Wurmkuren, Moxidectin

Wurmkuren: Moxidectin reduziert Erdbeer-Ernte um 25 Prozent

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung aus Kiel und Trier belegt: Der Wurmkur-Wirkstoff Moxidectin senkt Erdbeererträge um 25 Prozent und destabilisiert die natürliche Schädlingskontrolle.

Moxidectin-Studie: Wurmkur-Rückstände schmälern Erdbeerertrag und stören Ökosysteme
Nahaufnahme einer Erdbeerpflanze auf einem landwirtschaftlichen Feld bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Rückstände von Tierarzneimitteln in Böden weitreichendere Folgen für die Landwirtschaft und die Biosphäre haben könnten als bisher angenommen. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie der Universität Kiel und der Universität Trier hat den Wirkstoff Moxidectin, der unter dem Handelsnamen Cydectin als Wurmkur bei Nutztieren eingesetzt wird, im Hinblick auf seine Auswirkungen auf Nutzpflanzen und deren Ökosysteme untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichen signifikante Beeinträchtigungen sowohl bei den Ernteerträgen als auch im biologischen Gleichgewicht der Insektenpopulationen.

Erhebliche Einbußen bei Erntemenge und Fruchtgewicht

Die Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse Anfang August 2026 präsentiert wurden, zeigen eine deutliche Korrelation zwischen der Belastung des Bodens mit Moxidectin und der Produktivität von Erdbeerkulturen. Laut den Daten der beteiligten Wissenschaftler reduzierte sich der Gesamtertrag der untersuchten Erdbeerpflanzen um ein Viertel (25 Prozent). Neben der geringeren Anzahl an Früchten verzeichnete das Forschungsteam zudem eine Abnahme des durchschnittlichen Fruchtgewichts um ein Drittel.

Diese Funde deuten darauf hin, dass der Wirkstoff direkt oder indirekt physiologische Prozesse der Pflanzen beeinflusst, die für die Fruchtbildung und das Wachstum maßgeblich sind. Da Wurmkuren wie Moxidectin über Gülle oder Mist auf landwirtschaftliche Flächen gelangen können, stellen diese Erkenntnisse eine neue Perspektive auf die Langzeitfolgen herkömmlicher Tierhaltungspraktiken für den Acker- und Gartenbau dar.

Störung der natürlichen Nahrungsketten im Pflanzenbau

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Ein zentraler Aspekt der Studie aus dem August 2026 ist die Veränderung der Pflanze-Insekt-Nahrungskette. Die Forscher beobachteten eine massive Vermehrung von Schädlingen: So stieg die Anzahl der Blattläuse an den betroffenen Pflanzen um das Zehnfache an, sofern keine Schwebfliegenlarven als natürliche Fressfeinde präsent waren.

Gleichzeitig zeigten sich komplexe Auswirkungen auf die Nützlinge selbst. Schwebfliegen-Weibchen legten zwar eine viermal höhere Anzahl an Eiern ab, doch die Qualität des Nachwuchses war erheblich beeinträchtigt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Eier ungleichmäßiger verteilt und häufig vertrocknet waren, was zu einer geringeren Vitalität und einer verminderten Überlebenschance der Larven führte. Damit wird der natürliche Regulationsmechanismus, bei dem Schwebfliegenlarven den Blattlausbestand kontrollieren, empfindlich gestört. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment (Ausgabe 1031, 181822) publiziert wurde, belegt somit, dass Tierarzneimittel nicht nur Zielorganismen, sondern ganze ökologische Netzwerke destabilisieren können.

Forderungen nach Anpassung der Umweltprüfverfahren

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Angesichts der detaillierten Ergebnisse fordern die beteiligten Wissenschaftler der CAU Kiel und der Universität Trier eine grundlegende Neuausrichtung bei der Zulassung und Überwachung von Tierarzneimitteln. Die Autoren der Studie betonten in Stellungnahmen Anfang August 2026, dass ökologische Wechselbeziehungen und indirekte Effekte auf die Nahrungskette in den aktuellen Umweltprüfverfahren nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Es reiche nicht aus, lediglich die Toxizität eines Stoffes für einzelne Organismen zu prüfen. Vielmehr müssten komplexe Interaktionen zwischen Pflanzen, Schädlingen und deren natürlichen Gegenspielern in die Risikobewertung einfließen. Nur durch eine umfassendere Berücksichtigung dieser ökologischen Zusammenhänge ließen sich unvorhergesehene Ernteausfälle und die schleichende Zerstörung natürlicher Schädlingsbekämpfungsmechanismen in der Landwirtschaft künftig vermeiden.

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