Zuckersteuer, Stufenmodell

Zuckersteuer: Stufenmodell ab 2027 mit bis zu 38 Cent pro Liter

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 11:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Finanzminister Klingbeil lehnt eine Abgabe auf zuckerfreie Getränke ab, während die gestaffelte Zuckersteuer ab 2027 eingeführt werden soll.

Klingbeil stoppt Steuerpläne für Zero-Getränke – Zuckerabgabe kommt
Regal in einem Supermarkt mit verschiedenen Getränkeflaschen bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In der Debatte um eine nationale Abgabe auf gesüßte Getränke hat das Bundesfinanzministerium die künftige Ausrichtung konkretisiert. Finanzminister Klingbeil (SPD) erteilte Berichten von Anfang September 2026 zufolge Plänen zur Besteuerung von zuckerfreien Erfrischungsgetränken eine Absage. Eine Ausweitung der geplanten Abgabe auf sogenannte Zero-Getränke sei nicht vorgesehen, da eine Steuer auf zuckerfreie Produkte nicht sinnvoll erscheine.

Abkehr von Steuerplänen für Süßstoffgetränke

Ein zuvor bekannt gewordenes Arbeitspapier aus dem Bundesfinanzministerium hatte eine Besteuerung von Getränken mit Süßstoffen vorgesehen. Diese Entwürfe nannten einen Steuersatz von 26 Cent pro Liter.

Nach internen Kalkulationen hätte diese Maßnahme im ersten Jahr Einnahmen von 650 Millionen Euro generieren können, während für die Folgejahre mit jährlichen Einnahmen von 450 Millionen Euro gerechnet wurde. Neben Süßstoffgetränken standen laut dem Papier ursprünglich auch Fruchtnektare, Smoothies, Milchmischgetränke, pflanzliche Alternativen sowie alkoholfreie Biere und Weine zur Debatte.

Minister Klingbeil wies diese Pläne jedoch zurück. Die Ausweitung der Steuer auf Light-Getränke, Smoothies und weinhaltige Erzeugnisse gilt damit vorerst als vom Tisch. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA begrüßte diese Entscheidung teilweise, lehnt die Zuckersteuer jedoch weiterhin grundsätzlich als symbolische Steuerpolitik ab, die evidenzbasierte Lösungen vermissen lasse.

Staffelung der Zuckersteuer ab 2027

Die Einführung der Steuer auf zuckerhaltige Getränke ist nun für das Jahr 2027 vorgesehen, womit die Umsetzung gegenüber früheren Planungen um ein Jahr vorgezogen wurde. Die Höhe der Abgabe soll sich nach dem tatsächlichen Zuckergehalt der Produkte richten.

Gemäß den Plänen werden pro Liter 26 Cent fällig, wenn der Zuckergehalt 4,5 Gramm pro 100 Milliliter übersteigt. Bei einem Gehalt von mehr als 7 Gramm steigt der Satz auf 32 Cent, und für Produkte mit mehr als 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sind 38 Cent pro Liter veranschlagt.

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Während die Koalition mit Gesamteinnahmen von etwa 650 Millionen Euro rechnet, prognostizieren Branchenverbände deutlich höhere Belastungen von knapp 4 Milliarden Euro.

Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigen eine gespaltene Meinung in der Bevölkerung: Während 55 Prozent der Deutschen die Zuckersteuer befürworten, lehnen 44 Prozent das Vorhaben ab. Besonders hoch ist die Zustimmung unter Anhängern der Grünen (87 Prozent), der SPD (77 Prozent) und der Union (76 Prozent).

Kontroversen um die Wirkung von Süßstoffen

Trotz der politischen Absage an eine Besteuerung von Süßstoffen bleibt das Thema unter Experten umstritten. Vertreterinnen der Verbraucherzentrale NRW sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sprachen sich für die Einbeziehung von Süßstoffen aus. Ziel sei es, die allgemeine Gewöhnung an eine hohe Süßintensität in der Ernährung zu reduzieren.

Kritik an einer pauschalen Besteuerung von Süßstoffen kam hingegen aus der Industrie. Der Produktchef des Unternehmens More Nutrition, Nicolas Lother, bezeichnete die Gleichbehandlung von Zucker und Süßstoffen als fachlich ungeeignet. Da Süßstoffe eine unterschiedliche Süßkraft aufweisen, würde eine pauschale Steuer pro Liter die produktbezogenen Unterschiede nicht korrekt abbilden. Zudem könnten bei Konzentraten falsche Anreize entstehen.

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Gesundheitspolitische Einordnung und internationale Vergleiche

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) verwies angesichts der Debatte auf den hohen Zuckerkonsum in Deutschland, der mit rund 35 Kilogramm pro Kopf und Jahr deutlich über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation liegt. Erfahrungen aus dem Ausland stützen die Befürworter einer Abgabe.

In Großbritannien führte die Einführung einer vergleichbaren Abgabe im Jahr 2018 dazu, dass der Zuckergehalt in Getränken zwischen 2015 und 2021 um etwa 29 Prozent sank. In Deutschland betrug die Reduktion im selben Zeitraum lediglich 2 Prozent.

Untersuchungen der Universität Cambridge sowie der Technischen Universität München und der Universität Oxford deuten darauf hin, dass eine solche Abgabe den Zuckerkonsum bei Kindern und Erwachsenen signifikant senken könnte. Ökonomische Modellrechnungen prognostizieren zudem langfristige Einsparungen im Gesundheitswesen von bis zu 16 Milliarden Euro.

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