Zellverjüngung: Bonner Team senkt das Methylierungsalter auf unter fünf Jahre
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 11:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Publikationen widmen sich intensiv neuen Ansätzen zur zellulären Verjüngung sowie dem wachsenden Trend zu Verfahren wie der Plasmapherese. Während im Bereich der Langlebigkeit experimentelle Methoden für Aufmerksamkeit sorgen, differenziert die Forschung zunehmend zwischen molekularen Laborerfolgen und den tatsächlichen Effekten auf den menschlichen Organismus.
Reprogrammierung menschlicher Zellen im Labor
Forschende des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn erzielten Fortschritte bei der direkten Umprogrammierung menschlicher Zellen. Wie eine in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlichte Untersuchung zeigt, gelang es dem Team um Oliver Brüstle, Vorläufer roter Blutkörperchen direkt in neurale Stammzellen umzuwandeln, ohne dabei eine pluripotente Zwischenstufe zu durchlaufen.
Für die Versuchsreihe wurden Blutproben von 15 Menschen im Alter von 0 bis 101 Jahren herangezogen. Über virale Vektoren wurde in den Zellen die Produktion der Faktoren SOX2 und cMYC angeregt, woraufhin diese nach zwölf Tagen Merkmale von Stammzellen aufwiesen.
Die epigenetischen Uhren ließen sich in den Versuchen deutlich zurückstellen. Bei den Zellen eines 80-jährigen Spenders sank das molekulare Alter nach der Reprogrammierung auf unter 20 Jahre.
Bei einem 101-jährigen Spender verringerte sich das Methylierungsalter von rund 84 auf etwa 13 Uhr-Jahre und im weiteren Verlauf auf unter 5 Uhr-Jahre, was einer relativen Reduktion von rund 87 Prozent beziehungsweise mehr als 95 Prozent entsprach.
Während vor dem Eingriff Unterschiede bei 1.871 Genen bestanden, reduzierte sich diese Zahl nach 14 Tagen auf 20 und später auf zwölf Gene. Der Prozess verlief graduell über mehr als 100 Tage und setzte sich auch bei gebremster Zellteilung sowie bei postmitotischen Neuronen fort.
Brüstle betonte, dass sich die Zellen durch die epigenetische Verjüngung wieder wie junge Zellen verhielten. Das Modell diene der Grundlagenforschung, um verlangsamende und beschleunigende Faktoren zu untersuchen. Eine fertige Therapie gegen Alterskrankheiten stelle das Verfahren nicht dar, wenngleich das Alter der zentrale Risikofaktor für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer bleibe.
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Therapeutischer Plasmaaustausch zwischen Hype und Evidenz
Parallel zu den Fortschritten im Reagenzglas rückt der therapeutische Plasmaaustausch vermehrt in den Fokus kommerzieller Langlebigkeitskonzepte. Der Trend stammt maßgeblich aus den USA, wo das Verfahren als Verjüngungsmethode beworben wird. Die wissenschaftliche Datenlage liefert jedoch ein differenziertes Bild.
Eine im Jahr 2025 in Aging Cell veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 42 gesunden Personen über 50 Jahren zeigte rechnerische Veränderungen biologischer Marker: Bei einer zweiwöchentlichen Behandlung in Kombination mit intravenösen Immunglobulinen ergab sich zu einem Messzeitpunkt eine durchschnittliche Verringerung des biologischen Alters um 2,61 Jahre.
Bei einer monatlichen Behandlung ohne diese Zusätze lag der Wert bei 1,32 Jahren. Fachleute betonen jedoch, dass dies nicht mit einer tatsächlichen biologischen Verjüngung gleichzusetzen sei; eine weitere Humanstudie aus dem Jahr 2025 konnte anhand epigenetischer Uhren keine überzeugenden Verjüngungseffekte nachweisen.
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In einer Pilotstudie untersuchten Forschende zudem zwölf Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und Alzheimer-Biomarkern. Über mehrere Sitzungen hinweg wurden 16 bis 26 Liter Patientenplasma durch Plasma junger Spender im Alter von 18 bis 24 Jahren ersetzt.
Die Untersuchung konzentrierte sich auf Machbarkeit und Sicherheit, verfügte über keine Kontrollgruppe und erlaubte daher keine Rückschlüsse auf die therapeutische Wirksamkeit.
Ergänzend dazu ergaben Untersuchungen zur doppelten Filtrationsplasmapherese eine messbare Reduktion von Umwelttoxinen wie Industriechemikalien im Blut, während Daten zu Mikroplastik uneinheitlich blieben und klinische Nachweise für langfristige Gesundheitsverbesserungen weiterhin fehlen.
