WhatsApp: 3,3 Milliarden Nutzer bekommen Nutzernamen statt Telefonnummer
27.05.2026 - 00:26:14 | boerse-global.de
Der zu Meta gehörende Messaging-Dienst rollt die lang erwartete Nutzername-Funktion nun breiter aus – ein fundamentaler Wandel für die Plattform mit rund 3,3 Milliarden aktiven Nutzern.
Mehr Privatsphäre durch neue Identifikation
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Die Funktion erlaubt es Nutzern, einen eindeutigen Benutzernamen anzulegen, den sie mit anderen teilen können – ohne die eigene Telefonnummer preiszugeben. Besonders für öffentliche Gruppen, Online-Marktplätze oder die Arbeit als Freelancer ist das ein Gewinn an Privatsphäre. Bislang war die Plattform kaum mehr als ein digitales Telefonbuch: Wer eine Nachricht schreiben wollte, brauchte die Nummer des Gegenübers.
Nach ersten Tests Anfang April 2026 wird die Funktion nun schrittweise für Android- und iOS-Nutzer freigeschaltet. Branchenbeobachter rechnen mit einer vollständigen globalen Einführung im Laufe des Sommers.
Technische Regeln für den perfekten Namen
Die neuen Nutzernamen unterliegen klaren Vorgaben: Sie müssen zwischen drei und 35 Zeichen lang sein und mindestens einen Buchstaben enthalten. Erlaubt sind Buchstaben, Zahlen, Punkte und Unterstriche. Verboten sind dagegen Anfänge wie „www" oder Domain-ähnliche Endungen – ein Schutz gegen Phishing-Versuche.
Einmal vergeben, ist der Name weltweit eindeutig. Wer seinen Namen ändern möchte, kann das später tun. Die Telefonnummer bleibt jedoch weiterhin Pflicht: Sie wird für die Registrierung, Anmeldung und Kontowiederherstellung benötigt. Der Nutzername ist ein optionales, nach außen gerichtetes Identifikationsmerkmal.
Zusätzliche Sicherheitsstufe: Der „Username Key"
WhatsApp arbeitet parallel an einem optionalen vierstelligen Sicherheitscode, dem sogenannten „Username Key". Selbst wer den genauen Nutzernamen kennt, bräuchte diesen Code, um eine Unterhaltung zu starten. Die Funktion soll Spam und unerwünschte Kontaktaufnahmen durch Bots unterbinden.
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Erst Mitte Mai führte die Plattform einen Inkognito-Modus für den KI-Assistenten Meta AI ein – Anfragen bleiben dort losgelöst vom Nutzerprofil. In der Betaversion testet WhatsApp zudem einen „Nach dem Lesen"-Modus für flüchtige Nachrichten: Der Countdown von fünf Minuten, einer Stunde oder zwölf Stunden startet erst, wenn der Empfänger die Nachricht tatsächlich geöffnet hat.
Business-Kunden müssen bis Juni umstellen
Auch Unternehmen müssen sich anpassen: Bis Juni 2026 müssen Firmen, die die professionellen WhatsApp-APIs nutzen, auf nutzernamen-kompatible Schnittstellen umgestellt haben. Nur so können sie weiterhin mit Kunden kommunizieren, die ihre Telefonnummer hinter dem neuen Handle verbergen.
„Liquid Glass" und KI-Integration
Die Nutzername-Funktion ist Teil einer umfassenden Neugestaltung. Für iOS-Nutzer bringt das Update ein „Liquid Glass"-Design mit fließenden Übergängen und einer aufgeräumten Chat-Ansicht. Die traditionelle Kamera-Taste weicht einer horizontalen Statusleiste am oberen Bildschirmrand.
Künstliche Intelligenz spielt eine immer größere Rolle: In der aktuellen Android-Betaversion können Tester Dokumente direkt an Meta AI senden – zur Analyse, Zusammenfassung oder Datenextraktion. Ein eigener KI-Tab in der Navigationsleiste ist in Planung. Ebenfalls in Entwicklung: ein automatisches Übersetzungstool für 21 Sprachen, das Echtzeit-Übersetzungen direkt im Chat ermöglicht.
Rechtsstreit um Verschlüsselung
Die technischen Neuerungen überschatten jedoch juristische Probleme. Am 21. Mai 2026 verklagte der US-Bundesstaat Texas Meta und seine Messaging-Tochter. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Nutzer über das Ausmaß und die Wirksamkeit seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung getäuscht. Meta wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Verschlüsselung als „Eckpfeiler der Privatsphäre-Architektur".
Ausblick: Die Telefonnummer wird zur Nebensache
Die vollständige Einführung der Nutzernamen soll bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen sein. Ein Zwang zur Umstellung besteht nicht – wer weiterhin seine Telefonnummer verwenden möchte, kann das tun. Doch für alle, denen Datenschutz und Kontaktsicherheit wichtig sind, ist der Schritt der bedeutendste seit dem Start des Dienstes.
Mit der Juni-Frist für Business-APIs dürfte eine Welle von Drittanbieter-Integrationen folgen. Die Mobilfunknummer, einst der Schlüssel zur digitalen Identität, rückt in den Hintergrund. Ob der Wandel gelingt, hängt davon ab, ob WhatsApp die Balance zwischen Komfort und der nötigen Sicherheit für Milliarden Nutzer findet.
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