WhatsApp-Betrug: Italienische Polizei warnt vor Zero-Click-Attacken
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 03:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die italienische Polizia Postale warnt aktuell vor einer neuen, schwerwiegenden Betrugswelle auf dem Messenger-Dienst WhatsApp. Kriminelle übernehmen dabei Nutzerkonten und nutzen bestehende Chatverläufe, um von den Kontakten der Opfer Geld per Überweisung zu fordern.
Die Behörden raten dringend dazu, die Identität des Absenders bei verdächtigen Nachrichten durch einen persönlichen Anruf zu verifizieren und keinesfalls Zahlungen ohne vorherige Prüfung zu leisten.
Gezielte Angriffe auf ungepatchte Endgeräte
Ein Schwerpunkt der aktuellen Angriffswelle liegt laut Berichten der Postpolizei auf sogenannten Zero-Click-Attacken. Diese wurden im August vermehrt in Italien, unter anderem in der Region Canavese, beobachtet.
Betroffen sind demnach vor allem Apple-Geräte, auf denen veraltete Versionen des Betriebssystems iOS sowie nicht aktualisierte WhatsApp-Anwendungen installiert sind. Das Besondere an dieser Methode ist, dass die Täter Konten ohne jegliche Interaktion seitens des Nutzers kapern können.
Sobald der Account übernommen wurde, kontaktieren die Betrüger gespeicherte Freunde oder Familienmitglieder und täuschen Notlagen vor, um finanzielle Unterstützung zu erschleichen. IT-Sicherheitsexperten empfehlen zur Abwehr dieser Angriffe die sofortige Installation verfügbarer Updates, die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie die regelmäßige Kontrolle der mit dem Account verknüpften Geräte.
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Weltweite Zunahme komplexer Betrugsversuche
Nicht nur in Italien, sondern auch in anderen Regionen verzeichnen Behörden und Organisationen neue Varianten von Messenger-Betrug. Die Verbraucherzentrale warnt vor gefälschten E-Mails, die im Namen von WhatsApp versendet werden. Darin wird eine Kontodeaktivierung innerhalb von 24 Stunden angedroht, falls keine Verifizierung über einen beigefügten Link erfolgt. Ziel dieser Phishing-Kampagne ist der Diebstahl persönlicher Daten.
In der Schweiz meldete die Polizei in Zürich und Winterthur zudem eine ungewöhnliche Methode: In Briefkästen wurden Zettel mit QR-Codes für angebliche Nachbarschaftsgruppen verteilt. Da die Urheber anonym bleiben und die Administratoren nicht auf Anfragen reagierten, wird zur Vorsicht gemahnt.
In Brasilien identifizierten Sicherheitsspezialisten von Acronis zudem die Malware „Astaroth“, die sich über WhatsApp Web verbreitet. Die Infektion erfolgt hierbei über ZIP-Dateien, die von bekannten Kontakten versendet werden, und zielt auf den Diebstahl von Bankdaten ab.
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Sicherheitsfunktionen und statistische Einordnung
WhatsApp reagiert auf die Bedrohungslage mit der Entwicklung neuer Schutzmechanismen. In einer aktuellen Beta-Version für Android testet das Unternehmen eine function namens „Scam Alert“. Ein Machine-Learning-Modell soll dabei verdächtige Nachrichten von unbekannten Nummern erkennen und Warnhinweise im Chat anzeigen. Die Verarbeitung erfolgt laut Unternehmensangaben lokal auf dem Gerät unter Wahrung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits auf Risiken wie das „Ghost Pairing“ hingewiesen, bei dem Angreifer Geräte unbemerkt mit einer Telefonnummer verknüpfen. Seit Ende August setzt WhatsApp verstärkt auf Passkeys und Passwörter anstelle der klassischen sechsstelligen PIN, um die Sicherheit zu erhöhen.
Die wirtschaftliche Dimension dieser Delikte ist erheblich. Laut Daten des FBI verursachten KI-gestützte Betrugsmaschen im Jahr 2025 in den USA Schäden von über 893 Mio. US-Dollar. In Deutschland beziffern Experten die Schäden durch Schockanrufe und ähnliche Delikte auf fast 100 Mio. Euro. Zuletzt wurden in Bayern zwei Seniorinnen Opfer von Telefonbetrug und Lovescamming, wobei ein Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich entstand.
