Zucker, Antibiotika

Zucker und Antibiotika: 100 Gramm mehr senken die Darmvielfalt um 24,1 Prozent

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 05:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung beleuchtet den Einfluss von Darmbakterien, Zucker und Metaboliten auf Asthma, Antibiotikafolgen und den Erfolg einer Immuntherapie.

Darmmikrobiom: Studien zeigen neue AnsÀtze bei Asthma und Krebstherapie
Mikroskopische Aufnahme von gesundem Darmgewebe mit sichtbaren Zellstrukturen in natĂŒrlichen Farbtönen. Illustration mit AI erstellt.

Forschungsergebnisse des chinesischen Zentrums fĂŒr Krankheitskontrolle und -prĂ€vention (China CDC) weisen auf einen neu entdeckten Regulationsweg zwischen Darm und Lunge hin.

In einer im Juli im Fachjournal npj Biofilms and Microbiomes veröffentlichten Studie identifizierten Wissenschaftler das Probiotikum Leuconostoc mesenteroides MY2024 als potenziellen therapeutischen Ansatz zur Linderung von allergischem Asthma.

Die Untersuchungen am Mausmodell belegen, dass dieser spezifische Bakterienstamm die AusprĂ€gung der Erkrankung ĂŒber Stoffwechselprozesse positiv beeinflusst.

Wirkmechanismus und UnabhÀngigkeit vom Mikrobiom

Der identifizierte Wirkmechanismus basiert laut den Studienergebnissen auf der Produktion von CinnamonsĂ€ure durch das Probiotikum. Diese löst eine Signalkaskade ĂŒber STAT1-SAT1 aus, die zu einem verstĂ€rkten Abbau von Spermidin fĂŒhrt. In der Folge sinkt die sogenannte eIF5A-Hypusinierung, was wiederum die Anzahl der entzĂŒndungsfördernden M2-Makrophagen in der Lunge reduziert.

Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung des China CDC ist die Feststellung, dass die Wirkung des Stammes MY2024 unabhÀngig von der bestehenden Darmflora eintritt.

Die Forscher beobachteten den lindernden Effekt auf das allergische Asthma auch dann, wenn das ursprĂŒngliche Mikrobiom zuvor durch die Gabe von Breitbandantibiotika weitgehend eliminiert worden war. Dies deutet darauf hin, dass die vom Probiotikum produzierten Metaboliten direkt mit dem Immunsystem des Wirts interagieren.

EinflĂŒsse von ErnĂ€hrung und Medikation auf die mikrobielle DiversitĂ€t

ErgÀnzende Erkenntnisse zur systemischen Bedeutung des Darm-Mikrobioms lieferte eine aktuelle Untersuchung von Forschungseinrichtungen in Kalifornien und New York, darunter das City of Hope National Medical Center. In der im Fachmagazin Nature publizierten Studie wurde analysiert, wie eine zuckerreiche ErnÀhrung die durch Antibiotika verursachte SchÀdigung der Darmflora verstÀrkt.

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Die Auswertung von Daten von 173 Patienten nach einer hÀmatopoetischen Stammzelltransplantation ergab, dass pro 100 Gramm zusÀtzlichem Zuckerkonsum wÀhrend einer Antibiotikabehandlung die mikrobielle Vielfalt (?-DiversitÀt) um 24,1 Prozent sank. Besonders auffÀllig war die Ausbreitung von Enterococcus faecium.

Ein hoher Zuckerkonsum an Tagen mit Antibiotikagabe war zudem mit einem um 12 Prozent erhöhten Sterberisiko assoziiert. Im Mausmodell fĂŒhrte die Gabe von Saccharose unter Antibiotikaeinfluss zu einer bis zu 33,4-fachen Vermehrung von Enterokokken, wĂ€hrend Zucker allein oder Antibiotika allein deutlich geringere Auswirkungen auf das Mikrobiom zeigten.

Parallel dazu untersuchten Forscher der Northwestern University den Wirkmechanismus des Diabetes-Medikaments Metformin. Entgegen der bisherigen Annahme einer rein renalen Ausscheidung ohne Verstoffwechselung zeigt die Forschung, dass Metformin die mitochondriale AktivitÀt im Darm hemmt. Dies zwingt die Zellen zur verstÀrkten Glykolyse, wodurch die Glukoseaufnahme aus dem Blut erhöht und der Blutzuckerspiegel gesenkt wird.

Mikrobielle Metaboliten als Indikatoren fĂŒr den Therapieerfolg

Auch in der Onkologie gewinnen mikrobielle Stoffwechselprodukte an Bedeutung. Eine multizentrische Studie unter Beteiligung der UniversitĂ€tskliniken MĂŒnchen, Heidelberg und Regensburg untersuchte 129 Patienten, die eine CAR-T-Zell-Therapie erhielten. Die in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Metaboliten den Behandlungserfolg vorhersagen können.

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Niedrige Spiegel an ValeriansĂ€ure vor Therapiebeginn korrelierten demnach mit einem erhöhten Risiko fĂŒr ein Fortschreiten der Erkrankung. Umgekehrt konnten erhöhte Indol-Metaboliten mit ungĂŒnstigen klinischen VerlĂ€ufen in Verbindung gebracht werden.

Die Forscher entwickelten auf Basis dieser Daten einen metabolitgestĂŒtzten Risiko-Score, um das Ansprechen auf die Immuntherapie besser einschĂ€tzen zu können. Eine klinische Folgestudie zum gezielten Mikrobiota-Transfer ist bereits in Vorbereitung.

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