Zucker in Getränken: Magenkrebs-Risiko steigt um das 2,45-fache
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wissenschaftliche Einordnung von Nahrungsfetten und Kohlenhydraten hat sich in den vergangenen Jahren signifikant gewandelt. Während in den 1990er- und 2000er-Jahren der Fokus der Ernährungsempfehlungen stark auf die Reduktion von Fett und die Bewerbung von Light-Produkten gerichtet war, rücken aktuelle Analysen die Qualität von Fetten sowie die spezifischen Gefahren von Zucker, insbesondere in flüssiger Form, in den Vordergrund.
Kaloriendichte und Sättigungseffekte
Obwohl Fett mit 9 Kilokalorien pro Gramm (kcal/g) eine deutlich höhere Energiedichte aufweist als Zucker (4 kcal/g), wird die Rolle von Fett in der modernen Forschung differenzierter betrachtet. Beobachtungen zeigen, dass Fett eine bessere Sättigung bewirken kann, was unter anderem den Erfolg von Keto-Diäten beim Gewichtsverlust erklärt. Im Gegensatz dazu fördern zuckerhaltige Softdrinks die Entstehung von Übergewicht massiv.
Eine im Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie an Mäusen belegte zudem, dass eine 50:50-Mischung aus Fruktose und Glukose – die dem herkömmlichen Haushaltszucker entspricht – besonders adipositasfördernd wirkt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, den Konsum freier Zucker auf maximal 50 Gramm pro Tag zu begrenzen, idealerweise auf unter 25 Gramm. Daten der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen jedoch, dass Männer in Deutschland durchschnittlich 78 Gramm und Frauen 61 Gramm konsumieren.
Gesundheitsrisiken durch flüssigen Zucker
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Forschung der Wirkung von zuckerhaltigen Getränken. Eine aktuelle Untersuchung des Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School, die vorab in „Gastro Hep Advances“ erschien, analysierte Daten von 112.285 Teilnehmenden.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits ein zuckerhaltiges Getränk (240 ml) pro Tag das Risiko für Magenkrebs um das 2,45-fache erhöhen kann. Bei Frauen wurde eine etwa dreifache, bei Männern eine zweifache Risikoerhöhung festgestellt. Bei Getränken mit Süßstoffen wurde kein vergleichbarer Anstieg beobachtet.
Wer sich mit den Auswirkungen von Zucker befasst, sollte auch die versteckten Entzündungsprozesse im Körper im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie stille Entzündungen durch die richtige Ernährung gezielt bekämpfen und Ihre Vitalität steigern können. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt kostenlos entdecken
Auch vermeintlich gesunde Alternativen wie Fruchtsäfte werden kritisch hinterfragt. Eine Studie aus dem Bereich der molekularen Ernährungsforschung (Molecular Nutrition and Food Research) untersuchte die Wirkung von täglich 500 ml Orangensaft über 60 Tage. Dabei wurde eine veränderte Aktivität von rund 1.700 Genen in Immunzellen festgestellt, die mit Entzündungsprozessen, Blutdruck und dem Fettstoffwechsel in Verbindung stehen.
Die NOVA-Klassifikation und hochverarbeitete Lebensmittel
Ein zentrales Instrument der modernen Bewertung ist die 2009 von Carlos Monteiro eingeführte NOVA-Klassifikation. Sie teilt Lebensmittel in vier Gruppen ein, wobei die Gruppe NOVA 4 ultraprozessierte Lebensmittel (UPF) umfasst. In Studien von Kevin Hall wurde beobachtet, dass Probanden bei einer Ernährung mit hohem UPF-Anteil bis zu 1000 kcal mehr pro Tag zu sich nahmen.
Eine Studie vom April 2026 ergänzte, dass eine Umstellung auf weniger verarbeitete, „harte“ Kost die tägliche Energieaufnahme um 369 kcal senken konnte. Dennoch bleibt die NOVA-Klassifikation unter Experten umstritten, da sie teils unpräzise sei und auch gesund eingestufte Produkte wie Vollkorntoast in die Kategorie der ultraprozessierten Lebensmittel fallen können.
Die Wahl der richtigen Lebensmittel ist entscheidend für langfristige Gesundheitswerte, die oft über das bloße Gewicht hinausgehen. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Spezial-Report, wie Sie Ihre Blutwerte richtig interpretieren und welche Vitalstoffe für Ihr Wohlbefinden wirklich wichtig sind. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern
Differenzierung bei Fetten und Süßungsmitteln
Bei der Fettzufuhr betonen Experten wie Stefan Kabisch von der Charité, dass Olivenöl das einzige Öl mit einer wissenschaftlich belegten Reduktion von Herzinfarkten, Schlaganfällen und der Sterblichkeit sei.
Eine Stanford-Studie mit 431 Teilnehmenden zeigte zudem, dass Low-Carb-Diäten bei genetisch disponierten Personen das LDL-Cholesterin signifikant erhöhen können, insbesondere wenn hohe Anteile an gesättigten Fettsäuren aus rotem Fleisch oder Käse konsumiert werden.
Im Bereich der Zuckerersatzstoffe weisen Fachleute auf unterschiedliche Risikoprofile hin. Während Süßstoffe wie Aspartam laut IARC bei üblicher Aufnahme kein kausales Krebsrisiko darstellen, gibt es Hinweise auf Herz-Kreislauf-Risiken bei Zuckeralkoholen. Eine Studie der Charité brachte Xylit mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse (+57 %) in Verbindung; ähnliche Beobachtungen liegen für Erythrit vor.
Politische Maßnahmen und Marktbeobachtung
International reagieren Regierungen mit Steuerungsmaßnahmen. Während Großbritannien seit 2018 eine Zuckersteuer erhebt und den Zuckergehalt in Getränken bis 2024 um 47 % senken konnte, diskutiert Deutschland über ähnliche Modelle. Eine Expertenkommission empfahl eine gestaffelte Steuer, die bei einem Zuckergehalt über 8 Gramm pro 100 ml bei 32 Cent pro Liter liegen könnte.
Das Monitoring des Max-Rubner-Instituts (2016-2025) zeigt zwar erste Erfolge, wie die Senkung des Zuckergehalts in Kinder-Frühstückscerealien von 27,6 auf 15,5 Gramm pro 100 Gramm. Dennoch liegt dieser Wert weiterhin über dem WHO-Limit von 12,5 Gramm, während gleichzeitig ein Anstieg des Fettgehalts in diesen Produkten beobachtet wurde.
