Zahnversorgung, Pflegebedürftige

Zahnversorgung Pflegebedürftige: Hausbesuche um 79% eingebrochen

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Barmer-Daten zeigen: Nur 6,1 Prozent der ambulant Gepflegten erhalten zahnärztliche Prophylaxe. Stationäre Einrichtungen schneiden deutlich besser ab.

Zahnreport 2024: Große Versorgungslücken bei ambulanter Pflege in Deutschland
Ein Zahnarzt bei einem Hausbesuch zur zahnmedizinischen Untersuchung eines pflegebedürftigen älteren Menschen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die zahnmedizinische Betreuung von pflegebedürftigen Menschen weist in Deutschland deutliche strukturelle Mängel auf. Ein aktueller Zahnreport verdeutlicht, dass insbesondere bei der Prophylaxe für Pflegebedürftige signifikante Defizite bestehen.

Während Bewohner von Pflegeheimen durch spezielle Kooperationsverträge zunehmend besser erreicht werden, hinkt die Versorgung im ambulanten Bereich deutlich hinterher. Daten der Krankenkasse Barmer für das Jahr 2024 illustrieren diese Diskrepanz am Beispiel von Sachsen-Anhalt und zeigen eine alarmierende Entwicklung bei der häuslichen Betreuung auf.

Diskrepanz zwischen stationärer und ambulanter Versorgung

Die Analyse der Versorgungsrealität zeigt eine tiefe Kluft zwischen den verschiedenen Pflegeformen. Laut den Daten der Barmer für das Jahr 2024 erhielten in Sachsen-Anhalt lediglich 6,1 Prozent der ambulant pflegebedürftigen Personen im Alter von über 65 Jahren einen offiziellen Mundgesundheitsstatus beziehungsweise einen entsprechenden Versorgungsplan. Im Gegensatz dazu lag dieser Anteil bei stationär gepflegten Personen mit 32,9 Prozent wesentlich höher.

Dieser Unterschied wird maßgeblich auf die Struktur der pflegerischen Unterbringung zurückgeführt. In stationären Einrichtungen ermöglichen Kooperationsverträge zwischen den Heimen und zahnärztlichen Praxen eine systematischere Erfassung und Behandlung der Bewohner.

Die ambulante Versorgung, die den Großteil der Pflegebedürftigen betrifft, verfügt hingegen kaum über solche festen Strukturen, was den Zugang zu präventiven zahnmedizinischen Leistungen erschwert.

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Dramatischer Rückgang bei zahnärztlichen Hausbesuchen

Besonders kritisch wird die Entwicklung bei den Hausbesuchen für ambulant gepflegte Patienten bewertet. Die vorliegenden Statistiken für Sachsen-Anhalt dokumentieren einen massiven Einbruch in diesem Bereich. Während im Jahr 2018 noch bei 32,9 Prozent der ambulant Pflegebedürftigen Hausbesuche durch Zahnärzte stattfanden, sank dieser Wert bis zum Jahr 2024 auf nur noch 6,1 Prozent.

Trotz dieses Rückgangs steht Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich statistisch noch vergleichsweise gut da. Mit einer ambulanten Versorgungsquote von 6,2 Prozent liegt das Bundesland über dem bundesweiten Durchschnitt, der lediglich 3,3 Prozent beträgt.

Dennoch verdeutlichen die Zahlen, dass die überwiegende Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause betreut werden, keine regelmäßige zahnärztliche Kontrolle oder Prophylaxe in den eigenen vier Wänden erhält.

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Struktur der kooperativen Versorgung in Pflegeeinrichtungen

Die stationäre Versorgung stützt sich zunehmend auf ein Netz aus Kooperationsverträgen, um die Mundgesundheit der Bewohner zu sichern. Den Daten zufolge werden in Sachsen-Anhalt derzeit 316 Pflegeeinrichtungen durch insgesamt 182 zahnärztliche Praxen betreut. Dies entspricht einer Abdeckungsquote von 46 Prozent der vorhandenen Pflegeheime im Bundesland.

Diese Kooperationen gelten als wesentliches Instrument, um die Hürden für den Zahnarztbesuch im hohen Alter zu senken. Den dennoch zeigt die Quote von unter 50 Prozent, dass auch im stationären Bereich noch erhebliches Ausbaupotenzial besteht.

Fachleute weisen darauf hin, dass die Mundgesundheit einen wesentlichen Einfluss auf die allgemeine gesundheitliche Verfassung und die Lebensqualität im Alter hat. Eine mangelhafte Prophylaxe kann demnach nicht nur zu schmerzhaften Entzündungen führen, sondern auch systemische Gesundheitsrisiken erhöhen.

Die vorliegenden Daten unterstreichen die Notwendigkeit, insbesondere für die ambulante Pflege tragfähigere Konzepte zu entwickeln, um die zahnmedizinische Versorgungslücke zu schließen.

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