Zuckersteuer: Klingbeil schlieĂt Besteuerung zuckerfreier GetrĂ€nke aus
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 20:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Diskussion um die EinfĂŒhrung einer Abgabe auf gesĂŒĂte GetrĂ€nke in Deutschland hat Bundesfinanzminister Klingbeil eine deutliche Eingrenzung vorgenommen. Er stellte klar, dass es keine Zuckersteuer auf zuckerfreie GetrĂ€nke geben werde.
Ein entsprechendes Arbeitspapier aus seinem Ministerium, das eine solche Besteuerung vorsah, sei politisch nicht geeint gewesen. Damit reagierte das Ministerium auf unterschiedliche Positionen innerhalb der Bundesregierung und fachliche Kritik an den ursprĂŒnglichen EntwĂŒrfen.
Differenzen ĂŒber Umfang und SteuersĂ€tze
Das interne Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums sah ursprĂŒnglich vor, ab dem Jahr 2027 eine gestaffelte Steuer einzufĂŒhren. Die geplanten SĂ€tze beliefen sich auf 26 Cent pro Liter bei einem Zuckergehalt ab 4,5 Gramm pro 100 Milliliter.
FĂŒr GetrĂ€nke mit mehr als 7 Gramm Zucker waren 32 Cent vorgesehen, wĂ€hrend bei einem Gehalt von ĂŒber 10 Gramm ein Satz von 38 Cent pro Liter greifen sollte. In diesem Entwurf waren zudem sĂŒĂstoffhaltige GetrĂ€nke mit einer Abgabe von 26 Cent pro Liter enthalten.
Die Liste der betroffenen Produkte umfasste neben klassischen ErfrischungsgetrÀnken auch Eistees, Fruchtnektare, Smoothies, Sirup, BiermischgetrÀnke sowie Hafer- und Reismilch. Ausgenommen bleiben sollten hingegen reine Milch und 100-prozentige FruchtsÀfte.
Landwirtschaftsminister Rainer (CSU) meldete jedoch einen Leitungsvorbehalt gegen diese PlĂ€ne an. Er forderte ein vereinfachtes Modell mit lediglich zwei SteuersĂ€tzen und einer höheren Freigrenze von 5 Gramm Zucker sowie zusĂ€tzliche Ausnahmen fĂŒr Schorlen und Smoothies.
Finanzielle Prognosen und sektorale Reaktionen
Hinsichtlich der fiskalischen Auswirkungen gehen die SchĂ€tzungen der beteiligten Ministerien weit auseinander. WĂ€hrend das Finanzministerium mit Einnahmen von 650 Millionen Euro fĂŒr das Jahr 2027 und etwa 450 Millionen Euro ab 2028 rechnet, kalkuliert das Agrarministerium deutlich defensiver fĂŒr die Branche. Dort werden die jĂ€hrlichen Einnahmen allein aus ErfrischungsgetrĂ€nken auf rund 2 Milliarden Euro geschĂ€tzt.
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Innerhalb der FachverbĂ€nde herrscht Uneinigkeit ĂŒber die Ausgestaltung der Abgabe. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), GaĂ, kritisierte das ursprĂŒngliche Vorhaben, auch zuckerfreie GetrĂ€nke zu besteuern.
Da die Einnahmen zudem nicht zweckgebunden seien, verfehle das Vorhaben seine Lenkungsfunktion und stelle lediglich eine âGetrĂ€nkesteuerâ dar. Die DKG verwies dabei auf GroĂbritannien als Vorbild, wo eine zweckgebundene Zuckersteuer den Konsum messbar reduziert habe.
DemgegenĂŒber sprachen sich die Verbraucherzentrale Bundesverband und die Verbraucherzentrale NRW fĂŒr eine Einbeziehung von SĂŒĂstoffen aus, um eine generelle Entwöhnung vom sĂŒĂen Geschmack zu fördern.
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UnterstĂŒtzung fĂŒr die PlĂ€ne des Finanzministeriums kam zudem von der Organisation Foodwatch sowie von Experten der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE). Die Sprecherin der Union, Borchardt, lehnte eine Besteuerung von zuckerfreien GetrĂ€nken hingegen ab.
Studienlage zur gesundheitlichen PrÀvention
Die wissenschaftliche Einordnung der Effekte einer solchen Steuer bleibt Gegenstand der Forschung. Eine Modellstudie der TU MĂŒnchen aus dem Jahr 2024 prognostizierte, dass eine 20-prozentige Mehrwertsteuer auf Softdrinks signifikante gesundheitliche Vorteile bringen könnte.
Die Autoren der Studie errechneten eine Reduktion von etwa 210.800 AdipositasfÀllen bei MÀnnern und 80.800 bei Frauen. Zudem könnten 86.400 Diabetes-Erkrankungen vermieden und Gesundheitskosten in Höhe von 2,37 Milliarden Euro eingespart werden.
Dem stehen internationale Meta-Analysen gegenĂŒber, die zurĂŒckhaltendere SchlĂŒsse ziehen. Eine Ăbersichtsarbeit von Andreyeva, die 86 Studien aus 13 LĂ€ndern auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass in vier von fĂŒnf Studien keine signifikanten Ănderungen des Body-Mass-Index (BMI) durch Zuckersteuern nachweisbar waren.
Auch Beobachtungen aus GroĂbritannien, wo seit 2018 eine entsprechende Steuer existiert, zeigen laut aktuellen Analysen geringere Real-Effekte, als sie in theoretischen Modellen zuvor berechnet wurden.
In der anhaltenden Debatte könnte das Gesundheitsministerium unter Leitung von Linnemann als Vermittler zwischen den gegensĂ€tzlichen Positionen des Finanz- und des Agrarministeriums fungieren. Eine finale politische Einigung ĂŒber die Ausgestaltung der Abgabe steht noch aus.
Mehr zum Thema bei tagesschau.de: âKlingbeil: Keine Zuckersteuer auf zuckerfreie GetrĂ€nkeâ
