Zahlungsverkehr: Singapur startet PayNow Gen2 mit QR-Interop
28.06.2026 - 00:30:29 | boerse-global.de
Gleich mehrere Großprojekte in Singapur, Großbritannien, Australien und Nigeria zielen auf schnellere, intelligentere und offenere Finanzdienstleistungen ab.
Singapur und Großbritannien: Die nächste Generation der Echtzeit-Zahlungen
Die Monetary Authority of Singapore (MAS) und der Verband der Banken in Singapur (ABS) haben am 26. Juni eine gemeinsame Studie für die zweite Generation des nationalen Sofortzahlungssystems PayNow angekündigt. „PayNow Gen2" soll unter anderem die Interoperabilität zwischen PayNow-QR und NETS-QR-Codes ermöglichen – ein Pilotprojekt ist noch für Ende 2026 geplant. Weitere Neuerungen umfassen Deep-Linking für Online-Checkouts sowie die Abwicklung größerer Transaktionen des öffentlichen Sektors, die ab 2027 in einer Sandbox-Phase getestet werden. Auch „agentic commerce" – also KI-gesteuerte Finanzgeschäfte – und grenzüberschreitende Zahlungen stehen auf dem Zettel. Ein vollständiger Umsetzungsfahrplan soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden.
Parallel dazu hat das Retail Payments Industry Board (RPIB) in Großbritannien eine Konsultation zur nächsten Generation der Einzelhandelszahlungsinfrastruktur gestartet. Bis zum 11. September 2026 können Marktteilnehmer zu einem Entwurf Stellung nehmen, der vor allem Konto-zu-Konto-Zahlungen am Point of Sale und verbesserte grenzüberschreitende Transaktionen in den Fokus rückt.
Regulierungsreformen: Wettbewerb und KI im Visier
Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat am 25. Juni eine umfassende Überprüfung der Regulierung des Zahlungssystems eingeleitet. In einem Diskussionspapier bittet die Zentralbank um Meinungen zu Themen wie Händlerwahlfreiheit, Mobile Wallets, „Buy now, pay later"-Diensten und Betrugsprävention. Die regulatorischen Prioritäten will die RBA bis Ende 2026 veröffentlichen, weitere Konsultationen sind für Mitte 2027 geplant.
In Nigeria hat die Zentralbank (CBN) auf der Digital Pay Expo am 26. Juni stärkere KI-Regulierung gefordert. Zwar setzen rund 87,5 Prozent der Fintech-Unternehmen im Land bereits KI zur Betrugserkennung ein, doch Infrastrukturlücken bleiben ein Problem. Die „Payments System Vision 2028" der CBN hat KI bereits als strategische Säule für die Branchenentwicklung identifiziert.
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KI-Agenten und autonome Finanzen auf dem Vormarsch
Die Entwicklung hin zum „agentic commerce" – bei dem KI-Assistenten Finanzaufgaben im Auftrag von Nutzern erledigen – gewinnt rasant an Fahrt. In Nigeria hat der Zahlungsdienstleister Paystack am 26. Juni ein KI-Checkout-Tool namens Paystack Index vorgestellt. Es erlaubt KI-Agenten wie ChatGPT oder Claude, Mobilfunkguthaben zu kaufen, Geld zu überweisen oder Essen zu bestellen – stets innerhalb vom Nutzer festgelegter Ausgabenlimits.
Ebenfalls am 26. Juni sicherte sich Airwallex 320 Millionen Euro in einer Series-H-Finanzierungsrunde. Die Bewertung des Unternehmens steigt damit auf rund elf Milliarden Euro. Das Kapital soll in den Ausbau autonomer Finanz- und Agentic-Commerce-Angebote fließen, darunter die KI-Plattform „T:0" und eine speziell für KI-gesteuerte Transaktionen entwickelte Consumer Wallet.
Digitaler Wallet-Markt: Neue Spieler fordern die Platzhirsche heraus
Der Wettbewerb um die digitale Geldbörse der Zukunft wird härter. X (ehemals Twitter) hat am 26. Juni eine Beta-Version von „X Money" für Premium-Nutzer in den USA gestartet. Der Dienst ermöglicht Peer-to-Peer-Überweisungen über Visa Direct und bietet eine jährliche Verzinsung von sechs Prozent auf Einlagen, die über die Cross River Bank verwaltet werden.
In Indien hat die National Payments Corporation of India (NPCI) mit „UPI Meta" eine neue Lösung zur Vereinfachung von Online-Checkouts eingeführt. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Unified Payments Interface (UPI) gegenüber internationalen Diensten wie Apple Pay zu sichern. UPI wickelt derzeit 86 Prozent aller digitalen Zahlungen in Indien ab – doch kleinere heimische Anbieter beklagen die Marktdominanz der beiden größten Player, die zusammen auf 78 Prozent Marktanteil kommen.
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In Polen haben ZEN.COM und Mastercard am 26. Juni „Click to Pay" eingeführt – ein tokenisiertes Checkout-System. Eine begleitende Studie zeigt: 96 Prozent der Polen zwischen 18 und 65 Jahren haben im vergangenen Jahr online eingekauft, 85 Prozent kennen die Technologie der einmaligen Registrierungszahlung.
Sicherheit und Selbstverwaltung: Neue Standards für digitale Vermögenswerte
Auch die Standardisierungsgremien arbeiten daran, sichere Zahlungen nutzerfreundlicher zu machen. EMVCo – das Konsortium der großen Kreditkartenorganisationen Visa, Mastercard und American Express – hat am 26. Juni einen Rahmenentwurf für überprüfbare digitale Berechtigungsnachweise vorgelegt. Ziel ist ein universeller Standard für Kartenzahlungen, der Betrug reduziert, ohne die Nutzererfahrung durch umständliche 3-D-Secure-Verfahren zu belasten.
PayPal hat zudem seine Kryptowährungsfunktionen aktualisiert: Nutzer können ihre digitalen Vermögenswerte nun auf externe Hardware- und Software-Wallets übertragen. Der Schritt markiert den Übergang von einem geschlossenen Ökosystem hin zu einem Self-Custody-Modell – ein Trend, der die gesamte Branche erfasst, da Nutzer zunehmend die direkte Kontrolle über ihre Bestände fordern.
