Zuckersteuer, Cent

Zuckersteuer ab 2027: 26 Cent je Liter ab fünf Gramm Zucker geplant

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 07:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister sowie eine Senatorin wenden sich gegen die geplante Abgabe; der Koalitionskompromiss sieht zwei Tarifstufen vor.

Zuckersteuer: Unionsminister fordern Stopp des geplanten Vorhabens
Weites goldenes Weizenfeld unter einem bewölkten Himmel in einer ländlichen Agrarlandschaft. Illustration mit AI erstellt.

Der politische Kurs bei der Besteuerung zuckerhaltiger Getränke sorgt für erhebliche Spannungen zwischen Bund und Ländern. Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister von CDU und CSU aus acht Bundesländern sowie eine Berliner Verbraucherschutzsenatorin wandten sich am 11. Oktober 2026 mit einem Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Unionsfraktionschef Thorsten Frei, um einen Stopp der geplanten Zuckersteuer zu fordern.

Die Debatte verdeutlicht den tiefen Konflikt zwischen ernährungspolitischen Steuerungsansätzen und ordnungspolitischen Bedenken innerhalb der schwarz-roten Koalition.

Widerstand aus den unionsgeführten Bundesländern

Zu den Unterzeichnern des Protestschreibens gehören Michaela Kaniber (CSU, Bayern), Marion Gentges (Baden-Württemberg), Felor Badenberg (Berlin), Ingmar Jung (Hessen), Silke Gorißen (Nordrhein-Westfalen), Petra Schneider (Rheinland-Pfalz), Sven Schulze beziehungsweise Richter (Sachsen-Anhalt), Mario Voigt beziehungsweise Boos-John (Thüringen) und Georg-Ludwig von Breitenbuch (Sachsen). Schleswig-Holsteins Agrarministerin Schmachtenberg unterzeichnete das Dokument am 11. Oktober 2026 hingegen nicht.

Die bayerische Ministerin Kaniber hatte bereits am 1. Oktober 2026 ein vollständiges Aus für das Vorhaben verlangt und die Endfassung des Schreibens verschärft, das ursprünglich in einer moderateren Variante aus Baden-Württemberg stammte.

Die Länderminister verweisen auf den Koalitionsvertrag, der auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung setzt, sowie auf einen Beschluss des CDU-Bundesparteitags vom Februar 2026 in Stuttgart gegen eine solche Sonderabgabe. Zudem argumentieren sie, dass Ernährungsbildung, Aufklärung und Produktinnovationen Vorrang vor Ordnungsrecht haben müssten.

Gleichzeitig warnen die Minister vor finanziellen Lasten für Verbraucher sowie vor Einbußen für die Landwirtschaft vor dem Hintergrund steigender Kosten für Dünger und Diesel. Sie bezweifeln nachweisbare Erfolge bei der Bekämpfung von Adipositas.

Zwar habe eine Steuer im Ausland wie in Großbritannien zu einer Zuckerreduktion durch Hersteller geführt, die langfristigen Effekte auf Übergewicht und Diabetes seien jedoch schwer zu belegen.

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Vor möglichen Rezepturänderungen wird gewarnt und das britische Modell kritisiert. Obwohl der Gesetzentwurf im Bundesrat formell nicht zustimmungspflichtig ist, betonten die Minister, das Projekt habe ohne Zustimmung der Länder politisch keine Basis.

Der Koalitionskompromiss und verworfene Vorlagen

Am 9. Oktober 2026 hatte sich die schwarz-rote Koalition auf einen Kompromiss verständigt. Vorgesehen ist ein zweistufiges Modell: Ab 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen 26 Cent je Liter fällig werden, ab 7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter 32 Cent je Liter.

Eine ursprünglich diskutierte dritte Stufe ab 10 Gramm Zucker wurde gestrichen. Die Abgabe soll nur Hersteller mit einer Abfüllmenge von mehr als 70.000 Litern pro Jahr betreffen; eine Schwelle von 1 Million Litern jährlich wird auf EU-Ebene geprüft. Als Termin für das Inkrafttreten wurde der 1. Juli 2027 vereinbart.

Zuvor hatte das Bundeskanzleramt Anfang Oktober 2026 einen Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gestoppt, der von Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit abwich und keine parlamentarische Mehrheit fand.

Klingbeils Vorlage von Ende September 2026 sah drei Stufen vor (26 Cent bei 5 bis unter 7 Gramm, 32 Cent bei 7 bis unter 10 Gramm sowie 38 Cent ab 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter). Zuckerfreie Getränke mit Süßstoffen, reine Frucht- und Gemüsesäfte sowie Molkereiprodukte sollten davon unberührt bleiben.

Reaktionen aus Wirtschaft und Bevölkerung

Großkonzerne wie Coca-Cola und Pepsi wären von der Regelung voll betroffen. Bei einer vollständigen Weitergabe der Steuer inklusive Mehrwertsteuer würde sich eine 0,5-Liter-Flasche Cola oder Fanta um rund 19 Cent verteuern.

Dem Staat brächte die Sonderabgabe jährliche Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe. Hersteller von Erfrischungsgetränken weisen darauf hin, dass ihre Produkte bereits knapp 15 Prozent weniger Zucker als im Jahr 2018 enthalten.

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Kritik kommt zudem vom Deutschen Bauernverband (DBV), der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Lebensmittelverbandschef Christoph Minhoff fordert das Ende der Pläne, während CDU-Haushaltspolitiker Andreas Mattfeldt bürokratischen Mehraufwand und den tatsächlichen Netto-Vorteil für den Bundeshaushalt hinterfragt. Bundeslandwirtschaftsminister Rainer (CSU) legte einen Leitungsvorbehalt ein.

In der Bevölkerung stößt das Vorhaben auf geteilte Meinungen. Laut einer INSA-Umfrage unter der Leitung von Hermann Binkert lehnen 55 Prozent der Befragten eine Zuckersteuer ab, während 33 Prozent sie befürworten. Eine relative Mehrheit für die Abgabe findet sich lediglich in der Altersgruppe der über 70-Jährigen.

Politisch sprechen sich 49 Prozent der Befragten links der Mitte für die Steuer aus, während die politische Mitte zu 57 Prozent und das Lager rechts der Mitte zu 71 Prozent dagegen votieren. Auf Parteiebene befürworten Anhänger der Grünen die Steuer mit 54 Prozent gegenüber 35 Prozent Ablehnung; bei Wählern von CDU und CSU sind 51 Prozent dafür und 42 Prozent dagegen.

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