Zahnfleisch-Entzündung, Herzinfarkt-Risiko

Zahnfleisch-Entzündung: 90.000er-Studie zeigt Herzinfarkt-Risiko

30.06.2026 - 02:40:23 | boerse-global.de

Forschung zeigt: Mundgesundheit beeinflusst Herz und Gehirn. Neue Therapien zielen gezielt auf Parodontitis-Erreger, während Studien finanzielle Hürden belegen.

Zahnmedizin: Neue Wirkstoffe gegen Parodontitis und systemische Risiken
Zahnfleisch-Entzündung - Nahaufnahme einer Zahnbürste mit Zahnpasta, die auf Bakterien im Mund abzielt, mit angedeuteten medizinischen Forschungssymbolen im Hintergrund. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Denn Entzündungen im Mundraum beeinflussen Gefäße und Nerven – mit weitreichenden Folgen.

Gezielte Attacke auf Parodontitis-Erreger

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) haben eine neue Substanz identifiziert: Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat. Der Wirkstoff blockiert gezielt das Bakterium Porphyromonas gingivalis – den Hauptverursacher von Zahnfleischentzündungen.

Anders als Breitband-Antibiotika oder antiseptische Mundspülungen soll die gesunde Mundflora dabei unberührt bleiben. Das Spin-off PerioTrap hat bereits eine Mikrobiom-Zahnpasta auf den Markt gebracht. Ein Gel für die professionelle Zahnreinigung und Mundspülungen sind in der Entwicklung. Auch die Tiermedizin prüft das Potenzial.

Wenn der Zahnarztbesuch am Geld scheitert

Eine US-Studie unterstreicht die Relevanz solcher Therapien. Im Rahmen des „All of Us“-Forschungsprogramms analysierten Wissenschaftler Daten von über 90.000 Teilnehmern ab 55 Jahren. Ergebnis: Wer aus Kostengründen auf Zahnarztbesuche verzichtet, hat ein signifikant höheres Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz.

Nach Einschätzung der Autoren wären zwei bis vier Prozent dieser Erkrankungen vermeidbar – wenn finanzielle Hürden in der Zahnmedizin wegfallen. Für Diabetiker, die ohnehin ein erhöhtes Gefäßrisiko tragen, wird die lokale Entzündungskontrolle damit zur präventiven Schlüsselmaßnahme.

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Die 90.000er-Studie zeigt: Zahnfleischentzündungen erhöhen Ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall massiv. Doch es gibt neue Wege, sich zu schützen – ohne teure Zahnarztbesuche. Jetzt kostenlosen Präventions-Report anfordern

Wocheninsulin und Immuntherapie: Neue Wege bei Diabetes

Parallel zu den oralmedizinischen Fortschritten gab es Ende Juni mehrere Neuerungen in der Diabetes-Therapie. Der EMA-Ausschuss CHMP empfahl die Zulassung von „Onswik“ (Insulin Efsitora alfa) – ein Wocheninsulin für Typ-2-Diabetiker. In England und Wales ist über den NHS zudem Teplizumab verfügbar, eine Immuntherapie, die den Ausbruch von Typ-1-Diabetes um bis zu drei Jahre verzögern kann.

Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass konsequente Glukosestabilisierung bei Prädiabetes das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um 42 Prozent senkt. SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten wurden zudem mit einer Reduktion des Alzheimer-Risikos um 43 beziehungsweise 33 Prozent in Verbindung gebracht.

Doch nicht jede Hoffnung erfüllt sich: Eine Cochrane-Analyse von Ende Juni bewertet den Nutzen von Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie kritisch. Drei randomisierte Studien mit insgesamt 816 Teilnehmern ergaben: Dosierungen zwischen 600 und 1800 mg pro Tag brachten keine klinisch relevante Besserung gegenüber Placebo.

Schnellere Diagnostik und mehr Zahnkliniken

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Diabetiker aufgepasst: Unzureichende Entzündungskontrolle im Mund kann Ihr Gefäßrisiko drastisch erhöhen. Ein neuer Wirkstoff blockiert gezielt den Parodontitis-Erreger – und schont die gesunde Mundflora. Mehr zur Mikrobiom-Zahnpasta erfahren

Das Universitätsklinikum Jena hat ein Verfahren zur Erregerdiagnostik aus Blutplasma entwickelt. Mittels Nanopore-Sequenzierung von zellfreier DNA liegen Ergebnisse innerhalb von zwölf Stunden vor – selbst wenn bereits eine Antibiotikatherapie läuft. Eine Pilotstudie mit 18 Patienten zeigte in 16 Fällen Übereinstimmung mit der klinischen Diagnose. Die Kosten pro Probe: rund 100 bis 120 Euro.

Auch infrastrukturell tut sich etwas: In New York wurden Ende Juni 25 Millionen US-Dollar in Spezialkliniken für Menschen mit Entwicklungsstörungen investiert. Davon fließen 5,5 Millionen ins NYU Dental Center, um die Kapazitäten für zahnmedizinische Behandlungen auf über 3.300 Patienten pro Jahr zu erweitern.

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