Zentralbankgeld, Blockchain

Zentralbankgeld auf Blockchain: EZB plant Tokenisierung ab September

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Isabel Schnabel verlangt digitale Zentralbankreserven. Das geplante EZB-Projekt Pontes soll ab September DLT und TARGET-Services verbinden.

EZB fordert Blockchain-Reserven und startet Projekt Pontes
Ein minimalistisches, modernes Büro einer Zentralbank mit einem einzelnen Hardware-Wallet auf einem dunklen Steintisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen des Jackson-Hole-Symposiums am 28. August 2026 hat EZB-Direktorin Isabel Schnabel eine weitreichende Modernisierung der europäischen Finanzinfrastruktur gefordert. Sie sprach sich dafür aus, dass Zentralbanken ihre Reserven direkt auf der Blockchain abbilden sollten. Dieser Schritt sei notwendig, um die Rolle des Zentralbankgeldes als stabilen Anker im Finanzsystem zu sichern und die Potenziale der Tokenisierung voll auszuschöpfen.

Strategische Notwendigkeit der nativen Tokenisierung

Nach Einschätzung der EZB-Direktorin ist der Übergang von Zentralbankgeld auf Distributed-Ledger-Technologien (DLT) nicht länger als optional zu betrachten. Schnabel erläuterte, dass nur die direkte Ausgabe von Reserven auf einer Blockchain eine sogenannte native Tokenisierung ermögliche. In ihren Ausführungen unterschied sie zwischen drei potenziellen Modellen für die Einbindung von Zentralbankgeld in DLT-Umgebungen: der direkten Ausgabe, der Nutzung von Brückenlösungen zu bestehenden Systemen sowie der Einbindung über private Intermediäre.

Dabei hob sie hervor, dass Stablecoins zwar als Ergänzung zum Geldmarkt existieren könnten, jedoch keinen vollwertigen Ersatz für Zentralbankgeld darstellten. Insbesondere in Krisenzeiten oder Stressphasen an den Märkten seien Stablecoins nicht in der Lage, autonom Reserven zu schaffen.

Die Bereitstellung von Liquidität und die Durchführung der Geldpolitik müsse daher durch die Zentralbanken selbst auf den neuen technologischen Plattformen gewährleistet werden. Als wesentlichen prozessualen Vorteil nannte sie dabei die Möglichkeit der atomaren Abwicklung, bei der Transaktionen unmittelbar und zeitgleich finalisiert werden können.

Ergebnisse aus Pilotphasen und internationaler Kontext

Zur Untermauerung der technologischen Umsetzbarkeit verwies Schnabel auf umfassende Pilotversuche, die bereits im Jahr 2024 durchgeführt wurden. An diesen Tests beteiligten sich insgesamt 64 Teilnehmer, wobei ein Abwicklungsvolumen von 1,6 Mrd. Euro erzielt wurde. Diese Versuche hätten gezeigt, wie Zentralbanken DLT nutzen können, um ihre Kernaufgaben in einem digitalen Umfeld wahrzunehmen.

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In globaler Hinsicht führte sie Südkorea als Referenz an. Mit dem dortigen Projekt Hangang existiere bereits ein konkretes Beispiel dafür, wie Zentralbankgeld erfolgreich auf einer DLT-Struktur integriert werden könne.

Start des Projekts Pontes im September 2026

Die Europäische Zentralbank bereitet bereits die nächsten operativen Schritte vor. Im September 2026 soll das Projekt Pontes starten, welches die technologische Brücke zwischen DLT-Plattformen und den etablierten TARGET-Services schlagen wird.

In einer späteren Ausbaustufe ist vorgesehen, die Abwicklungsfinalität auf einer vom Eurosystem selbst betriebenen DLT-Infrastruktur zu realisieren. Diese Plattform soll den Einsatz von Smart Contracts ermöglichen und einen Betrieb rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche gewährleisten. Damit reagiert die EZB auf den wachsenden Bedarf an programmierbaren Zahlungen und einer hochverfügbaren Abwicklungsinfrastruktur für tokenisierte Vermögenswerte.

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