West-Nil-Virus, Baden-Württemberg

West-Nil-Virus: Zwei lokale Fälle in Baden-Württemberg

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Baden-Württemberg haben sich erstmals Menschen nachweislich vor Ort mit dem West-Nil-Virus infiziert. Das Land sieht derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung und rät zu konsequentem Mückenschutz.

Infektionen in zwei Regionen entdeckt

  • Das Sozialministerium registrierte zwei Männer im Alter von 28 und 83 Jahren mit lokal erworbenen Infektionen.
  • Die Ansteckungen erfolgten nach derzeitigem Stand im Raum Stuttgart und Karlsruhe durch infizierte Stechmücken.
  • Bis zum 7. Oktober waren in Deutschland vier weitere Fälle des laufenden Jahres dokumentiert.
In Stuttgart und Karlsruhe wurden zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus gemeldet. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn
In Stuttgart und Karlsruhe wurden zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus gemeldet. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn

West-Nil-Virus erstmals bei Menschen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind erstmals zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus bei Menschen nachgewiesen worden. Die beiden Männer aus dem Südwesten hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten und steckten sich nach derzeitigem Stand im Raum Stuttgart und Karlsruhe durch Stiche infizierter Stechmücken an.

Fälle in der vergangenen Woche entdeckt

Die Infektionen wurden nach Angaben des Sozialministeriums in der vergangenen Woche entdeckt. Die Betroffenen sind 28 und 83 Jahre alt; ob sie schwerer erkrankt sind, teilte das Ministerium zunächst nicht mit.

Das Virus wird hauptsächlich zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken übertragen. Mücken können es auch auf Menschen und andere Säugetiere übertragen.

Land sieht kein erhöhtes Risiko

Nach Einschätzung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand erklärte, es sei nicht überraschend, dass das Virus nach den Nachweisen bei Vögeln und Pferden im Jahr 2024 nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg festgestellt worden sei.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet im alltäglichen Kontakt nicht statt. Für infizierte Personen ist deshalb keine Quarantäne erforderlich; auch eine Weitergabe des Virus von Menschen auf Stechmücken ist wegen der geringen Viruslast im Blut nicht beschrieben.

Schutz durch Kleidung und Repellents

Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln West-Nil-Fieber, eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Rund eine von 100 infizierten Personen erkrankt schwer. Eine spezifische antivirale Behandlung und eine für Menschen zugelassene Impfung gibt es derzeit nicht.

Das Landesgesundheitsamt empfiehlt daher Mückenschutzmittel, lange, helle und weite Kleidung sowie Mückenschutzgitter an Fenstern und Türen. Wasseransammlungen in Untersetzern und Übertöpfen sollten beseitigt werden, damit dort keine Brutstätten entstehen.

Vier Fälle bundesweit bis Anfang Oktober

Lokal erworbene West-Nil-Infektionen sind in Deutschland seit 2019 bekannt und wurden zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt. Bis zum 7. Oktober wurden in diesem Jahr vier Fälle dokumentiert: zwei in Berlin sowie jeweils einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz.

Ärztinnen und Ärzte sollten während der Mückensaison bei unklarem Fieber oder neurologischen Erkrankungen auch eine West-Nil-Infektion in Betracht ziehen und geeignete Laboruntersuchungen veranlassen. Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika und wurde erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt.

Die beiden Fälle markieren für Baden-Württemberg eine neue regionale Entwicklung: Das West-Nil-Virus war dort bereits 2024 bei Vögeln und Pferden nachgewiesen worden, nun wurde erstmals eine lokale Übertragung auf Menschen festgestellt. Der Übertragungsweg über heimische Stechmücken entspricht dem bekannten natürlichen Kreislauf, in dem Wildvögel als Reservoir und Mücken als Überträger eine zentrale Rolle spielen.

Für die Bevölkerung bleibt die unmittelbare Bedeutung nach Einschätzung des Landesgesundheitsamts begrenzt. Eine alltägliche Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt, und eine Quarantäne ist nicht erforderlich. Zugleich können lokale Infektionen insbesondere während warmer Mückenperioden auftreten. Das Risiko schwerer Krankheitsverläufe ist insgesamt niedrig, steigt aber bei älteren Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen.

Schutz vor Mückenstichen

Praktisch entscheidend ist deshalb der individuelle Mückenschutz: Repellents, lange und helle Kleidung sowie Fliegengitter können Stiche reduzieren. Auch kleine Wasseransammlungen in Untersetzern, Übertöpfen oder anderen Gefäßen sollten beseitigt werden, weil sie Mücken als Brutstätten dienen können.

Die Fälle in Stuttgart und Karlsruhe fügen sich in eine seit 2019 beobachtete Entwicklung lokal erworbener Infektionen in Deutschland ein. Für Ärztinnen und Ärzte gewinnt das Virus vor allem bei unklarem Fieber oder neurologischen Beschwerden während der Mückensaison als mögliche Diagnose an Bedeutung.

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