Xylit: Hohe Blutwerte mit 57 Prozent mehr Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko verknüpft
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass alltägliche Umwelt- und Ernährungsfaktoren die Stoffwechselgesundheit und das Herz-Kreislauf-System stärker beeinträchtigen könnten als bisher angenommen. Im Zentrum der Diskussion stehen unter anderem gängige Zuckeraustauschstoffe wie Xylit und Erythrit sowie die Aufnahme von Mikroplastik, das in Tierversuchen mit funktionellen Störungen der Leber in Verbindung gebracht wurde.
Mikroplastik und Fetteinlagerungen in der Leber
Eine deutsch-österreichische Studie unter Federführung der Universität Bonn, die im September 2026 in der Fachzeitschrift Nature Metabolism publiziert wurde, untersuchte die Auswirkungen von Kunststoffpartikeln auf den Organismus. In Versuchen erhielten junge Mäuse einmal pro Woche Mikroplastik in einer Dosis, die bezogen auf das Körpergewicht an Werte von Erwachsenen angepasst war.
Nach einem Zeitraum von 12 Wochen stellten die Forscher fest, dass sich die Partikel in den Kupffer-Zellen der Leber anreicherten. Diese Ablagerungen beeinträchtigten die Funktion der Immunzellen und führten sekundär zu einer vermehrten Fetteinlagerung im Lebergewebe.
Untersuchungen mit Nanoplastik, dessen Partikel zehnmal kleiner als die Vergleichspartikel waren, zeigten hingegen geringere Veränderungen in der Leber. Diese kleineren Fragmente lagerten sich stattdessen bevorzugt im braunen Fettgewebe an.
Kardiovaskuläre Hinweise bei Xylit und Erythrit
Parallel dazu widmen sich kardiologische Untersuchungen den Wirkungen alternativer Süßungsmittel. Auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology wurden Daten vorgestellt, wonach hohe Konzentrationen von Xylit im Blut mit einem um 57 Prozent höheren Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt innerhalb der nachfolgenden sechs Jahre verknüpft waren als niedrige Werte.
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In einer begleitenden Untersuchung an zehn Freiwilligen, die 30 Gramm Xylit – was der typischen Menge in einer Dose Limonade entspricht – konsumierten, wurde das Blut 30 Minuten später analysiert.
Als möglicher Mechanismus gilt eine Aktivierung und Verklumpung der Blutplättchen. Allerdings betont die Fachgesellschaft, dass dieser statistische Zusammenhang keine Kausalität beweist, weshalb größere Studien gefordert werden; zudem entsteht Xylit auch körpereigen beim Glukoseabbau.
Ergänzende Beobachtungsdaten zu schweren kardiovaskulären Ereignissen (MACE) stützen diese Signale: In zwei Kohorten aus Kanada und Europa mit insgesamt über 17.000 Teilnehmenden war ein höherer Xylitspiegel in der kanadischen Gruppe mit einem um 57 Prozent höheren Risiko verbunden.
In der europäischen Kohorte lag das Risiko über 30 Jahre hinweg um 18 Prozent höher. Auch nach Einberechnung verschiedener Einflussfaktoren blieb dieser Zusammenhang bestehen, ohne dass die Beobachtungsstudie eine definitive Ursache-Wirkung-Beziehung nachweist.
Ähnliche Effekte wurden zuvor bereits für den Zuckeralkohol Erythrit beschrieben. Eine Publikation von Witkowski et al. in Nature Medicine aus dem Jahr 2023 verzeichnete nach einer Dosis von 30 Gramm Erythrit einen etwa 1.000-fachen Anstieg des Blutspiegels, während eine erhöhte Thrombozytenreaktivität über 48 bis 72 Stunden anhielt.
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Bei mehr als 4.000 Patienten verdoppelte sich das Risiko für schwere kardiale Ereignisse über drei Jahre im obersten Konzentrationsquartil gegenüber dem untersten. Ergänzende In-vitro-Tests an Endothelzellen zeigten nach drei Stunden verringertes Stickstoffmonoxid, erhöhtes Endothelin-1 sowie eine gehemmte t-PA-Aktivität.
Behördliche Bewertungen und Gewichtsmanagement
Trotz dieser Beobachtungen unterscheiden Zulassungsbehörden weiterhin zwischen Korrelation und nachgewiesener Schädlichkeit. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte im September 2026 die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) für den Süßstoff Aspartam von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag.
Die vorliegende Evidenz begründe keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Verzehr und Gesundheitsschäden. Zuvor hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Aspartam im Jahr 2023 als möglicherweise krebserzeugend eingestuft, ohne eine Kausalität zu belegen; das gemeinsam Expertengremium von WHO und FAO beließ den ADI-Wert 2023 unverändert.
Auch im Rahmen der Gewichtsreduktion bleibt das Bild differenziert: Eine 104-wöchige randomisierte Studie der Universität Liverpool mit 493 übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen verglich eine Wassergruppe mit einer Gruppe, die Diätgetränke mit nicht-nährstoffhaltigen Süßstoffen konsumierte.
Während die Wassergruppe im Schnitt 3,7 Kilogramm verlor, lag der Wert in der Süßstoffgruppe bei 4,8 Kilogramm – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied bei vergleichbarer Verbesserung weiterer Parameter. Die aufgenommenen Mengen lagen dabei deutlich unter den Grenzwerten der EFSA.
