Zahngesundheit, Pflegebedürftigen

Zahngesundheit: Nur 2,4% der Pflegebedürftigen erhalten Prävention

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 09:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Betriebskosten, knappe Studienplätze und regionale Präventionslücken belasten die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland.

Zahnversorgung unter Druck: Kosten, Kapazitäten und Prävention
Ein moderner, steriler Arbeitsplatz in einem zahnmedizinischen Labor mit hochwertigen Geräten und natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die langfristige Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung in Deutschland rückt verstärkt in den Fokus der kommunalen und gesundheitspolitischen Debatte.

Aktuelle Berichte aus den Kommunen verdeutlichen, dass der Erhalt der medizinischen Infrastruktur zunehmend durch strukturelle Reformen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen unter Druck gerät. Dabei stehen sowohl die Ausbildungskapazitäten als auch die finanzielle Tragfähigkeit der Leistungserbringer im Zentrum der Auseinandersetzung.

Wirtschaftliche Belastungen im Zahntechnikerhandwerk

Die Zahntechniker-Innung Rheinland-Pfalz macht auf eine kritische Entwicklung im Bereich des Zahnersatzes für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufmerksam. Branchenberichten zufolge sind erste Meisterbetriebe nicht mehr in der Lage, GKV-Leistungen kostendeckend zu erbringen. Als primäre Ursachen werden die massiven Steigerungen bei Material-, Energie- und Lohnkosten sowie der wachsende bürokratische Aufwand angeführt.

Da die Vergütungen im GKV-Bereich administrativ festgelegt sind, können die Betriebe die gestiegenen Ausgaben nicht ohne Weiteres weitergeben. Die Innung fordert daher eine auskömmliche Vergütung, die insbesondere die Steigerungen des Mindestlohns bei der Preisfestsetzung berücksichtigt. In diesem Zusammenhang warnen Branchenvertreter ausdrücklich vor einer drohenden Absenkung der Vergütung um 1 %.

Kapazitätsengpässe in der akademischen Ausbildung

Parallel zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe wird die Ausbildungssituation an den Hochschulen kritisch bewertet. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in Berlin stellt fest, dass eine hohe Nachfrage nach Studienplätzen in der Zahnmedizin auf begrenzte Ausbildungskapazitäten trifft. Diese Diskrepanz verschärfe regionale Disparitäten in der Versorgung.

Die AWMF fordert eine nachhaltige Finanzierung der öffentlichen Hochschulzahnkliniken sowie eine national abgestimmte Kapazitätsplanung. Ein entscheidender Punkt ist dabei die Ablehnung von Ersatzinvestitionen durch nicht-staatliche Studienplätze. Zudem wird betont, dass für alle Hochschulen gleichwertige Qualitätsanforderungen gelten müssten, um den Standard der Ausbildung bundesweit zu sichern.

Anzeige

Nur 2,4 % der ambulant Pflegebedürftigen und knapp 30 % der stationär versorgten Personen erhielten 2024 zahnärztliche Präventionsleistungen — und nur etwa die Hälfte der 2.059 stationären Pflegeheime in Baden-Württemberg kooperiert fest mit Zahnärzten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie eine verlässliche Kooperation aufbauen, die Mundhygiene im Pflegealltag verankern und die Zusammenarbeit vertraglich sauber regeln. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Kommunale Versorgungsrealität und Nachfolgefragen

Wie die Sicherung der Versorgung auf lokaler Ebene konkret ausgestaltet wird, zeigt das Beispiel aus dem Gesundheitszentrum Sulzfeld. Dort führt Dr. Isabell Konopka seit dem 1. Oktober 2025 die von Dr. Axel Glade gegründete Zahnarztpraxis weiter.

Das Leistungsspektrum umfasst neben der Prophylaxe und Zahnerhaltung auch spezialisierte Bereiche wie Implantologie und Oralchirurgie. Trotz der erfolgreichen Nachfolge spiegelt sich der allgemeine Personalbedarf der Branche auch hier wider: Die Praxis sucht zur Unterstützung des Teams einen weiteren Zahnarzt, wobei auch Teilzeitmodelle möglich sind.

Präventionsdefizite bei Pflegebedürftigen und Kindern

Analysen von Krankenkassen verdeutlichen zudem Lücken in der präventiven Versorgung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Eine Auswertung der Barmer für Baden-Württemberg für das Jahr 2024 zeigt, dass lediglich 2,4 % der ambulant Pflegebedürftigen und knapp 30 % der stationär versorgten Personen zahnärztliche Präventionsleistungen erhielten.

Von den 2.059 stationären Pflegeheimen im Land kooperiert nur etwa die Hälfte fest mit Zahnärzten, obwohl im Jahr 2023 rund 625.000 Menschen in Baden-Württemberg pflegebedürftig waren.

Anzeige

Steigende Material-, Energie- und Lohnkosten treffen auf administrativ festgelegte GKV-Vergütungen — erste Zahntechniker-Meisterbetriebe können GKV-Zahnersatz nicht mehr kostendeckend erbringen, und Branchenvertreter warnen vor einer Absenkung um 1 %. Wer als Pflegeeinrichtung oder Pflegedienst vorausschauend plant, sichert sich jetzt verlässliche Partner. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Kooperationen mit Zahnärzten und Zahntechnikern aufbauen, bevor Engpässe die Versorgung Ihrer Bewohner treffen. Leitfaden Kooperation jetzt sichern

Auch bei Kindern im schulpflichtigen Alter zeigen sich regionale Unterschiede in der Zahngesundheit. Daten der AOK Rheinland/Hamburg für die Geburtsjahrgänge 2017/2018 belegen, dass 36 % der Kinder bis zum Schuleintritt bereits mindestens eine Zahnfüllung benötigt hatten.

Während im Gesamtgebiet 64,2 % der Gebisse füllungsfrei waren, erreichten der Kreis Viersen mit 70 % und der Kreis Kleve mit 69 % überdurchschnittliche Werte. In Mönchengladbach lag dieser Anteil hingegen bei 59 %. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit einer flächendeckenden und frühzeitigen zahnmedizinischen Betreuung, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70109491 |