Zucker und Antibiotika: 100 Gramm gehen mit 24,1 Prozent weniger Darmvielfalt einher
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 20:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine zuckerreiche Ernährung während der Verabreichung von Antibiotika kann die Schädigung nützlicher Darmbakterien maßgeblich verstärken. Zu diesem Befund gelangte ein Forschungsteam von NYU Langone Health, City of Hope und dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in einer am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie.
Die wissenschaftlichen Erhebungen verdeutlichen, dass Nährstoffe und Ernährungsmuster einen messbaren Einfluss darauf ausüben, wie das mikrobielle Ökosystem im Darm auf antimikrobielle Behandlungen reagiert.
Signifikanter Rückgang der bakteriellen Vielfalt
Die Forscher stützten ihre Erkenntnisse unter anderem auf eine Beobachtungsstudie an 173 hospitalisierten Blutkrebspatienten, die sich im Zeitraum von 2017 bis 2022 einer allogenen Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Im Zuge der Überwachung wurden insgesamt 9.419 Mahlzeiten und 1.009 Stuhlproben dokumentiert und ausgewertet.
Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Bei der Verabreichung von Breitband-Antibiotika ging jede zusätzliche Aufnahme von 100 g Zucker in den 48 Stunden vor der Medikamentengabe mit einem Rückgang der sogenannten Alpha-Diversität des Mikrobioms um 24,1 % einher (95%-Konfidenzintervall: 7,7–38,1 %). In der flankierenden Makronährstoff-Analyse lag dieser Verlust bei 20,6 % (95%-Konfidenzintervall: 2–35,6 %).
Darüber hinaus schlug sich der Effekt in den Überlebensraten nieder. Bei Patienten mit hohem Zuckerkonsum stieg das Sterberisiko pro zusätzlichem Tag unter Breitband-Antibiotika um 12 % (Hazard Ratio 1,12; 95%-Konfidenzintervall: 1,01–1,23; P=0,027). In der Vergleichsgruppe mit niedrigem Zuckerkonsum zeigte sich hingegen kein statistisch relevanter Zusammenhang (Hazard Ratio 1,07; P=0,23).
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Besondere Risiken für Hochrisikogruppen und Laborbefunde
Für Personen, die sich einer allogenen Stammzelltransplantation wegen Leukämie oder Lymphomen unterziehen müssen, sind solche Veränderungen besonders gravierend. Bei diesen Behandlungen wird das patienteneigene Immunsystem zunächst durch Zytostatika zerstört.
Um lebensbedrohliche Infektionen zu verhindern, erhalten die Betroffenen standardmäßig eine Antibiotika-Prophylaxe sowie bei Verdachtsfällen hochdosierte Präparate. Eine Destabilisierung der Darmflora kann in dieser empfindlichen Phase lebensgefährlich werden.
Zusätzliche Mausversuche des Studienteams bestätigten den problematischen Mechanismus auf mikrobieller Ebene: Wurden die Tiere mit dem Breitband-Antibiotikum Biapenem und gleichzeitig mit Saccharose behandelt, stieg der Bestand an Enterococcus-Bakterien am dritten Tag um das 16,3-Fache und am sechsten Tag um das 33,4-Fache gegenüber der Kontrollgruppe. Bestimmte Stämme wie Enterococcus faecium gelten als Verursacher schwerer Infektionen.
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Offene Fragen und Ernährungsempfehlungen
Trotz der deutlichen Korrelationen betonen die beteiligten Wissenschaftler methodische Einschränkungen. Da die Datenerhebung ausschließlich an Patienten nach einer Blutstammzell-Transplantation erfolgte, bleibt die Übertragbarkeit auf Gesunde oder Personen mit weniger invasiven Behandlungen Gegenstand offener Fragen.
Ein einzelnes Stück Süßigkeit hebe die Wirkung von Arzneien nicht unmittelbar auf, wenngleich die allgemeine Ernährung die Reaktion auf Medikamente steuere. Zudem sei bislang nicht experimentell bewiesen, ob eine gezielte Reduktion des Zuckeranteils die klinischen Verläufe aktiv verbessert, weshalb weitere Untersuchungen notwendig seien.
Vor dem Hintergrund der beobachteten Mechanismen raten Fachleute jedoch allgemein dazu, während einer laufenden Antibiotikabehandlung auf den übermäßigen Konsum von Süßigkeiten, Backwaren und stark zuckerhaltigen Getränken zu verzichten.
