WhatsApp ab Mai: Nutzernamen, KI-Modus und Countdown-Timer
25.05.2026 - 13:18:19 | boerse-global.deMit neuen Funktionen zur Kontrolle des digitalen Fußabdrucks will der Messenger den wachsenden Sicherheitsbedenken der Nutzer begegnen – während gleichzeitig eine Klage in den USA die Glaubwürdigkeit der Verschlüsselung infrage stellt.
Mehr Kontrolle über den eigenen Status
WhatsApp führt für iOS und Android sogenannte „Status-Listen" ein. Nutzer können damit individuelle Kontaktgruppen für ihre Status-Updates erstellen – ähnlich der „Close Friends"-Funktion auf Instagram. Wer einen Status nur für diese ausgewählte Gruppe teilt, erkennt das an einem lila Ring. Wichtig: Die Änderungen an den Listen bleiben privat. Kontakte werden nicht benachrichtigt, wenn sie hinzugefügt oder entfernt werden.
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„Read-Once" mit Countdown: Nachrichten löschen sich selbst
Noch einen Schritt weiter gehen die Entwickler bei den selbstlöschenden Nachrichten. Eine neue „Read-Once"-Funktion befindet sich derzeit in der Testphase. Anders als frühere Versionen bietet sie präzise Countdown-Timer: Nachrichten verschwinden fünf Minuten, eine Stunde oder zwölf Stunden nach dem Öffnen. Aktiviert wird die Funktion pro Chat – eine breite Einführung wird in den kommenden Wochen erwartet.
Inkognito-Modus für KI-Chats
Seit dem 13. Mai 2026 bietet WhatsApp einen Inkognito-Modus für KI-gestützte Unterhaltungen. Weder die Anfragen noch die Antworten der Künstlichen Intelligenz werden dauerhaft gespeichert. Meta betont, die Technologie sei für den Nutzer funktional gleichwertig zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – auch wenn der Mechanismus technisch anders funktioniert. Derzeit ist der Modus auf Text-Chats beschränkt.
Der große Wandel: Nutzernamen statt Telefonnummern
Seit dem 8. April 2026 rollt WhatsApp schrittweise eine grundlegende Neuerung aus: Nutzernamen. Jeder kann sich einen individuellen Handle aus 3 bis 30 Zeichen zulegen – bestehend aus Buchstaben, Zahlen und bestimmten Symbolen. Die Telefonnummer bleibt zwar für Login und Account-Wiederherstellung hinterlegt, ist aber für Kontakte, die über den Nutzernamen verbinden, nicht mehr sichtbar.
Ein optionaler vierstelliger PIN schützt vor automatisierten Nachrichten und unerwünschten Kontaktversuchen. Die Verfügbarkeit der Nutzernamen wird über das Meta Accounts Center geprüft. Ein globaler Rollout wird bis Juni 2026 erwartet.
Klage in Texas: Ist die Verschlüsselung wirklich sicher?
Ausgerechnet zum Zeitpunkt dieser Privatsphäre-Offensive gerät WhatsApp juristisch unter Druck. Am 21. Mai 2026 reichte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton Klage ein. Der Vorwurf: WhatsApp habe seine 3,3 Milliarden Nutzer über die Privatsphäre ihrer Nachrichten getäuscht.
Die Klage behauptet, WhatsApp unterhalte interne Systeme, die Mitarbeitern und Auftragnehmern Einblick in private Nachrichten ermöglichen. Die Verschlüsselung sei nicht so robust wie öffentlich dargestellt. Meta wies die Vorwürfe als „falsch und absurd" zurück. Kryptografie-Experten sehen die Beweislage als dünn an – möglicherweise basiere die Klage auf einem Missverständnis von Metadaten und Meldesystemen in verschlüsselten Umgebungen.
Sicherheitslücke auf Apple-Geräten entdeckt
Forscher des Teams Mysk fanden am 23. Mai 2026 heraus, dass WhatsApp auf iPhones und Macs bestimmte Chat-Datenbanken unverschlüsselt speichert. Die Dateien „Axolotl.sqlite" und „ContactsV2.sqlite" liegen in einem „App-Group-Container" – und damit potenziell für andere Meta-Apps wie Facebook oder Instagram zugänglich.
Sicherheitsexperten empfehlen besonders datenschutzbewussten Nutzern, andere Meta-Apps vom Gerät zu entfernen oder die Ende-zu-Ende-verschlüsselten Backups zu aktivieren.
Der große Sicherheitskontext: iOS 26.5 und die Bedrohungslage
Die WhatsApp-Updates kommen in einer Zeit massiver Veränderungen im mobilen Sicherheitsbereich. Apple veröffentlichte Anfang Mai 2026 iOS 26.5, das 52 Sicherheitslücken schloss und mit PQ3 einen Post-Quanten-Kryptografie-Standard einführte.
Seit dem 24. Mai 2026 aktiviert Apple zudem automatisch den „Diebstahlschutz": Außerhalb vertrauter Orte verlangt das System biometrische Authentifizierung und eine einstündige Sicherheitsverzögerung bei sensiblen Änderungen.
Der Hintergrund: Die Bedrohungslage hat sich drastisch verschärft. Banking-Trojaner nahmen im ersten Quartal 2026 um fast 200 Prozent zu. Rund 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen werden inzwischen von Künstlicher Intelligenz gesteuert.
In Indien warnte das Cybercrime-Koordinationszentrum I4C am 23. Mai vor einer gezielten Phishing-Kampagne gegen iPhone-Besitzer. Angreifer verschicken SMS, die als Apple-Support getarnt sind, und versuchen, Apple-ID-Zugangsdaten und Einmalpasswörter zu stehlen.
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Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Die kommenden Wochen werden für WhatsApp richtungsweisend. Mit dem globalen Rollout der Nutzernamen bis Juni rückt die offizielle Einführung der „Read-Once"-Countdown-Timer in den Fokus.
Die Branche blickt zudem auf die Worldwide Developers Conference (WWDC) am 8. Juni 2026, wo iOS 27 erwartet wird. Gerüchten zufolge setzt Apple stark auf „Apple Intelligence" – mit verbesserter Siri-Kontextsensitivität und KI-gestützten Fotobearbeitungswerkzeugen. Auch systemweite Privatsphäre-Funktionen wie ein Inkognito-Modus und automatische Chat-Löschung für die eigenen Nachrichten-Dienste könnten kommen.
Für WhatsApp bleibt die Herausforderung, die Führungsrolle bei verschlüsselter Kommunikation zu behaupten – während lokale Datenspeicherung und der Rechtsstreit in Texas für unruhiges Fahrwasser sorgen. Der Erfolg der neuen Funktionen wird entscheiden, ob der Messenger im zunehmend umkämpften Markt der sicheren Kommunikation bestehen kann.
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