WhatsApp-Betrug, GhostPairing

WhatsApp-Betrug: GhostPairing übernimmt Konten über gefälschte Wettbewerbe

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 06:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
GhostPairing verschafft Betrügern Zugriff auf WhatsApp-Konten und ermöglicht das Mitlesen von Chats sowie Nachrichten im Namen der Opfer.
Ein minimalistischer, schattiger Innenraum bei Dämmerung mit einem leeren Holztisch im Vordergrund. Illustration mit AI erstellt.

Cyberkriminelle nutzen zunehmend kompromittierte WhatsApp-Konten aus dem persönlichen Umfeld von Nutzern, um mit harmlos wirkenden Nachrichten weitere Accounts zu übernehmen. Die Masche, die sich über mehrere europäische Länder ausbreitet, zielt darauf ab, über gefälschte Online-Wettbewerbe Zugang zu den Profilen der Betroffenen zu erlangen und die Mobiltelefone unbemerkt mit Geräten der Täter zu koppeln.

Harmlos wirkende Bitten um Stimmenabgabe

Ausgangspunkt der Angriffe sind Nachrichten von bekannten Kontakten, die scheinbar aus dem Freundes- oder Familienkreis stammen. Darin bitten die Absender um Unterstützung für Bekannte bei einem Wettbewerb, etwa für ein Mädchen namens Eliska oder Sophie.

In den Texten wird dazu aufgerufen, für eine angebliche Teilnehmerin an einem Tanz- oder Talentwettbewerb zu stimmen, bei dem Stipendien, kostenlose Tanzstunden oder Auftritte in Aussicht stehen, wie etwa an der First International Ballet School in Prag.

Da die Nachrichten weder direkte Geldforderungen noch Hilferufe enthalten, wirken sie auf viele Empfänger unverdächtig. Ein mitgesendeter Link führt auf eine professionell gestaltete Website, auf der angebliche Kandidatinnen mit Fotos und Stimmständen abgebildet sind.

Analysen in Spanien ergaben, dass das Bildmaterial mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt worden war; Prüfwerkzeuge wie SynthID und TruthScan wiesen dies mit hoher Zuverlässigkeit nach, während Sicherheitsdienste wie VirusTotal und URLScan entsprechende Seiten als schädlich einstuften.

Kontoübernahme durch GhostPairing

Um die angebliche Stimme abzugeben, verlangt die gefälschte Plattform die Eingabe der eigenen Telefonnummer. Anschließend werden die Besucher aufgefordert, einen Verifizierungscode einzugeben, der über WhatsApp zugestellt wird, oder einen QR-Code auf der Seite zu scannen.

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Durch diese Eingabe koppeln die Opfer unwissentlich das Gerät der Betrüger mit ihrem eigenen WhatsApp-Konto. Bei dieser als „GhostPairing“ bekannten Vorgehensweise erhalten die Angreifer vollen Zugriff auf den Messenger, können bestehende Unterhaltungen mitlesen und eigenständig Nachrichten im Namen der Betroffenen versenden.

Diese Zugänge nutzen die Kriminellen anschließend, um schädliche Links an die Kontaktliste weiterzuleiten oder im Namen des Kontoinhabers Geldforderungen zu stellen.

Verbreitung in mehreren Ländern

Die Angriffswelle wird international beobachtet. Laut Berichten aus den Niederlanden schilderten dort Dutzende Betroffene denselben Ablauf; die Polizei Groningen sprach entsprechende Warnungen aus. In Belgien kursiert seit dem 19.10.2026 eine niederländischsprachige Variante, die eine Webadresse mit der Kennung fibs2026e10 verwendet.

Weitere Fälle wurden unter anderem aus der Schweiz im Kanton Freiburg, aus Spanien und aus Griechenland gemeldet, wo sich die Cybercrime-Abteilung der Polizei mit den Vorfällen befasst. Laut Sicherheitsberichten läuft die Masche in Deutschland bereits seit August 2026.

Dass solche Manipulationsversuche erfolgreich sind, deckt sich mit allgemeinen Mustern bei digitalen Straftaten: Laut dem Verizon Data Breach Investigations Report 2025 war menschliches Versagen an rund 60 Prozent der untersuchten Sicherheitsvorfälle beteiligt. In Peru machten Cyberbetrug und Identitätsdiebstahl nach Angaben des Ministerio Público für das Jahr 2026 über 92 Prozent aller Anzeigen im Bereich der Cyberkriminalität aus.

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Schutz- und Sofortmaßnahmen

Polizeibehörden raten dazu, ungewöhnliche Bitten aus dem Bekanntenkreis vor einer Reaktion über einen anderen Kommunikationsweg wie einen Telefonanruf oder eine SMS zu verifizieren. Generierte Verifizierungscodes dürfen unter keinen Umständen weitergegeben oder auf externen Seiten eingegeben werden.

Nutzer sollten in den Einstellungen der Messenger-App den Bereich für verknüpfte Geräte kontrollieren und unbekannte Sitzungen unverzüglich beenden. Zur weiteren Absicherung wird die Aktivierung der Zwei-Schritt-Verifizierung empfohlen. Sollte der Zugang zum Konto bereits verloren sein, muss die Mobilfunknummer in der Anwendung neu registriert und das persönliche Umfeld über den Missbrauch informiert werden.

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