Wohneigentum verliert Reiz: Nur noch 42% der Deutschen kaufen Immobilien
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Immer mehr Menschen wollen Dinge nicht mehr besitzen – sondern nur noch nutzen. Dieser Trend zum urbanen Minimalismus prägt zunehmend die Geschäftsmodelle in der Immobilien- und Dienstleistungsbranche. Vom Büromöbel über das Fitnessstudio bis zur Wohnung: Der Zugang zu Ressourcen gewinnt gegenüber dem traditionellen Eigentum an Bedeutung.
Mieten statt kaufen: Büromöbel im Kreislauf
Die Sedus-Stoll-Gruppe bringt ab Juli 2026 ein zirkuläres Angebot namens S:ircle auf den deutschen Markt. Das Modell sieht vor, dass Unternehmen Möbel nicht mehr kaufen, sondern mieten können. Dazu gehören der Rückkauf von Gebrauchtmöbeln sowie deren Aufbereitung und Wiederverwertung.
Ziel ist die Schaffung geschlossener Materialkreisläufe. Digitale Plattformen sollen helfen, den Bestand zu verwalten und den CO?-Fußabdruck der Möbel transparent zu machen. Firmen können so flexibel auf Flächenbedarfe reagieren, ohne langfristig Kapital in physischen Gütern zu binden.
Fitnessmarkt: Eine Mitgliedschaft für alles
Auch bei Sportangeboten zeigt sich die Abkehr vom Einzelbesitz. Der Urban Sports Club (USC) hat sich in Europa als führender Fitnessaggregator etabliert. Nach eigenen Angaben betreibt das Unternehmen über 15.000 Partnerstandorte in acht Ländern. Deutschland gilt als der größte Markt für solche Modelle.
Die Branche konsolidiert sich: Bereits 2025 wurde USC für rund 600 Millionen US-Dollar von Wellhub übernommen. Verbraucher schätzen die Flexibilität, mit nur einer Mitgliedschaft auf viele Sportstätten zuzugreifen. Doch Studios kritisieren die Vergütungsstruktur. Die Erlöse pro Buchung liegen teils deutlich unter den Preisen für Direktkunden.
Wohnungsmarkt: Eigentum verliert an Reiz
Wer angesichts von 4–4,5% Finanzierungszinsen und fallenden Immobilienpreisen überlegt, ob Kaufen noch sinnvoll ist, findet in diesem Report eine klare Checkliste sowie drei Schritte zur Kapitalanlage ohne Eigentum. Jetzt kostenlosen Entscheidungs-Report anfordern
Im deutschen Wohnungsmarkt verschieben sich die Prioritäten. Nur noch 42 Prozent der Deutschen leben im Wohneigentum. Finanzexperten führen das auf steuerliche Rahmenbedingungen und hohe Finanzierungszinsen zurück – die liegen teils zwischen 4 und 4,5 Prozent. In den vergangenen vier Jahren fielen die Immobilienpreise nominal um rund 6 Prozent, die Transaktionszahlen gingen um mehr als ein Viertel zurück.
Gleichzeitig steigt der Druck auf dem Mietmarkt. Laut dem Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die Angebotsmieten bundesweit um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Köln liegt das Plus bei 7,9 Prozent, in Hamburg bei 5,5 Prozent. Das Angebot an freien Mietwohnungen ist in Metropolen wie Frankfurt oder Hamburg seit 2022 massiv eingebrochen.
Alternative Wohnmodelle gewinnen an Bedeutung. Im Frühjahr 2026 wurde in München ein bedeutendes Anwesen an eine Stiftung übertragen. Dort entsteht preisgedämpfter Wohnraum für Pflegekräfte und Studierende – zum Mietpreis von etwa 13 Euro pro Quadratmeter.
Technologie und Nachhaltigkeit: Die Branche reagiert
Die Immobilienwirtschaft investiert verstärkt in Technologie. Ein Konsortium aus Aroundtown, Vonovia, LEG und weiteren Partnern startete im Juli 2026 die vierte Kohorte ihres Startup-Förderprogramms AtechX. Elf Jungunternehmen testen neue Technologien in bewohnten Gebäuden, um die Energieeffizienz zu steigern. Hintergrund ist die EU-Gebäuderichtlinie, die eine Senkung des Primärenergieverbrauchs bis 2030 vorschreibt.
Die Mietpreise steigen bundesweit um 4,0% – in Köln sogar um 7,9%. Wer sich gegen den Kauf entscheidet, braucht eine Strategie für die Mietkostenexplosion. Dieser Report zeigt, wie Sie mit alternativen Wohnmodellen langfristig günstiger wohnen. Alternative Wohnmodelle jetzt vergleichen
In Köln-Ehrenfeld entsteht bis Oktober 2026 ein großflächiges Mieterstromprojekt. Photovoltaikanlagen auf Genossenschaftsbauten ermöglichen es Bewohnern, an der Energiewende teilzuhaben – ohne selbst in Infrastruktur investieren zu müssen.
Städte wie Luxemburg experimentieren zudem mit „Tactical Urbanism“. Versiegelte Plätze werden temporär in grüne Treffpunkte umgewandelt. Das verbessert die urbane Lebensqualität durch geteilten Raum. Auch in Linz wird diese Maßnahme für großflächig versiegelte Areale diskutiert.
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