Zucker, Jugendlichen

Zucker bei Jugendlichen: Mehr als 15 Prozent der Energie stammen daraus

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

WHO-Daten zeigen die weltweite Verbreitung von Adipositas bei jungen Menschen; in Deutschland wird über die Erstattung von Abnehmspritzen diskutiert.

Adipositas bei jungen Menschen: WHO-Leitlinien und Streit um Therapiekosten
Eine Schale mit frischem Gemüse und ein Glas Wasser auf einem Holztisch als Symbol für gesunde Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Die Ausbreitung von Stoffwechselerkrankungen bei jüngeren Menschen rückt verstärkt in den Fokus der Medizin. Bei den Krumbacher Gesundheitswochen warnte der Diabetologe Dr. Jörg Schaper vor den Folgen von hohem Zuckerkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht. Typ-2-Diabetes treffe zunehmend auch jüngere Altersgruppen.

Laut aktuellen Studien nehmen Kinder und Jugendliche in Deutschland im Schnitt teils über 15 Prozent ihrer täglichen Energie durch freien Zucker auf. Dieser Wert liegt über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wobei vor allem Limonaden und zuckerhaltige Getränke als Haupttreiber gelten.

Während gesundheitspolitische Maßnahmen diskutiert werden, legte das Kanzleramt unter Friedrich Merz die geplante Zuckersteuer des Finanzministeriums vorerst auf Eis.

Globale Leitlinien und alarmierende Zahlen bei Heranwachsenden

Die Problematik ist international präsent. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte erstmals globale Leitlinien zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas. Die Organisation empfiehlt strukturierte multimodale Programme, die Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen kombinieren. Für Kinder über fünf Jahren rät die WHO im Wochendurchschnitt zu mindestens 60 Minuten moderater bis intensiver Bewegung pro Tag.

Laut der WHO lebten im Jahr 2024 weltweit 170 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 19 Jahren mit Adipositas. Darunter befanden sich 70 Millionen Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren sowie 100 Millionen Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren. Die Prävalenz hat sich in dieser Altersspanne seit 1990 von zwei auf acht Prozent vervierfacht.

Unicef beziffert die Zahl adipöser Kinder und Jugendlicher weltweit auf schätzungsweise 188 Millionen. Im vergangenen Jahr übertraf die weltweite Zahl übergewichtiger Kinder erstmals jene der untergewichtigen; fast ein Viertel der betroffenen Kinder lebt in Afrika südlich der Sahara.

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Beim Einsatz medizinischer Interventionen mahnt die WHO zu Differenzierung: Bei Kindern unter zehn Jahren rät die Organisation ausdrücklich von Medikamenten zur Gewichtsreduktion ab. Für Kinder über zehn Jahren können entsprechende Präparate laut Leitfaden sicher verabreicht werden.

Stark übergewichtige Jugendliche können zudem unter klar definierten Voraussetzungen operiert werden, wenn konservative Behandlungen ausgeschöpft sind. Im britischen Gesundheitssystem NHS haben adipöse Kinder derzeit grundsätzlich keinen Anspruch auf Abnehmmedikamente oder Operationen, wenngleich spezialisierte Kliniken unter strengen Bedingungen Behandlungen für über Zwölfjährige anbieten dürfen.

Debatte um Kostenerstattung und neue Medikamente

Auch in Deutschland wächst der Druck auf die Versorgungssysteme. Dr. Sonja Optendrenk, seit dem 1. Juli 2026 Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), fordert eine Debatte über die Kostenübernahme von Abnehmspritzen durch gesetzliche Krankenkassen.

Bislang erstatten Kassen diese Präparate nur bei Typ-2-Diabetes, während Adipositas unter den gesetzlichen Ausschluss von Lifestyle-Arzneimitteln fällt.

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Für eine Erstattung müsste die Politik zunächst das Gesetz ändern und gegebenenfalls den GBA beauftragen, wobei Optendrenk ergänzend auf Begleitprogramme zu Ernährung und Bewegung verweist. Das GBA-Plenum setzt sich aus 13 Stimmen zusammen: fünf Kassenvertreter, fünf Leistungserbringer und drei Unparteiische.

Unterdessen verzeichnet der Markt neue Optionen. Nach Angaben von Apothekerpräsident Thomas Preis bleibt die Nachfrage nach der Abnehmtablette Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid, die seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich ist, verhalten.

Viele Patienten seien bereits auf die wöchentliche Spritze eingestellt, während die tägliche Tablette eine achtstündige Nüchternphase vor der Einnahme erfordert. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die monatlichen Kosten von einigen Hundert Euro weiterhin nur bei vorliegendem Typ-2-Diabetes.

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