Zuckersteuer, Zero-GetrÀnke

Zuckersteuer: Zero-GetrÀnke und alkoholfreies Bier sollen steuerfrei bleiben

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Gesetzentwurf sieht gestaffelte Abgaben auf zuckerhaltige GetrĂ€nke vor; EinfĂŒhrung und Zustimmung von LĂ€ndern und Parlament stehen noch aus.

Zuckersteuer: Zero-GetrÀnke und alkoholfreies Bier bleiben ausgenommen
Symbolbild: SchĂŒssel mit frischem Salat Illustration mit AI erstellt.

Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums zur EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer sieht signifikante Ausnahmen fĂŒr bestimmte GetrĂ€nkekategorien vor. Laut einem 58-seitigen Gesetzentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der Ende September 2026 bekannt wurde, sollen zuckerfreie Varianten sowie alkoholfreies Bier und Wein von der geplanten Abgabe befreit bleiben. Damit grenzt die Bundesregierung den Anwendungsbereich der Steuer gegenĂŒber frĂŒheren Überlegungen deutlich ein.

Gestaffelte SteuersÀtze und betroffene Warengruppen

Das geplante Modell sieht eine dreistufige Besteuerung vor, die sich am Zuckergehalt der GetrĂ€nke pro 100 Milliliter orientiert. Ab einem Schwellenwert von 5 Gramm Zucker greift die Abgabe. FĂŒr GetrĂ€nke mit einem Gehalt zwischen 5 und weniger als 7 Gramm Zucker ist ein Satz von 0,26 Euro pro Liter vorgesehen.

EnthÀlt ein Produkt zwischen 7 und weniger als 10 Gramm Zucker, steigt die Steuer auf 0,32 Euro pro Liter. Spitzenreiter mit 10 Gramm Zucker oder mehr werden mit 0,38 Euro pro Liter belastet.

Besteuert werden sollen demnach Limonaden, zuckerhaltige Colas, Energy Drinks, gesĂŒĂŸte WĂ€sser sowie Konzentrate und Sirupe. Auch Frucht- und GemĂŒsesĂ€fte, denen Zucker zugesetzt wurde, fallen unter die Neuregelung.

Ausgenommen sind hingegen reine SÀfte ohne Zusatzzucker, unverarbeitete Milch sowie NahrungsergÀnzungsmittel und Arzneimittel. Eine wesentliche Entscheidung des Finanzministeriums betrifft sogenannte Light- oder Zero-GetrÀnke: Diese bleiben ebenso steuerfrei wie alkoholfreies Bier, alkoholfreier Wein und Schaumwein.

Anzeige

Die geplante Steuer rĂŒckt den Einfluss von Zucker auf die Gesundheit wieder verstĂ€rkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie versteckte Zuckerfallen im Alltag erkennen und durch einfache Tipps zu mehr Energie und einer besseren Verdauung gelangen. Zuckerfrei-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen

Finanzielle Auswirkungen und zeitlicher Rahmen

Die EinfĂŒhrung der Steuer ist laut den vorliegenden PlĂ€nen fĂŒr den 1. Juli 2027 vorgesehen. Das Finanzministerium verbindet mit der Maßnahme klare fiskalische Ziele. FĂŒr das Rumpfjahr 2027 werden Einnahmen in Höhe von 945 Millionen Euro erwartet.

In den Folgejahren sollen die Einnahmen kontinuierlich steigen: von 1,155 Milliarden Euro im Jahr 2028 ĂŒber 1,165 Milliarden Euro im Jahr 2029 bis hin zu 1,17 Milliarden Euro im Jahr 2030. FĂŒr das Jahr 2031 wird mit Einnahmen von 1,18 Milliarden Euro gerechnet.

Die Bundesregierung beabsichtigt, diese Mittel zur Gegenfinanzierung im Bundeshaushalt zu nutzen. Insbesondere sollen damit KĂŒrzungen des Bundeszuschusses zum Gesundheitsfonds teilweise ausgeglichen werden.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Zuckerkonsum befasst, stellt oft fest, dass bereits kleine VerĂ€nderungen in der ErnĂ€hrung eine große Wirkung auf das allgemeine Wohlbefinden haben können. Experten aus Bad Godesberg enthĂŒllen in einem Gratis-Guide die 10 grĂ¶ĂŸten Zuckerfallen im Supermarkt und zeigen Wege zu einer gesĂŒnderen Lebensweise auf. Gratis-Ratgeber: Zuckerfrei leben ohne Verzicht

WĂ€hrend das Ministerium die Steuer auch als Instrument zur Bremsung der Beitragsdynamik in der gesetzlichen Krankenversicherung und als Beitrag zum Gesundheitsschutz begrĂŒndet – die Versorgungskosten durch Zuckerkonsum werden auf rund 3,5 Milliarden Euro geschĂ€tzt –, weisen Beobachter darauf hin, dass der Aspekt der GesundheitsprĂ€vention in den aktuellen EntwĂŒrfen weniger prominent platziert sei als in frĂŒheren Eckpunkten.

Kritik aus Politik und Wirtschaft

Gegen das Vorhaben regt sich Widerstand auf verschiedenen Ebenen. Mehrere BundeslĂ€nder im Bundesrat sowie die Unionsfraktion haben bereits Änderungen gefordert. Agrarminister Rainer (CSU) legte Berichten zufolge einen Leitungsvorbehalt ein. Auch innerhalb der Union lehnen Teile der Abgeordneten die Steuer grundsĂ€tzlich ab.

In der GetrĂ€nkeindustrie herrscht Besorgnis ĂŒber die Preisentwicklung. Der Deutsche Brauer-Bund wies darauf hin, dass die Steuer die Brauereien bei ihrem Standbein mit Limonaden empfindlich treffe.

Konkrete Berechnungen am Beispiel der Hirschbrauerei Heubach verdeutlichen die mögliche Belastung fĂŒr Verbraucher: Unter BerĂŒcksichtigung der Steuer von etwa 3,50 Euro pro Kasten, eines kalkulierten HĂ€ndleraufschlags von 30 Prozent und der Mehrwertsteuer könnte sich ein Kasten Limonade um mehr als 5 Euro verteuern.

ZusĂ€tzlich mahnte der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG), Zeitler, eine fehlende FolgenabschĂ€tzung fĂŒr ArbeitsplĂ€tze an. Seitens der Verbraucherzentrale betonte Pop, dass die Einnahmen aus der Steuer zweckgebunden fĂŒr die ErnĂ€hrungsprĂ€vention verwendet werden sollten. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung, wobei die endgĂŒltige Zustimmung der LĂ€nder und des Parlaments noch aussteht.

Mehr zum Thema bei t-online: „Zuckersteuer: Coke Zero und alkoholfreies Bier bleiben doch verschont“

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70204619 |