Xylit, Kaugummis

Xylit in Kaugummis: Studie zeigt 57% erhöhtes Herzinfarkt-Risiko

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langzeituntersuchungen verknüpfen hohe Xylit-Blutwerte mit Herz-Kreislauf-Ereignissen, belegen wegen körpereigener Bildung jedoch keine Ursache.

Xylit und Herzrisiko: Langzeitdaten zeigen statistischen Zusammenhang
Ein Glasbecher mit weißem, kristallinem Pulver auf einem Edelstahltisch in einem medizinischen Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Zuckeraustauschstoff Xylit, auch als Birkenzucker bekannt und in zahlreichen zuckerfreien Kaugummis sowie anderen Alltagsprodukten enthalten, steht seit einer Studie der Charité Berlin vom 26. August 2026 im Fokus der kardiologischen Forschung.

Auf dem ESC-Kongress in München wurden nun weiterführende Langzeitdaten präsentiert, die den Zusammenhang zwischen Xylit-Blutwerten und Herz-Kreislauf-Ereignissen genauer beleuchten – und zugleich eine zentrale Einschränkung offenlegen: Die Kausalität bleibt unklar, weil Xylit auch im menschlichen Körper selbst entsteht.

Die Zahlen im Detail

Grundlage der Analyse ist eine Untersuchung mit 17.710 Teilnehmenden. Verglichen wurden Personen mit den höchsten und den niedrigsten Xylit-Blutwerten. In einer kanadischen Kohorte (CLSA) zeigte sich über einen Zeitraum von sechs Jahren ein um 57 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei denjenigen mit den höchsten gemessenen Werten.

In einer europäischen Kohorte (EPIC-Norfolk) mit einem Beobachtungszeitraum von bis zu 30 Jahren lag die Risikoerhöhung bei 18 Prozent. Laut den auf dem ESC-Kongress vorgestellten Auswertungen war dieser Zusammenhang unabhängig von Alter, Geschlecht und bestehenden Vorerkrankungen nachweisbar.

Als möglichen biologischen Mechanismus nennt Dr. Marco Witkowski von der Charité, dass Xylit Blutplättchen reaktiver mache und damit die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen könne – ein Prozess, der mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Kreislauftod in Verbindung gebracht wird.

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Die entscheidende Einschränkung: Beobachtungsstudie ohne Kausalitätsbeweis

Sowohl die kanadischen als auch die europäischen Daten stammen aus Beobachtungsstudien. Das bedeutet: Ein statistischer Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Werten im Blut und einem erhöhten Risiko lässt sich zeigen, ein ursächlicher Zusammenhang jedoch nicht beweisen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Xylit nicht ausschließlich über die Nahrung aufgenommen wird, sondern auch als körpereigener Stoffwechselzwischenprodukt entsteht.

Hohe Blutwerte könnten also nicht allein auf den Konsum von Kaugummis oder anderen xylithaltigen Produkten zurückzuführen sein, sondern auch individuelle Stoffwechselunterschiede widerspiegeln. Diese Unschärfe erschwert es, aus den Beobachtungsdaten konkrete Verzehrempfehlungen abzuleiten.

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Einordnung in die Süßstoff-Debatte

Die Diskussion um Xylit reiht sich in eine breitere Debatte über Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe ein. Wie eine Einordnung von BR24 zeigt, gelten die meisten Süßstoffe grundsätzlich als gesündere Alternative zu Zucker, da sie keine Kalorien liefern und keinen Blutzuckeranstieg verursachen.

Für zugelassene Süßstoffe besteht demnach kein erhöhtes Krebsrisiko – auch wenn die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Aspartam als „möglicherweise krebserregend“ einstuft, gilt dies bei normalem Verzehr als unbedenklich. Diese generelle Einschätzung zu Süßstoffen lässt sich jedoch nicht unmittelbar auf die spezifischen Befunde zu Xylit und Herz-Kreislauf-Risiken übertragen, da es sich um unterschiedliche Wirkmechanismen handelt.

Offene Fragen

Die auf dem ESC-Kongress in München vorgestellten Daten liefern damit ein differenziertes Bild: Der statistische Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Blutwerten und kardiovaskulären Ereignissen ist in zwei unabhängigen Kohorten mit unterschiedlichen Beobachtungszeiträumen dokumentiert.

Ob und in welchem Ausmaß der Konsum xylithaltiger Produkte tatsächlich ursächlich zu diesen erhöhten Werten und damit zum Risiko beiträgt, oder ob körpereigene Stoffwechselprozesse eine größere Rolle spielen, lässt sich aus den vorliegenden Beobachtungsdaten nicht abschließend klären. Weitere Forschung wäre nötig, um diese Unterscheidung zu treffen.

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