Zolgensma, Gentherapie

Zolgensma: FDA prĂŒft KrebsfĂ€lle bei Kindern nach Gentherapie

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 13:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die US-Arzneimittelbehörde untersucht mehrere KrebsfÀlle nach der Behandlung mit Zolgensma. Bei zwei Kindern fanden Analysen DNA des eingesetzten Virus im Tumorgewebe; Novartis meldet insgesamt neun TumorfÀlle unter mehr als 6.000 Behandelten.

Zolgensma-FĂ€lle und FDA-PrĂŒfung

  • Die FDA untersucht Berichte ĂŒber Krebserkrankungen nach Behandlungen mit Zolgensma.
  • Novartis meldete seit der Zulassung neun TumorfĂ€lle bei mehr als 6.000 behandelten Patienten.
  • Bei zwei Patienten wurde DNA des eingesetzten AAV-Vektors im Tumorgewebe gefunden.
Der Hauptsitz des Schweizer Pharmaunternehmens Novartis ist in Basel. (Archivfoto) - Bild: Patrick Seeger/dpa

FDA prĂŒft KrebsfĂ€lle nach Zolgensma-Therapie

Die US-Arzneimittelbehörde FDA prĂŒft Berichte ĂŒber Krebserkrankungen bei Kindern, die mit der Gentherapie Zolgensma behandelt wurden. Bei zwei Patienten wurde DNA des fĂŒr die Therapie eingesetzten Virus im Tumorgewebe gefunden.

Therapie gegen tödliche Erbkrankheit

Zolgensma wird gegen spinale Muskelatrophie eingesetzt, eine seltene Erbkrankheit, die Muskelschwund verursacht und oft vor dem zweiten Lebensjahr zum Tod fĂŒhrt. Die seit 2019 in den USA und seit 2020 in Europa zugelassene Therapie soll die Funktion des fehlenden oder nicht funktionierenden SMN1-Gens ersetzen.

Dazu werden verÀnderte Viren, sogenannte AAV-Vektoren, als GenfÀhren eingesetzt. Sie schleusen eine gesunde Kopie des Gens in die Körperzellen ein.

Neun Tumormeldungen seit der Zulassung

Nach Angaben der Patientenorganisation SMA Europe gingen bei Novartis seit der Zulassung neun Meldungen ĂŒber Tumore bei behandelten Patienten ein. Mehr als 6.000 Menschen seien insgesamt mit Zolgensma behandelt worden.

Die Tumoren betrafen nach FDA-Angaben unter anderem das zentrale und periphere Nervensystem, den WirbelsĂ€ulenbereich und die Niere. Die beiden Patienten, bei denen Vektor-DNA im Tumorgewebe gefunden wurde, seien behandelt worden und wĂŒrden weiter ĂŒberwacht.

FDA prĂŒft weitere Maßnahmen

Die FDA ĂŒberwacht nach eigenen Angaben auch das Risiko von Tumoren bei anderen Gentherapien, die auf AAV-Vektoren basieren. Ob regulatorische Maßnahmen erforderlich sind, soll geprĂŒft werden.

Novartis weist laut SMA Europe in der Fachinformation bereits auf ein mögliches Tumorrisiko hin. Die FDA betont zugleich, dass der Nutzen von Zolgensma die möglichen Risiken ĂŒberwiege.

Experte fordert neue Nutzen-Risiko-Bewertung

Der Freiburger Gentherapie-Experte Toni Cathomen bezeichnete den Mechanismus als wissenschaftlich nicht ĂŒberraschend. Bei den zwei Patienten mit integrierter Vektor-DNA gehe die Evidenz jedoch deutlich ĂŒber einen bloßen zeitlichen Zusammenhang hinaus.

Ein belastbares langfristiges Krebsrisiko lasse sich aus neun Tumormeldungen bei mehr als 6.000 Behandelten nicht berechnen. DafĂŒr seien die Nachbeobachtungszeiten unterschiedlich und die molekularen Untersuchungen noch nicht vollstĂ€ndig.

Cathomen fordert eine aktualisierte AufklĂ€rung, transparente Falldaten und eine konsequente Langzeitnachsorge. Die neuen Befunde mĂŒssten in die weitere Nutzen-Risiko-Bewertung der Therapie einfließen.

Die PrĂŒfung betrifft eine Gentherapie, die bei spinaler Muskelatrophie eingesetzt wird, einer seltenen Erbkrankheit mit oft frĂŒhem tödlichem Verlauf. Zolgensma ersetzt die Funktion des fehlenden oder defekten SMN1-Gens und wird einmalig intravenös verabreicht.

Im Mittelpunkt steht der eingesetzte AAV-Vektor. Diese verÀnderten Viren transportieren das therapeutische Gen in Körperzellen. Wenn Vektor-DNA in das Erbgut integriert wird, kann dies theoretisch die Regulation von Zellen verÀndern und zur Tumorbildung beitragen. Die nun beschriebenen Befunde verleihen diesem Mechanismus bei zwei behandelten Kindern besonderes Gewicht.

Nutzen und Langzeitkontrolle

Die bislang gemeldeten TumorfĂ€lle erlauben keine belastbare Berechnung eines individuellen Risikos. DafĂŒr unterscheiden sich Nachbeobachtungsdauer, KrankheitsverlĂ€ufe und die molekulare Untersuchung der einzelnen FĂ€lle. Zugleich ist die Therapie fĂŒr viele Kinder medizinisch bedeutsam, weil sie Überleben und motorische Entwicklung verbessern kann.

FĂŒr Familien bedeutet die FDA-PrĂŒfung vor allem, dass die LangzeitĂŒberwachung und die AufklĂ€rung ĂŒber mögliche Risiken stĂ€rker in den Mittelpunkt rĂŒcken. Regulierungsbehörden mĂŒssen klĂ€ren, ob Warnhinweise, Nachsorgeprogramme oder weitere Untersuchungen angepasst werden mĂŒssen. Die Debatte reicht dabei ĂŒber Zolgensma hinaus, weil AAV-Vektoren auch bei anderen Gentherapien verwendet werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Focus: „Tumor-FĂ€lle bei Kindern nach Behandlung mit Millionenspritze“ (07.11.2026)

Der Beitrag hebt die insgesamt neun seit 2019 registrierten Tumorerkrankungen hervor. Damit setzt er einen Schwerpunkt auf die GrĂ¶ĂŸenordnung der Meldungen, wĂ€hrend die offene Frage nach dem ursĂ€chlichen Zusammenhang bestehen bleibt.

ntv: „Neun Meldungen seit 2019: Novartis: Zwei TumorfĂ€lle deuten auf einen Zusammenhang mit Gentherapie hin“ (07.11.2026)

Der Artikel stellt die zwei FĂ€lle heraus, bei denen ein Bezug zur Gentherapie vermutet wird, und ordnet sie in die neun Meldungen seit der Erstzulassung ein. Übereinstimmend bleibt die regulatorische PrĂŒfung des Tumorrisikos der zentrale nĂ€chste Schritt.

Beide BeitrĂ€ge greifen die Zahl der Tumormeldungen und den möglichen Zusammenhang mit Zolgensma auf. Der unterschiedliche Schwerpunkt liegt auf der Gesamtzahl der FĂ€lle beziehungsweise auf den zwei FĂ€llen mit besonderem Bezug zur Therapie; offen bleibt die endgĂŒltige Bewertung des Risikos.

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