Zertifikat-Krise, HARICA

Zertifikat-Krise: HARICA zieht Tausende SSL-Certs am 25. Juli zurück

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

HARICA zieht zahlreiche TLS-Zertifikate wegen CPS-Fehlern zurück. Betroffen sind deutsche Unis und russische Firmen.

HARICA widerruft TLS-Zertifikate: Fehlerhafte Profile betreffen Unis
Serverraum mit digitaler Sicherheitsgrafik zur Veranschaulichung von TLS/SSL-Zertifikats-Widerrufen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zertifizierungsstelle HARICA (Hellenic Academic and Research Institutions Certification Authority) hat weitreichende Konsequenzen aus formalen und technischen Unstimmigkeiten gezogen. Am 25. Juli 2026 um 12:00 Uhr wurden zahlreiche TLS/SSL-Serverzertifikate offiziell zurückgezogen. Hintergrund dieser Maßnahme sind Fehler in der Certification Practice Statement (CPS) sowie in den zugrunde liegenden Zertifikatsprofilen, die eine weitere Gültigkeit der betroffenen digitalen Identitätsnachweise verhinderten.

Umfangreiche Sperrungen betreffen akademische Einrichtungen

Der Widerruf am 25. Juli 2026 stellt den Höhepunkt einer Reihe von Sicherheitsmaßnahmen dar. Bereits am 20. Juli 2026 sperrte HARICA Zertifikate, die im Zeitraum zwischen dem 15. Juni und dem 15. Juli 2026 ausgestellt worden waren. Von diesen Maßnahmen sind namhafte akademische Institutionen betroffen, darunter die Technische Universität Berlin, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie die Technische Universität Dresden.

Für die betroffenen Einrichtungen bedeutet dieser Schritt einen unmittelbaren Handlungsbedarf in der IT-Infrastruktur, um die Sicherheit und Erreichbarkeit ihrer Webdienste zu gewährleisten. HARICA hat jedoch angekündigt, die betroffenen Zertifikate zu ersetzen, um den Betrieb an den Universitäten und Forschungseinrichtungen schnellstmöglich wieder zu normalisieren.

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Technische Fehler im Bereich der Client-Authentifizierung

Ein spezifisches technisches Problem betrifft die Verwendung der Client-Authentifizierung (Client Auth) innerhalb der TLS-Zertifikate. Bereits am 2. März 2026 war angekündigt worden, dass diese Funktion künftig nicht mehr in TLS-Zertifikate aufgenommen werden soll. Dennoch wurden nach dem 15. Juni 2026 weiterhin Zertifikate ausgestellt, die diese Spezifikation enthielten. In der Folge zog HARICA am 25. Juli 2026 auch diese Dokumente konsequent zurück.

Besonders deutlich zeigten sich Fehler in den Extended Key Usage (EKU) Feldern bei Zertifikaten für verschiedene Organisationen. Neben den genannten Bildungseinrichtungen sind hiervon auch russische Unternehmen und Institute betroffen. Berichten zufolge wurden Zertifikate der Bank Aleksandrovsky, von Rosteft, der Bank Metallinvest sowie des Sicherheitsunternehmens Positive Technologies aufgrund der fehlerhaften Client-Auth-Einträge für ungültig erklärt.

Parallele Maßnahmen bei Actalis und Ausweichen auf Drittanbieter

Nicht nur HARICA, auch die Zertifizierungsstelle Actalis hat auf die fehlerhaften Profile reagiert. Actalis zog ebenfalls TLS-Zertifikate russischer Organisationen zurück, wobei namentlich erneut die Bank Aleksandrovsky, Rosteft, die Bank Metallinvest und Positive Technologies genannt werden. Auch hier gaben Fehler in der EKU den Ausschlag für den Widerruf.

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Die betroffenen Organisationen reagieren auf den Verlust ihrer bisherigen Zertifikate durch einen Wechsel des Anbieters. Marktbeobachtungen zeigen, dass Unternehmen und Institutionen verstärkt auf Alternativen wie ZeroSSL, TrustAsia oder Let's Encrypt ausweichen, um ihre verschlüsselte Kommunikation zeitnah wieder abzusichern. Der Vorfall unterstreicht die Sensibilität technischer Profile in der Public-Key-Infrastruktur (PKI) und die strengen regulatorischen Anforderungen, denen Zertifizierungsstellen weltweit unterliegen.

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