West-Nil-Virus: Zwei lokale Fälle in Baden-Württemberg
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 08:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWest-Nil-Fälle in zwei Regionen
- Die beiden Infektionen wurden in der vergangenen Woche entdeckt.
- Die Betroffenen hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten.
- Bis zum 7. Oktober waren bundesweit vier weitere Fälle dokumentiert.
Erstmals lokale West-Nil-Infektionen in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg sind erstmals zwei Menschen mit lokal erworbenen Infektionen des West-Nil-Virus registriert worden. Nach Angaben des Sozialministeriums steckten sie sich im Raum Stuttgart und Karlsruhe durch Stiche infizierter Stechmücken an.
Fälle in der vergangenen Woche entdeckt
Beide Personen hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten. Die Infektionen wurden demnach in der vergangenen Woche entdeckt; Angaben zu Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand machte das Ministerium zunächst nicht.
Ministerium sieht kein erhöhtes Bevölkerungsrisiko
Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken übertragen. Mücken können das Virus jedoch auch auf Menschen und andere Säugetiere übertragen.
Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln West-Nil-Fieber mit fieberhaften, grippeähnlichen Beschwerden. Rund eine von 100 infizierten Personen erkrankt schwer. In der Regel heilt die Erkrankung komplikationslos aus; bei schweren Verläufen treten Spätfolgen jedoch relativ häufig auf.
Virus bereits bei Vögeln und Pferden festgestellt
Das Sozialministerium teilte mit, das Virus sei bereits 2024 bei Vögeln und Pferden in Baden-Württemberg festgestellt worden. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) erklärte laut Mitteilung, der Nachweis bei Menschen sei deshalb nicht überraschend. Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts bestehe derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung.
Schutz vor Mückenstichen empfohlen
Eine spezifische antivirale Behandlung und eine für Menschen zugelassene Impfung stehen derzeit nicht zur Verfügung. Empfohlen werden Mückenschutzmittel, lange, helle und weite Kleidung sowie Mückenschutzgitter an Fenstern und Türen.
Auch mögliche Brutstätten im eigenen Garten oder auf dem Balkon sollten vermieden werden. Untersetzer und Übertöpfe sollten umgedreht werden, damit sich darin kein Regenwasser sammelt.
Ärzte sollen bei Symptomen an Infektion denken
Ärztinnen und Ärzte sollen während der Stechmückensaison bei unklarem Fieber oder neurologischen Erkrankungen eine mögliche West-Nil-Infektion berücksichtigen. Bei entsprechendem Verdacht sollen geeignete Laboruntersuchungen veranlasst werden.
Deutschland registriert lokale Fälle seit 2019
Lokal erworbene West-Nil-Infektionen sind in Deutschland seit 2019 bekannt. Sie wurden zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt.
Bis zum 7. Oktober wurden in diesem Jahr bundesweit vier Fälle dokumentiert: zwei in Berlin sowie jeweils einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika; erstmals wurde es 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt. In Europa trat es Anfang der 1960er Jahre erstmals in Frankreich auf.
Die beiden Fälle markieren einen regionalen Erstnachweis, stehen aber in einem bereits bekannten deutschen Entwicklungsmuster. Lokal erworbene West-Nil-Infektionen werden in Deutschland seit 2019 registriert; zuvor lagen die Schwerpunkte vor allem in ostdeutschen Bundesländern. Das Virus zirkuliert vor allem zwischen Vögeln und Stechmücken. Menschen und andere Säugetiere können als Fehlwirte infiziert werden.
Für die Bevölkerung bedeutet der Nachweis vor allem erhöhte Aufmerksamkeit während der Mückensaison, nicht automatisch eine allgemeine Gefahrenlage. Nach Angaben des Sozialministeriums besteht derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Eine Übertragung im alltäglichen direkten Kontakt zwischen Menschen findet nicht statt.
Schutz bleibt entscheidend
Da weder eine spezifische antivirale Behandlung noch eine für Menschen zugelassene Impfung zur Verfügung steht, konzentriert sich die Vorsorge auf den Mückenschutz. Lange, helle und weite Kleidung, Repellentien sowie Schutzgitter an Fenstern und Türen können Stiche vermeiden. Auch stehendes Wasser in Untersetzern, Übertöpfen oder anderen Gefäßen sollte beseitigt werden, weil es Mücken als Brutstätte dienen kann.
Ärztinnen und Ärzte sollen bei unklarem Fieber oder neurologischen Beschwerden während der Mückensaison auch an eine West-Nil-Infektion denken und gegebenenfalls Labortests veranlassen. Für Reisende und die medizinische Versorgung bleibt damit entscheidend, lokale Infektionen von importierten Fällen zu unterscheiden.
