WhatsApp-Betrug: Kriminelle lesen Chats und fordern bis zu 1.295 Euro
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deBetrüger verschaffen sich vermehrt Zugriff auf bestehende WhatsApp-Konten, lesen private Chatverläufe aus und geben sich gegenüber Kontakten als vertraute Bezugspersonen aus, um dringende Überweisungen zu verlangen. Da die Täter aus verifizierten Accounts heraus agieren, bleiben Telefonnummer, Name und Konversationshistorie für die Kontaktierten unverändert, was das Misstrauen bei Hilfebitten deutlich senkt.
Vielfältige Maschen zur Kontoübernahme
Ermittlungsbehörden registrieren derzeit mehrere Methoden, mit denen Angreifer die Kontrolle über Profile erlangen. In Spanien meldete die Guardia Civil in La Rioja einen neuen Anstieg von Identitätsdiebstählen über kompromittierte WhatsApp-Konten, wobei insbesondere Android-Nutzer in mehreren Gemeinden ins Visier gerieten.
Die spanische Policía Nacional verzeichnete im letzten Monat zahlreiche Anzeigen, bei denen Zugänge über Social Engineering, Phishing-Links, infizierte WhatsApp-Gruppen sowie das Ausnutzen von Sicherheitslücken auf nicht aktualisierten Geräten erfolgten.
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Das spanische Cybersicherheitsinstitut Incibe wies im Kontext von Betrugsfällen in León darauf hin, dass ein Sicherheitsrisiko bei Apple-Geräten mit iOS-Versionen vor 16.7.12 und einer nicht aktualisierten WhatsApp-Anwendung bestehe. Allerdings waren laut Berichten auch neuere Geräte ohne aktuelle System-Updates betroffen.
Die italienische Polizia Postale berichtete zudem von Zero-Click-Angriffen, bei denen unter bestimmten Voraussetzungen nicht einmal das Öffnen eines Links erforderlich ist; der Hersteller stellte dafür bereits Sicherheitsaktualisierungen bereit.
In Mexiko warnte die SSPE Chihuahua vor einer Methode, bei der Täter die Zielnummer auf einem fremden Telefon registrieren, den Bestätigungscode per Anruf auf die Mailbox leiten lassen und diesen dort über oft unveränderte Standardpasswörter abhören. Das Polizeipräsidium Oberpfalz warnt wiederum vor einer Masche namens Ghost Pairing, bei der Kriminelle fremde Geräte über manipulierte Links oder QR-Codes mit dem Konto verknüpfen.
Hohe finanzielle Forderungen an das Umfeld
Sobald Kriminelle Zugriff auf ein Konto haben, kontaktieren sie Familienmitglieder oder Freunde unter dem Vorwand finanzieller Engpässe. Die Policía Nacional dokumentierte Fälle mit Zahlungsaufforderungen über 1.295 Euro unter dem Versprechen einer Rückzahlung am Folgetag.
In León wurden Beträge von 990 Euro im familiären Umfeld sowie Einzelforderungen von mehr als 1.000 Euro zur Anzeige gebracht. Nach Angaben von Beamten greift bei solchen Überweisungen der Schutz durch Banken in der Regel nicht.
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Aus der italienischen Provinz Brindisi wurden Zunahmen von Anzeigen bei Polizei und Carabinieri gemeldet. In einem dokumentierten Fall forderte ein Betrüger 1.300 Euro für einen angeblichen Online-Möbelkauf, nannte eine IBAN und drängte beharrlich auf eine Sofortüberweisung.
Auch in La Rioja transferierte ein Betroffener gutgläubig über 900 Euro an ein fremdes Bankkonto, nachdem eine vermeintliche Vertrauensperson um Unterstützung gebeten hatte.
In Bayern zahlte ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab nach Kontaktaufnahme durch Betrüger einen hohen dreistelligen Eurobetrag, bevor er bei einer weiteren Forderung misstrauisch wurde und Anzeige erstattete.
Empfohlene Schutzmaßnahmen
Sicherheitsbehörden und IT-Experten raten dazu, Geldforderungen niemals ungeprüft über denselben Messenger zu bedienen, sondern die anfragende Person über einen regulären Telefonanruf direkt zu kontaktieren. Registrierungscodes, Passwörter oder PINs dürfen keinesfalls weitergegeben werden.
Zur Vorbeugung wird dringend empfohlen, die Zwei-Schritt-Verifizierung in den Einstellungen von WhatsApp zu aktivieren, das Betriebssystem des Mobiltelefons sowie die Anwendung stets auf dem neuesten Stand zu halten und regelmäßig die Liste der verknüpften Geräte auf unbekannte Sitzungen zu prüfen.
Ist ein Konto bereits kompromittiert, sollten Kontakte unverzüglich über alternative Kanäle wie SMS oder Anrufe gewarnt, Beweise wie Screenshots und Zahlungsbelege gesichert und umgehend Anzeige erstattet werden.
