Zucker in GetrÀnken: 15 von 23 Produkten fallen in die höchste Steuerstufe
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW aus den Monaten Juni und Juli 2026 verdeutlicht das AusmaĂ des Zuckergehalts in zuckergesĂŒĂten ErfrischungsgetrĂ€nken. Die VerbraucherschĂŒtzer analysierten insgesamt 23 Produkte und stellten dabei Zuckerwerte zwischen 4,3 und 11 Gramm je 100 Milliliter fest.
Bei einer Ăbertragung eines aktuell diskutierten Abgabenmodells wĂŒrden 15 der 23 getesteten ErfrischungsgetrĂ€nke in die höchste Stufe ab 8 Gramm Zucker je 100 Milliliter fallen.
Die analysierten Werte verdeutlichen die hohe Aufnahme ĂŒber FlĂŒssigkeiten: Eine 500-Milliliter-Flasche mit einem Gehalt von 10 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthĂ€lt 50 Gramm Zucker, was etwa 16 bis 17 ZuckerwĂŒrfeln entspricht.
Wie die Verbraucherzentrale NRW hervorhebt, empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE), die Zufuhr freier Zucker auf unter 10 Prozent der tĂ€glichen Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Laut der Verbraucherzentrale entspricht dies fĂŒr Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren etwa 35 Gramm pro Tag und fĂŒr Erwachsene rund 50 Gramm tĂ€glich.
Debatte um das geplante ZuckergetrÀnkesteuergesetz
Eine Abgabe auf zuckergesĂŒĂte ErfrischungsgetrĂ€nke ist in Deutschland zwar angekĂŒndigt, der genaue Zeitpunkt bleibt laut Verbraucherzentrale NRW jedoch offen.
Im Zentrum der Diskussion steht ein Entwurf von Union und SPD fĂŒr ein ZuckergetrĂ€nkesteuergesetz. Dieser sah ursprĂŒnglich Abgaben in Höhe von 26 Cent pro Liter ab 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter vor, 32 Cent pro Liter ab 7 Gramm sowie 38 Cent pro Liter ab 10 Gramm. Als möglicher Startzeitpunkt war der 1. Juli 2027 anvisiert.
Das Kanzleramt stoppte jedoch die Ressortabstimmung zu dem von Lars Klingbeil geplanten Gesetzesvorhaben und begrĂŒndete diesen Schritt mit fehlender FrĂŒhkoordinierung. Aus Regierungskreisen hieĂ es, der Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab und sei in der vorliegenden Fassung nicht mehrheitsfĂ€hig. Eine Nachbesserung gilt als möglich.
Wer sich mit den Folgen eines hohen Zuckerkonsums befasst, sollte auch die Auswirkungen auf den gesamten Organismus im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie stille EntzĂŒndungen durch die richtige ErnĂ€hrung lindern und Ihre VitalitĂ€t steigern können. 12 natĂŒrliche EntzĂŒndungs-Killer jetzt entdecken
Auch hinsichtlich der finanziellen Dimensionen gab es unterschiedliche Berechnungen: Der Entwurf bezifferte die erwarteten Einnahmen auf knapp 800 Millionen Euro im Folgejahr und rund 1,2 Milliarden Euro in spĂ€teren Jahren, wĂ€hrend die Finanzkommission Gesundheit ursprĂŒnglich jĂ€hrlich etwa 450 Millionen Euro vorgeschlagen hatte.
Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium wiesen Einnahmen von 945 Millionen Euro im ersten Jahr, 1,155 Milliarden Euro im zweiten Jahr und rund 1,18 Milliarden Euro jÀhrlich bis 2031 aus.
Ausnahmen waren unter anderem fĂŒr Zero-GetrĂ€nke, reine SĂ€fte und Schorlen ohne Zuckerzusatz, alkoholfreies Bier und Wein, MilchgetrĂ€nke, Hafer- und andere Pflanzendrinks sowie Arzneimittel vorgesehen. Der Entwurf ist weiterhin nicht beschlossen.
Gesundheitliche Folgen und internationale Erfahrungen
Laut dem Gesetzesentwurf liegt der Pro-Kopf-Konsum gezuckerter GetrĂ€nke in Deutschland bei 90 bis 100 Litern im Jahr. Die damit verbundenen jĂ€hrlichen Brutto-Versorgungskosten werden auf etwa 3,5 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Die BundesĂ€rztekammer drĂ€ngte die Bundesregierung zu einer zĂŒgigen EinfĂŒhrung einer nach Zuckergehalt gestaffelten Abgabe.
PrĂ€sident Klaus Reinhardt begrĂŒndete dies mit der Notwendigkeit, den Konsum zu senken, Hersteller zu RezepturĂ€nderungen zu bewegen und ernĂ€hrungsbedingte Krankheiten vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu verringern. FĂŒr die BundesĂ€rztekammer stehe der gesundheitliche Nutzen klar vor Steuereinnahmen.
Internationale Daten stĂŒtzen diese Argumentation: Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums ging der Zuckergehalt von ErfrischungsgetrĂ€nken in GroĂbritannien von 2015 bis 2024 um 47 Prozent zurĂŒck, nachdem Hersteller bereits vor Inkrafttreten einer Abgabe Rezepturen anpassten.
Oft verbergen sich gerade in vermeintlich gesunden Lebensmitteln im Supermarkt versteckte Zuckerfallen, die den Blutzuckerspiegel unbemerkt belasten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Produkte Sie meiden sollten und wie Sie Ihren Alltag ohne Verzicht zuckerfreier gestalten. Gratis-Ratgeber fĂŒr ein zuckerfreies Leben sichern
In Portugal wies eine Studie nach der EinfĂŒhrung einer entsprechenden Abgabe einen AbsatzrĂŒckgang von 21 Prozent bei besonders zuckerhaltigen GetrĂ€nken nach. Die DGE bewertet die SteuerplĂ€ne als sinnvoll, betont jedoch, dass sie Teil eines Gesamtkonzepts aus PrĂ€vention und besseren ErnĂ€hrungsangeboten sein mĂŒsse.
Wachsender Konsum von Energydrinks unter MinderjÀhrigen
Gleichzeitig wÀchst die Sorge vor den Folgen des Konsums von Energydrinks. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi warnte vor erheblichen Gesundheitsrisiken bei MinderjÀhrigen und bekrÀftigte die Forderung nach einer Zuckerabgabe.
Eine Auswertung des DAK-PrĂ€ventionsradars durch das IFT-Nord fĂŒr die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 zeigt einen deutlichen Anstieg der Konsumraten: Bei den 13- bis 15-JĂ€hrigen stieg die LebenszeitprĂ€valenz von 60,1 Prozent auf 71,1 Prozent, wĂ€hrend sie bei den Neun- bis ZwölfjĂ€hrigen von 29,6 Prozent auf 46 Prozent kletterte.
Der monatliche Konsum wuchs bei Kindern um 3,5 Prozentpunkte auf 13 Prozent und bei Jugendlichen um 7,8 Prozentpunkte auf 33,2 Prozent. Rund 6,1 Prozent der Jugendlichen konsumierten die GetrÀnke tÀglich.
Die Erhebung stĂŒtzt sich auf die Angaben von mehr als 107.000 Befragten unter 16 Jahren aus 15 BundeslĂ€ndern, wobei die tatsĂ€chlichen Konsummengen nicht erfasst wurden.
Laut IFT-Nord enthĂ€lt eine 500-Milliliter-Dose meist 160 Milligramm Koffein. Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft fĂŒr gesunde MinderjĂ€hrige 3 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht als unbedenkliche Einzeldosis oder Tagesmenge ein.
Fachleute weisen vor diesem Hintergrund auf mögliche Herz-Kreislauf- und weitere Gesundheitsrisiken hin, wĂ€hrend in Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz bislang keine Altersgrenzen fĂŒr den Verkauf von Energydrinks gelten. DAK-Chef Andreas Storm forderte angesichts der Entwicklung deutlichere Warnhinweise auf den Verpackungen.
