XPENG, IRON

XPENG IRON: Chinas E-Auto-Hersteller startet Roboter-Massenproduktion

27.05.2026 - 17:20:35 | boerse-global.de

XPENG treibt die Serienfertigung humanoider Roboter voran und plant den ersten Einsatz als Verkaufsassistenten in eigenen Showrooms.

XPENG IRON: Chinas E-Auto-Hersteller startet Roboter-Massenproduktion - Foto: über boerse-global.de
XPENG IRON: Chinas E-Auto-Hersteller startet Roboter-Massenproduktion - Foto: über boerse-global.de

Bis Ende 2026 sollen die ersten Einheiten vom Band laufen.

Das gab Konzernchef He Xiaopeng bei einer Veranstaltung am Mittwoch bekannt. Der Schritt markiert eine strategische Wende: XPENG will sich vom reinen Fahrzeugbauer zum Anbieter „verkörperter künstlicher Intelligenz" entwickeln.

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Der IRON-Roboter und die Produktionsinfrastruktur

Das Herzstück der Roboter-Sparte ist der IRON-Humanoide. Das Modell ist 1,73 Meter groß, wiegt 70 Kilogramm und verfügt über mehr als 60 Gelenke. Allein die Hände besitzen 22 Freiheitsgrade – genug für komplexe Aufgaben. Erstmals kommt in einem humanoiden Roboter ein Festkörperakku zum Einsatz, der für mehr Sicherheit und längere Betriebszeiten sorgen soll.

Die Produktion läuft in einem eigens errichteten Werk in Guangzhou. Seit Februar 2026 entsteht dort auf 110.000 Quadratmetern eine Fertigungsanlage für die Eigenkomponenten – von Chips über das Betriebssystem bis hin zu den mechanischen Händen. „Wir entwickeln alles selbst", betonte He Xiaopeng. Die vertikale Integration sei genauso zentral wie bei den Fahrzeugen.

Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig: 2025 gab XPENG umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus, davon 660 Millionen Euro allein für KI. Für 2026 hat der Konzern das KI-Budget auf über eine Milliarde Euro aufgestockt.

Erste Einsatzorte: Die eigenen Verkaufsräume

Die ersten kommerziellen Anwendungen sind für das erste Quartal 2027 geplant. Die Roboter sollen zunächst als Einkaufsberater und Verkaufsassistenten in den XPENG-Showrooms arbeiten. Die Strategie dahinter: Die Technologie soll im kontrollierten Umfeld reifen, bevor sie in Industrie und Dienstleistungssektor expandiert.

Synergien mit dem autonomen Fahren

Der Vorstoß in die Robotik fällt mit einem Meilenstein im autonomen Fahren zusammen. Erst am Dienstag rollte das erste seriengefertigte Robotaxi in Guangzhou vom Band. Es basiert auf der GX-SUV-Plattform und nutzt die Turing-KI-Architektur mit einer Rechenleistung von 3.000 Billionen Operationen pro Sekunde.

Bemerkenswert: Das System kommt ohne Lidar oder HD-Karten aus – es arbeitet rein kamerabasiert. Die Reaktionszeit liegt bei unter 80 Millisekunden. Ein Pilotprogramm startet in der zweiten Jahreshälfte 2026, der vollständig fahrerlose Betrieb ist für Anfang 2027 geplant.

Zur Beschleunigung der Entwicklung launchte XPENG am Dienstag den KI-Fahrsimulator „X World" und die Beschleunigungstechnologie „X Cache". Die Zahl der virtuellen Testszenarien stieg von rund 30.000 auf über 500.000. Täglich werden nun virtuelle Fahrten von 30 Millionen Kilometern simuliert – eine Datenmenge, die den KI-Modellen einen entscheidenden Vorsprung verschaffen soll.

Wettbewerb und Marktdynamik

Die Branche erlebt einen regelrechten Produktionsboom. Im April sicherte sich ENGINEAI umgerechnet 280 Millionen Euro in einer Series-B-Finanzierung. Das Unternehmen eröffnete ein Werk in Shenzhen, das alle 15 Minuten einen humanoiden Roboter des Typs T800 ausstößt. Ein zweites Werk in Zhengzhou mit einer Kapazität von 10.000 Einheiten ist geplant.

Auch Figure treibt die Kommerzialisierung voran. Das Unternehmen schloss einen Großauftrag mit Catalyst Brands für den Einsatz von Figure-03-Robotern in einem Logistikzentrum in Nevada. In Tests verarbeiteten die Roboter 250.000 Pakete ohne einen einzigen Hardware-Ausfall.

Die Preise sinken parallel: LimX Dynamics brachte am Dienstag den humanoiden Roboter „Luna" für umgerechnet rund 42.000 Euro auf den Markt. Zum Vergleich: Die Durchschnittspreise von Unitree-Robotern fielen von 85.000 Dollar (2023) auf 25.000 Dollar (2025). Allerdings drohen geopolitische Gegenwinde: Der US-Kongress prüft Unitree seit dem 21. Mai nach dem „Blocking CCP Spy Tech Act".

Strategische Finanzierung und Marktreaktion

XPENG profitiert von massiver staatlicher Unterstützung. Am Mittwoch wurde das Unternehmen in den ersten Tranche eines 15 Milliarden Euro schweren Staatsfonds der Provinz Guangdong aufgenommen. Es handelt sich um das erste unbefristete staatliche Investmentvehikel der Provinz – ein klares Signal für die strategische Bedeutung des KI-Sektors.

Die Börse reagierte positiv: Die XPENG-Aktie stieg am Dienstag um über sieben Prozent auf umgerechnet rund 15,60 Euro. Auslöser waren Berichte über rund 50.000 Bestellungen im Mai – ein Plus von 40 Prozent gegenüber April und zehn Prozent im Jahresvergleich. Der Flaggschiff-SUV GX verbuchte allein in den ersten zwölf Stunden nach Marktstart knapp 25.000 Festbestellungen.

Zwar lieferte XPENG im ersten Quartal 2026 mit 93.693 Einheiten 33,3 Prozent weniger aus als im Vorjahr. Doch der jüngste Bestellanstieg rückt das Jahresziel von 550.000 bis 600.000 Auslieferungen wieder in greifbare Nähe.

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Institutionelle Nachfrage als Stütze

Auch staatliche Großabnehmer treiben die Robotik voran. Im Mai 2026 erhielt Guozi Robotics einen Auftrag des chinesischen Staatsnetzbetreibers State Grid. Dieser plant, im Laufe des Jahres 8.500 Roboter im Wert von umgerechnet rund 900 Millionen Euro einzusetzen. Die Botschaft ist klar: Der Übergang vom Prototypen zum funktionalen Arbeitskräften beschleunigt sich quer durch alle Sektoren.

Ausblick

Die nächsten 24 Monate werden die Grenzen zwischen Auto- und Roboterindustrie neu definieren. Während XPENG auf sein Massenproduktionsziel 2026 und den Einzelhandelsstart 2027 zusteuert, bereiten andere Global Player ihre Großserien vor. Hyundai Motor Group kündigte am Mittwoch an, ab 2028 insgesamt 25.000 Atlas-Roboter in seinen Werken einsetzen zu wollen – beginnend im Metaplant im US-Bundesstaat Georgia.

Für XPENG steht nun die internationale Expansion des Software-Ökosystems im Fokus. Vize-Präsident James Wu bestätigte, dass das selbstfahrende System XNGP innerhalb von zwei Jahren nach Malaysia kommen soll. Mit drei SUV-Modellen für Rechtslenker-Märkte und der Integration der VLA-2.0-Software in Fahrzeuge und Roboter steht der Konzern vor dem ultimativen Test: Kann eine einheitliche KI-Architektur tatsächlich Straßen und Verkaufsräume gleichermaßen erobern?

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