Die klinischen VerlĂ€ufe variieren stark: WĂ€hrend ein Großteil der Infektionen asymptomatisch verlĂ€uft oder sich durch grippeĂ€hnliches Fieber Ă€ußert, fĂŒhren schwere FĂ€lle zu neurologischen Komplikationen.

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Auch in Deutschland sind erste FĂ€lle aufgetreten – und Forscher erwarten eine weitere Ausbreitung. Gerade fĂŒr Ă€ltere Menschen kann eine Infektion schwer verlaufen. Erfahren Sie in diesem Leitfaden, welche Regionen besonders betroffen sind und wie Sie sich beim Reisen effektiv schĂŒtzen. Leitfaden zum MĂŒckenschutz jetzt sichern

Angesichts der steigenden Fallzahlen und der Ausweitung der betroffenen Gebiete fordert das ECDC verstĂ€rkte PrĂ€ventionsmaßnahmen. CĂ©line Gossner, Abteilungsleiterin beim ECDC, betonte die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes zur MĂŒckenbekĂ€mpfung.

Da die Übertragung primĂ€r ĂŒber StechmĂŒcken erfolgt, die das Virus von infizierten Vögeln auf den Menschen ĂŒbertragen, wird den nationalen Behörden geraten, Überwachungsprogramme zu intensivieren und die Bevölkerung zu Schutzmaßnahmen gegen MĂŒckenstiche aufzurufen.

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