Zuckersteuer, Unionsminister

Zuckersteuer: Neun Unionsminister fordern von Friedrich Merz den Stopp

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neun Landesminister lehnen die geplante Zuckerabgabe ab; Kabinettsbeschluss, gestaffelte SÀtze und mögliche Einnahmen bleiben Teil der Debatte.

Zuckersteuer: Neun Unionsminister verlangen Stopp der geplanten Abgabe
Weites, goldenes Weizenfeld in einer deutschen Agrarlandschaft unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Der Widerstand gegen die geplante bundesweite Sonderabgabe auf zuckerhaltige Produkte wÀchst innerhalb der Regierungsparteien. In einem gemeinsamen Protestbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Unionsfraktionschef Thorsten Frei verlangen neun Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister von CDU und CSU die vollstÀndige Ablehnung beziehungsweise den Stopp der geplanten Zuckersteuer.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens zĂ€hlen Michaela Kaniber (CSU, Bayern), Marion Gentges (Baden-WĂŒrttemberg), Felor Badenberg (Berlin), Ingmar Jung (Hessen), Silke Gorißen (Nordrhein-Westfalen), Horst Schneider (Rheinland-Pfalz), Sven Schulze beziehungsweise die zustĂ€ndigen Ressortvertreter wie Richter (Sachsen-Anhalt), Boos-John (ThĂŒringen) und Georg-Ludwig von Breitenbuch (Sachsen).

Argumente der LĂ€nder gegen staatliche Lenkungssteuern

Die Unions-Minister begrĂŒnden ihren Vorstoß mit den Vereinbarungen des Koalitionsvertrags, der vorrangig auf Freiwilligkeit, gezielte Anreize und Eigenverantwortung setze, anstatt auf fiskalische Lenkungsinstrumente zurĂŒckzugreifen.

Zudem bezweifeln die Landespolitiker den tatsĂ€chlichen gesundheitspolitischen Nutzen der Maßnahme. ErfrischungsgetrĂ€nke enthielten im Vergleich zum Jahr 2018 bereits knapp 15 Prozent weniger Zucker, wĂ€hrend messbare Erfolge bei der Reduktion von Adipositas bislang nicht belegt seien.

Gleichzeitig warnen die Minister vor erheblichen wirtschaftlichen Belastungen fĂŒr die heimische Landwirtschaft, die bereits durch steigende Ausgaben fĂŒr DĂŒngemittel und Diesel unter Druck stehe. Auch fĂŒr die verarbeitenden GetrĂ€nkehersteller befĂŒrchten die Unterzeichner des Schreibens, das auf den ersten Tag der Klausurtagung des CDU-PrĂ€sidiums datiert ist, spĂŒrbare Nachteile.

Der Koalitionskompromiss und die geplanten AbgabensÀtze

Die Debatte folgt auf einen vorlÀufigen Kompromiss innerhalb der Regierungskoalition. Nachdem das Kanzleramt einen ersten Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gestoppt hatte, stellte die Bundesregierung am 2. Oktober 2026 klar, dass grundsÀtzlich nur noch die konkrete Ausgestaltung verhandelt werde.

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Ein ĂŒberarbeiteter Vorschlag liegt vor, ĂŒber den das Bundeskabinett noch beschließen muss. Nach Verhandlungsberichten aus dem Oktober 2026 soll das Vorhaben am 1. Juli 2027 in Kraft treten – ein halbes Jahr spĂ€ter als vom Bundesfinanzministerium ursprĂŒnglich vorgesehen.

Auf Druck der Union verzichtete das Finanzressort auf eine zusĂ€tzliche Steuerstufe und schloss sich dem zweistufigen Modell der Kommission fĂŒr die Reform der Gesetzlichen Krankenkassen an. Geplant sind gestaffelte SĂ€tze:
- 26 Cent je Liter bei einem Gehalt von 5 bis unter 7 Gramm Zucker je 100 Milliliter,
- 32 Cent je Liter bei 7 bis unter 10 Gramm,
- 38 Cent je Liter ab 10 Gramm Zucker je 100 Milliliter.

Molkereiprodukte bleiben von der Abgabe ausgenommen. FĂŒr Endverbraucher könnte sich ein halber Liter Cola oder Fanta um rund 19 Cent verteuern. Die Steuer soll zunĂ€chst ab einer jĂ€hrlichen Produktionsmenge von mehr als 70.000 Litern greifen; eine Anhebung dieser Freigrenze auf bis zu 1 Million Liter soll bei der EuropĂ€ischen Kommission auf ihre europarechtliche Umsetzbarkeit geprĂŒft werden. Das Finanzministerium kalkuliert mit jĂ€hrlichen Einnahmen von 775 Millionen Euro im Jahr 2027 sowie knapp 1,2 Milliarden Euro ab 2028.

BĂŒrokratiekritik und geteilte Reaktionen

Kritik kommt auch von WirtschaftsverbĂ€nden und SteuerprĂŒfern. Der Bund der Steuerzahler verweist darauf, dass laut den GesetzesplĂ€nen 1.046 zusĂ€tzliche Vollzeitstellen beim Zoll, dem Informationstechnikzentrum Bund und dem Ministerium geschaffen werden mĂŒssten – davon 227 Stellen fĂŒr die Zuckersteuer und 819 fĂŒr die Plastiksteuer.

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227 zusĂ€tzliche Zollstellen allein fĂŒr die Zuckersteuer, geschĂ€tzte 7.500 PrĂŒfertage, 231 neue PrĂŒfer — fĂŒr rund 2.500 Hersteller und Importeure bedeutet der geplante Kompromiss vor allem eines: neue BĂŒrokratie ab dem 1. Juli 2027. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Stellen und PrĂŒfschritte auf Ihren Betrieb zukommen und wie Sie die Belastung gegenĂŒber Politik und VerbĂ€nden konkret beziffern. BĂŒrokratie-Check fĂŒr Ihren Betrieb starten

Unternehmer wie Andreas W. Herb von der MBG Group aus Paderborn warnen vor massiver BĂŒrokratie fĂŒr rund 2.500 Hersteller und Importeure, die bei geschĂ€tzten 7.500 PrĂŒfertagen und 231 neuen PrĂŒfern entstehe. Vertreter des Lebensmittelverbands sowie der Freien WĂ€hler in Rheinland-Pfalz fordern ebenfalls ein Aus fĂŒr das Projekt.

FachverbĂ€nde wie die BundeszahnĂ€rztekammer unterstĂŒtzen hingegen eine gezielte Herstellerabgabe, mahnen jedoch an, diese an der realen Zuckerreduktion zu messen. In der Bevölkerung stĂ¶ĂŸt der Plan laut einer INSA-Umfrage vom Oktober 2026 auf Skepsis: 55 Prozent der Befragten lehnen die Zuckersteuer ab, wĂ€hrend 33 Prozent die EinfĂŒhrung befĂŒrworten.

Mehr zum Thema bei WELT: „Landwirtschaftsminister: Aufstand gegen Zuckersteuer – Neun Unions-Minister schreiben Protestbrief an Kanzler 
“

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