Millionen, Demenzkranke

Zwei Millionen Demenzkranke: Warum Wohngemeinschaften die bessere Alternative sind

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bayern investiert 1,44 Mio. Euro in zwei Pflege-WGs in München-Solln. Das Programm „PflegesoNah“ fördert seit 2020 über 8.870 Plätze.

Bayern fördert Pflege-WGs in München: 1,44 Mio. Euro für 24 neue Plätze
Heller, wohnlicher Gemeinschaftsraum einer modernen Pflege-Wohngemeinschaft mit gemütlicher Einrichtung und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das bayerische Gesundheitsministerium weitet die Unterstützung für alternative Wohnformen in der Pflege aus. Wie aus aktuellen Regierungsangaben hervorgeht, fördert Gesundheitsministerin Judith Gerlach die Errichtung von zwei ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften (WGs) im Münchener Stadtteil Solln mit einer Summe von 1,44 Millionen Euro.

In der ehemaligen Klosteranlage St. Gabriel sollen durch diese Maßnahme insgesamt 24 neue Pflegeplätze entstehen. Die Zuwendung erfolgt im Rahmen des bayerischen Förderprogramms „PflegesoNah“, das gezielt die Schaffung von pflegenahen Wohnstrukturen unterstützt.

Ausbau der Pflegeinfrastruktur durch „PflegesoNah“

Die Notwendigkeit für den Ausbau solcher Strukturen ergibt sich aus der demografischen Entwicklung im Freistaat. Prognosen des bayerischen Gesundheitsministeriums zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern bis zum Jahr 2050 auf rund 980.000 Personen ansteigen. Um dieser Entwicklung zu begegnen, setzt das Land verstärkt auf Konzepte, die ein Altern im vertrauten sozialen Umfeld ermöglichen.

Seit dem Start des Förderprogramms im Jahr 2020 wurden bereits erhebliche Mittel mobilisiert. Nach Ministeriumsangaben flossen seither rund 410 Millionen Euro in verschiedene Projekte, wodurch mehr als 8.870 Pflegeplätze gefördert werden konnten. Das Programm zielt darauf ab, die Lücke zwischen der häuslichen Pflege durch Angehörige und der vollstationären Unterbringung in Pflegeheimen zu schließen.

Spezialisierte Wohngemeinschaften für Demenzpatienten

Ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklungen liegt auf spezialisierten Angeboten für Menschen mit Demenz. In Brinkum hat die Specht-Gruppe im „Haus am Brunnen“ bereits im Juni 2026 erste Demenz-WGs in Betrieb genommen.

Das Konzept „Pflege-Wohnen im Quartier“ umfasst dort fünf ambulante Wohngemeinschaften für jeweils acht bis neun Senioren. Die Zimmergrößen variieren zwischen 16 und 40 Quadratmetern. Während zwei weitere Wohngruppen im September den Betrieb aufnehmen sollen, sind derzeit bereits 23 Bewohner und 22 Pflegekräfte vor Ort aktiv.

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Ähnliche Ansätze zeigen sich in Hessen. In Offenbach wurde in der Geleitsstraße die erste Demenz-WG der Hans-und-Ilse-Breuer-Stiftung im sogenannten Statthaus realisiert.

Hier leben neun Bewohnerinnen, die von vier Pflegekräften betreut werden. Der Alltag ist durch gemeinschaftliche Aktivitäten wie Kochen und Gartenarbeit geprägt. Angehörige organisieren sich in diesem Modell in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).

Ein Sohn einer langjährigen Bewohnerin berichtete, dass die WG-Struktur im Vergleich zu klassischen Heimen positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben könne, während die Kosten auf einem ähnlichen Niveau wie in durchschnittlichen Altersheimen lägen. Angesichts von deutschlandweit etwa zwei Millionen Demenzkranken und jährlich 400.000 Neuerkrankungen gewinnen solche Konzepte an Bedeutung.

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Finanzielle Rahmenbedingungen und internationale Impulse

Die Finanzierung dieser Wohnformen wird durch gesetzliche Leistungen der Pflegekassen gestützt. Im Jahr 2026 beläuft sich der Wohngruppenzuschlag auf monatlich 224 Euro. Zudem steht für die Gründung einer solchen WG eine Anschubfinanzierung von bis zu 2.613 Euro pro Person zur Verfügung, wobei der Höchstbetrag je Wohngemeinschaft auf 10.452 Euro begrenzt ist.

Zusätzlich können Pflegebedürftige der Grade 1 bis 5 einen Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI in Höhe von 125 Euro monatlich für zweckgebundene Leistungen wie Alltagsunterstützung in Anspruch nehmen.

Auch international finden innovative Ansätze Einzug in die Pflege praxis. In Victoria, Kanada, setzt die Einrichtung St. Charles Manor unter der Leitung von Twila Thomson auf multisensorische Stimulation durch das sogenannte „Happiness Program“. Mithilfe digitaler Instrumente wie dem „Magic Table“ werde eine Reduzierung von Unruhezuständen und eine Steigerung der sozialen Interaktion bei Demenzpatienten angestrebt.

In Spanien investiert die Stadt Orihuela rund 5,9 Millionen Euro in ein neues Wohnzentrum für Menschen mit Behinderung auf einem ehemaligen Psychiatriegelände. Dieses Projekt ist Teil eines Regionalprogramms der Valencianischen Gemeinschaft, das für das Jahr 2026 Investitionen von 132 Millionen Euro für insgesamt 24 Zentren vorsieht.

Diese Maßnahmen unterstreichen den globalen Trend hin zu spezialisierten und kleinteiligen Pflegeangeboten, die eine höhere Lebensqualität für Betroffene zum Ziel haben.

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