Yuka bewertet Lebensmittel: 60 Prozent zÀhlen nach dem Nutri-Score
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Untersuchungen zu gesundheitlichen Auswirkungen restriktiver ErnÀhrungsformen sowie zur Aussagekraft des Nutri-Scores und mobiler Bewertungs-Apps liefern neue Einblicke in den Umgang mit Lebensmitteln. Verbraucher stehen zunehmend vor der Herausforderung, zwischen extremen ErnÀhrungskonzepten wie der Carnivore-DiÀt und teils vereinfachenden Kennzeichnungssystemen verlÀssliche Orientierung zu finden.
Risiken und Grenzen der reinen Fleischnahrung
Die sogenannte Carnivore-DiĂ€t basiert ausschlieĂlich auf tierischen Produkten. BefĂŒrworter versprechen sich davon eine zĂŒgige Gewichtsabnahme durch das Erreichen einer Ketose, ein anhaltendes SĂ€ttigungsgefĂŒhl sowie den vollstĂ€ndigen Wegfall stark verarbeiteter Nahrungsmittel. Anders als die ketogene ErnĂ€hrung, die pflanzliche Kost ausdrĂŒcklich einschlieĂt, schlieĂt dieser Ansatz pflanzliche Komponenten vollstĂ€ndig aus.
Fachleute weisen auf erhebliche gesundheitliche Risiken hin. Der strikte Verzicht auf pflanzliche Nahrung fĂŒhrt zu einem Mangel an essenziellen NĂ€hrstoffen wie Ballaststoffen, Vitamin C, Vitamin E und Kalium. Zu den typischen Begleiterscheinungen zĂ€hlt Verstopfung. Zudem können ein Anstieg des LDL-Cholesterinspiegels und damit verbundene Herzrisiken sowie eine Belastung der Nieren durch den sehr hohen Proteingehalt auftreten.
Bislang ist keine wissenschaftlich gesicherte Dauer fĂŒr eine unbedenkliche DurchfĂŒhrung bekannt. Experten raten davon ab, die ErnĂ€hrungsform ohne Ă€rztliche Aufsicht lĂ€nger als wenige Wochen beizubehalten. FĂŒr Schwangere, Stillende, Kinder sowie Personen mit vorbestehenden Nieren- oder Herzerkrankungen gilt sie als ungeeignet.
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Apps und Kennzeichnungssysteme in der Kritik
Parallel zur Debatte ĂŒber ErnĂ€hrungsweisen steht die transparente Bewertung von Fertigprodukten im Fokus. Mobile Anwendungen gewinnen dabei an Einfluss. Die App Yuka etwa gewichtet Produkte nach Angaben ihrer MitgrĂŒnderin Julie Chapon zu 60 Prozent nach dem NĂ€hrwert auf Basis des Nutri-Scores, zu 30 Prozent nach enthaltenen Zusatzstoffen und zu 10 Prozent ĂŒber einen Bio-Bonus.
Einer unternehmenseigenen Erhebung zufolge haben 97 Prozent der Nutzer nach einem Scan ein Produkt nicht mehr gekauft. Eine andere Anwendung, El Coco, orientiert sich an NĂ€hrwertprofilen der Weltgesundheitsorganisation mit 17 Kategorien, Verarbeitungsgraden sowie chilenischen Warnsiegeln.
VerbraucherschĂŒtzer und Fachleute sehen solche Auswertungen kritisch. Bei den Apps eingestufte Zusatzstoffe gelten nach den PrĂŒfungen der EuropĂ€ischen Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher. Zudem lasse das PrĂ€dikat Bio keine direkten RĂŒckschlĂŒsse auf den gesundheitlichen NĂ€hrwert zu.
Auch der Nutri-Score selbst steht in der Diskussion: Das System berechnet Werte einheitlich pro 100 Gramm und nicht pro ĂŒblicher PortionsgröĂe. Zudem wird der Gesamtzusammenhang einer ErnĂ€hrungsweise nicht erfasst.
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Debatte um EinfĂŒhrung und Aussagekraft in Estland
Wie umstritten die Aussagekraft des Nutri-Scores im Handel bleibt, zeigt sich auch auf regulatorischer Ebene. In Estland wurde ein Entwurf zur freiwilligen EinfĂŒhrung des Systems in ein Konsultationsverfahren gegeben. Voraussetzung dafĂŒr ist eine staatliche Genehmigung; das zustĂ€ndige Ministerium prĂŒft gegenwĂ€rtig die Auswirkungen auf Gesundheit und Wirtschaft.
Innerhalb der Wirtschaft gehen die Meinungen auseinander. Die BĂ€ckerei Leibur unterstĂŒtzt eine einheitliche Kennzeichnungsskala; ihr Kirde-Brot wurde mit der Note C eingestuft. Auf HĂŒrden im System verweist hingegen Maido Solovjov, Chef von Valio Eesti. Seiner EinschĂ€tzung nach könne ein krĂ€ftiger KĂ€se im System rechnerisch schlechter abschneiden als eine zuckerfreie Limonade wie Coca-Cola Zero.
Der Discounter Lidl setzt das Siegel bereits fĂŒr eigene Marken ein. Nach Umfragen des Handelsunternehmens stuft mehr als ein Drittel der Befragten die regulĂ€ren NĂ€hrwertangaben auf Verpackungen als schwer verstĂ€ndlich ein, was den Bedarf an einfachen Orientierungshilfen unterstreicht.
