Millionen, Rollatoren

Zwei Millionen Rollatoren: Wie die Gehhilfe zum TrainingsgerÀt wird

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Rollator lassen sich Kraft, Balance und Beweglichkeit trainieren; sichere Übungen erfordern ein geeignetes GerĂ€t und korrekte Einstellung.
Ein heller, sonnendurchfluteter Raum mit Holzboden und weichem Lichteinfall, der eine Umgebung fĂŒr körperliches Training darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Der Rollator gilt im Alltag vieler Menschen vor allem als Gehhilfe zur BewĂ€ltigung von Strecken im Innen- und Außenbereich. FachbeitrĂ€ge rĂŒcken nun vermehrt in den Fokus, dass sich die fahrbaren Hilfsmittel ĂŒber die reine StĂŒtzfunktion hinaus auch aktiv in körperliche Übungsprogramme einbinden lassen, um Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit gezielt zu trainieren.

Gezieltes Training fĂŒr MobilitĂ€t und Gleichgewicht

Der Einsatz von Rollatoren in Bewegungsprogrammen richtet sich vor allem an Senioren, Personen in der Rehabilitation sowie aktive Menschen mit MobilitĂ€tseinschrĂ€nkungen. Als vielseitiges TrainingsgerĂ€t bietet die Gehhilfe UnterstĂŒtzung bei MobilitĂ€ts-, Balance- und sanften KraftĂŒbungen. Dazu zĂ€hlen unter anderem die Standwaage, das seitliche Beinheben, Kniebeugen mit UnterstĂŒtzung sowie Armkreisen und spezielles Schritttraining.

Die Übungseinheiten lassen sich flexibel und ohne großen apparativen Aufwand durchfĂŒhren. Vorgesehen sind Trainingsformen sowohl in den eigenen vier WĂ€nden als auch im Garten oder integriert in regulĂ€re SpaziergĂ€nge.

Sicherheitsanforderungen und GerÀteeigenschaften

FĂŒr die DurchfĂŒhrung von Übungen gelten strenge Sicherheitsregeln. Zu den zentralen Hinweisen gehört, den Rollator vor Beginn der Übungen stets zu arretieren, Bewegungen langsam und kontrolliert auszufĂŒhren und sich nicht zu weit ĂŒber das GerĂ€t zu lehnen.

Fachleute betonen zudem, dass nicht jedes Modell fĂŒr körperliche Übungen gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend sind stabile Griffe und verlĂ€ssliche, feststellbare Bremsen. Sehr leichte oder reine Faltmodelle weisen konstruktionsbedingt oft eine geringere StabilitĂ€t auf.

Bei der Auswahl spielen Materialunterschiede wie Aluminium gegenĂŒber Stahl, die Verarbeitung sowie FunktionalitĂ€ten wie Faltbarkeit und Höhenverstellung eine Rolle. Ein höherer Anschaffungspreis garantiert dabei nicht automatisch eine bessere QualitĂ€t.

Im Fachhandel finden sich unterschiedliche Konstruktionen: Das Modell Drive Medical Nitro Euro 2 etwa besteht aus Aluminium, ist faltbar und im mittleren Preissegment angesiedelt. Der Rehasense Vela 2 aus Stahl verfĂŒgt ĂŒber eine Aufstehhilfe und liegt im höheren Preissegment, ebenso wie der stufenlos höhenverstellbare Topro Troja 2G aus Aluminium.

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Vom klassischen Rollator abzugrenzen ist der Gehwagen. WĂ€hrend der Rollator mit vier RĂ€dern hohe Wendigkeit bietet und meist ĂŒber SitzflĂ€che, Korb sowie arretierbare Handbremsen verfĂŒgt, zeichnet sich ein Gehwagen meist durch einen robusteren Rahmen ohne bewegliche RĂ€der aus. Er ist weniger wendig, besitzt selten SitzflĂ€chen oder Handbremsen und ist primĂ€r fĂŒr den Innenbereich sowie kurze Außenwege vorgesehen.

Anpassung und professionelle Einweisung

Um das Sturzrisiko zu minimieren und die Sicherheit beim Training zu gewĂ€hrleisten, kommt der individuellen GerĂ€teeinstellung eine zentrale Bedeutung zu. Die Griffhöhe sollte bei aufrechtem Stand etwa auf Höhe der Handgelenke liegen und prĂ€zise an die KörpergrĂ¶ĂŸe angepasst werden.

FĂŒr die fachgerechte Justierung und praktische Einweisung stehen verschiedene Professionen zur VerfĂŒgung:
* SanitĂ€tshĂ€user und OrthopĂ€dietechniker: Übernehmen die technische Anpassung, was in der Regel 30 bis 60 Minuten beansprucht.

Bei Vorliegen einer Ă€rztlichen Verordnung erfolgt die KostenĂŒbernahme meist durch die Krankenkasse.
* Physiotherapie und Ergotherapie: Ergotherapeuten setzen fĂŒr Einweisungen eine bis mehrere Sitzungen von jeweils 30 bis 60 Minuten an.

In der Physiotherapie werden pro Sitzung 20 bis 60 Minuten aufgewendet.
* Medizinisches Fachpersonal: HausĂ€rzte stellen nach einer 10- bis 20-minĂŒtigen Konsultation die Verordnung aus.

Pflegedienste begleiten den Einsatz im Alltag mit Einheiten von 15 bis 30 Minuten.
* Hersteller und HÀndler: Einweisungen durch Hersteller dauern im Schnitt 15 bis 45 Minuten, FachhÀndler bieten Beratungen von 10 bis 30 Minuten an.

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Liegt eine medizinische Notwendigkeit vor, werden die anfallenden Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen oft ganz oder teilweise getragen.

Hohe Verbreitung in Deutschland

In Deutschland gibt es schĂ€tzungsweise ĂŒber zwei Millionen Rollatoren. JĂ€hrlich werden rund 500.000 GerĂ€te ĂŒber den Fachhandel abgegeben. Die Bedeutung der Gehhilfen im Verkehrsraum und in der Pflege ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen.

So befasste sich eine in der Fachzeitschrift Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik (Ausgabe 3/2015, Seiten 90–93) veröffentlichte Studie mit der Gehgeschwindigkeit und dem Laufverhalten von Personen mit Rollatoren im Kontext der Unfallrekonstruktion.

Zudem dokumentierte eine Erhebung in der Fachzeitschrift Geriatrie a Gerontologie (2014, Band 3, Ausgabe 1, Seiten 29–35) internationale Unterschiede im Pflegealltag: WĂ€hrend PflegekrĂ€fte in Deutschland hĂ€ufiger auf Selbsthilfe-Hilfsmittel und Rollatoren zurĂŒckgriffen, setzten tschechische PflegekrĂ€fte vermehrt auf feste Gehhilfen und UnterarmkrĂŒcken. Bei Unsicherheiten bezĂŒglich des Einsatzes und der Trainingsgestaltung wird Betroffenen die Konsultation von Ärzten oder Therapeuten empfohlen.

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