Zuckerfrei, Packung

Zuckerfrei auf der Packung: EU erlaubt bis zu 0,5 Gramm Zucker pro 100 g

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 18:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
EU-Regeln erlauben geringe Zuckermengen bei der Kennzeichnung; Süßungsmittel senken Kalorien nicht zwangsläufig.
Laborumgebung mit Glasbechern und weißem kristallinem Pulver auf einer Edelstahloberfläche Illustration mit AI erstellt.

Das Portal „Lebensmittel Klarheit“ der Verbraucherzentralen weist darauf hin, dass als zuckerfrei beworbene Produkte keineswegs vollständig frei von Zucker sein müssen. Anlass für die Thematisierung gab unter anderem ein Sportlerdrink, der mit der Angabe „zuckerfrei“ beworben wurde, während die Nährwerttabelle einen Gehalt von 0,3 g Zucker pro 100 g auswies.

Gesetzliche Grenzwerte und Kennzeichnungsunterschiede

Hintergrund dieser Praxis sind rechtlich definierte Schwellenwerte. Gemäß der EU-Health-Claims-Verordnung Nr. 1924/2006 ist die Angabe „zuckerfrei“ bereits dann rechtlich zulässig, wenn ein Produkt höchstens 0,5 g Zucker pro 100 g aufweist.

Bei Getränken greift im EU-Regelwerk allerdings eine spezifische Bezugsgröße: Hier darf der Begriff nur verwendet werden, wenn der Zuckergehalt höchstens 0,5 g pro 100 ml beträgt. Im beanstandeten Fall des Sportlerdrinks bezog sich der deklarierte Wert hingegen auf eine Gewichtsangabe von 100 g statt auf das Flüssigkeitsvolumen.

Deutliche Unterschiede bestehen zudem zur Formulierung „ohne Zuckerzusatz“. Nach Angaben des Verbraucherportals besagt dieser Hinweis lediglich, dass dem Produkt keine Zucker zugesetzt wurden. Natürlich vorkommende Zuckerarten können dennoch enthalten sein. Die Abgrenzung dieser Begrifflichkeiten sorgt auch international für Streitigkeiten.

So wurde Starbucks in Seattle wegen als „zuckerfrei“ beworbener Protein-Drinks verklagt, die in Tests 13 bis 21 g Zucker pro große Tasse aufwiesen. Das Unternehmen erklärte hierzu, dass der Zucker aus natürlicher Milchlaktose stamme und kein Zucker hinzugefügt worden sei.

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Süßungsmittel und Kaloriengehalt im Vergleich

Um den süßen Geschmack ohne herkömmlichen Zucker zu gewährleisten, setzen Hersteller häufig auf Zuckerersatzstoffe. Maltit (E 965) erreicht etwa 90 % der Süßkraft von Zucker bei einem physiologischen Brennwert von 2,4 kcal/g und besitzt eine stark abführende Wirkung.

Erythrit (E 968) bietet 60 bis 70 % der Süßkraft, wird in der Europäischen Union mit 0 kcal/g bewertet und beeinflusst den Blutzucker praktisch nicht. Nach einer Neubewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2023 gilt für Erythrit eine akzeptable Tagesdosis von 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Andere Alternativen weisen eine weitaus höhere Intensität auf: Stevia ist 200- bis 300-mal süßer als Zucker, Sucralose erreicht etwa die 600-fache Süßkraft. Überschreitet ein Erzeugnis einen Anteil von 10 % an zugesetzten mehrwertigen Alkoholen, schreibt die EU-Verordnung 1169/2011 verpflichtend den Hinweis vor, dass das Produkt abführend wirken kann.

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Die Reduktion von Zucker führt zudem nicht automatisch zu einem kalorienarmen Lebensmittel. Klassische Gummibärchen enthalten etwa 340 kcal pro 100 g, während zuckerfreie Varianten auf Basis von Maltit oft bei 230 bis 270 kcal pro 100 g liegen.

Ernährungsberater weisen darauf hin, dass Rezepturen mit Angaben wie „ohne Zucker“ oder „zero sugar“ mitunter mehr fett, Mehl oder Stärke enthalten, um geschmackliche Einbußen auszugleichen.

So können Marshmallows mit der Auslobung „ohne Zuckerzusatz“, die Maltit und Sorbit enthalten, rund 210 kcal pro 100 g aufweisen und damit fast das Niveau herkömmlicher Varianten erreichen. Fachleute beobachten daher, dass einzelne zuckerfreie Desserts oder Proteinriegel im Gesamtergebnis kalorienreicher ausfallen können als Schokolade.

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de | wissenschaft | 70400505 |