ZEZEPAGNON-Tisane, Laborversuche

ZEZEPAGNON-Tisane: Laborversuche zeigen Wirkung auf Krebszellen, nicht beim Menschen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
PrÀklinische Tests zeigen Zellreaktionen und vorlÀufige VertrÀglichkeit; eine therapeutische Wirkung beim Menschen ist bislang nicht belegt.
Getrocknete HeilkrĂ€uter und PflanzenblĂ€tter auf einer dunklen SteinoberflĂ€che im weichen natĂŒrlichen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Am 14. Oktober 2026 stellte Dr. Richard Sawadogo vom Forschungsinstitut IRSS in Ouagadougou erste wissenschaftliche Untersuchungsdaten zur sogenannten ZEZEPAGNON-Tisane vor.

Die PrĂ€sentation erfolgte im Rahmen des 47. Kongresses der Westafrikanischen Gesellschaft fĂŒr Pharmakologie (SOAP), der vom 13. bis zum 17. Oktober 2026 am Institut National de SantĂ© Publique (INSP) in AdjamĂ© bei Abidjan stattfand, eingebettet in die von der SociĂ©tĂ© Ivoirienne de Pharmacologie et de Toxicologie (SIPT) getragene Fachtagung zu Pharmakologie und Pharmakovigilanz. Die pflanzliche Zubereitung geht auf den Entwickler Prof. Alain Tagro Kalou zurĂŒck.

Laborergebnisse und pharmakologische QualitÀtsstandards

An den wissenschaftlichen Analysen zur ZEZEPAGNON-Tisane war ein internationales Forschungsteam beteiligt, dem neben Sawadogo – der zudem am Tang Center der UniversitĂ€t Chicago assoziiert ist – unter anderem CompaorĂ©-Coulibaly Adjaratou, Yi Zhu, Tong-Chuan He und Chan-Su Yuan angehörten.

Laut den Forschenden entspricht die QualitÀt des Extrakts in physikochemischer sowie mikrobiologischer Hinsicht den Spezifikationen der 8. und 11. Ausgabe der EuropÀischen Pharmakopöe.

In prÀklinischen Zellversuchen untersuchte das Team die Wirkung des Aufgusses auf verschiedene bösartige Zelllinien. Dabei ermittelten die Forschenden eine mittlere inhibitorische Konzentration (CI50) von 56,11 ”g/ml bei Kolonkarzinomzellen sowie von 70,10 ”g/ml bei Brustkrebszellen.

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Bei Prostatakrebszellen fĂŒhrte eine Konzentration von 50 ”g/ml zu einer Reduktion der ZellviabilitĂ€t um mehr als 50 Prozent. Bei den jeweils wirksamen Konzentrationen zeigte die Zubereitung im Labor keine toxischen Effekte gegenĂŒber normalen Kontrollzellen.

Toxikologische VorprĂŒfungen und offene klinische Schritte

Erste toxikologische Untersuchungen an Tiermodellen lieferten Hinweise auf eine vorlÀufige VertrÀglichkeit im Akutversuch. Bei der Verabreichung einer Einzeldosis von 2.000 mg/kg Körpergewicht an MÀusen nach den Richtlinien der OECD traten wÀhrend eines Beobachtungszeitraums von 14 Tagen weder TodesfÀlle noch akute Vergiftungszeichen auf. Die letale Dosis (DL50) bezifferten die Forschenden folglich auf mehr als 2.000 mg/kg.

Trotz dieser Laborergebnisse stellte das Studienteam klar, dass bislang kein Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit beim Menschen erbracht wurde. Um belastbare Aussagen ĂŒber die Sicherheit zu treffen, seien als nĂ€chste Schritte ToxizitĂ€tsstudien mit wiederholter Verabreichung ĂŒber einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen zwingend erforderlich.

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Herausforderungen bei der Erforschung pflanzlicher Antitumor-Substanzen

Die Einordnung von Laborbefunden in der phytotherapeutischen Krebsforschung unterliegt grundlegenden pharmakologischen HĂŒrden. Wie Dr. Nurdianah Harif Fadzilah und Dr. Nurulisa Zulkifle vom Pusat Kanser Tun Abdullah Ahmad Badawi der UniversitĂ€t Sains Malaysia darlegten, bedeutet eine sinkende ZellviabilitĂ€t im Reagenzglas nicht zwangslĂ€ufig das Absterben der Krebszellen. Die Messwerte könnten ebenso eine verlangsamte Zellteilung oder einen verĂ€nderten Zellstoffwechsel widerspiegeln.

Zudem weisen reale Tumore eine komplexe Mikroumgebung aus Immunzellen, Bindegewebszellen und BlutgefĂ€ĂŸen auf, in der Sauerstoffmangel die Empfindlichkeit gegenĂŒber Wirkstoffen beeinflusst.

Im menschlichen Organismus werden Substanzen zudem verstoffwechselt oder ausgeschieden, was zu einer ungleichmĂ€ĂŸigen Wirkstoffverteilung im Gewebe fĂŒhrt. Um das reale Potenzial pflanzlicher Stoffe zu ĂŒberprĂŒfen, sind dreidimensionale Modelle wie SphĂ€roide oder Organoide sowie jahrelange klinische PrĂŒfungen notwendig.

Zwar basieren etablierte Krebsmedikamente wie Paclitaxel, Vincristin, Etoposid oder Irinotecan auf pflanzlichen Ursprungssubstanzen, die Rohpflanze selbst entfaltet nach EinschÀtzung von Fachleuten jedoch nicht dieselbe therapeutische Wirkung.

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