Mediziner, Grausige

Mediziner: Grausige ZustÀnden in Gaza-KrankenhÀusern

05.01.2024 - 13:12:20 | dpa.de

Der Hamas-Überfall auf Israel und die Gegenangriffe der israelischen Armee haben Gaza in ein Inferno verwandelt. Ärzte berichten ĂŒber die entsetzlichen Qualen der Menschen, die zwischen die Fronten geraten.

Eine Verwundete in einem Krankenhaus in Rafah (Archivbild). Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn am 7. Oktober mehr als 57.600 Menschen im Gazastreifen verletzt. - Foto: Hatem Ali/AP/dpa

AuslĂ€ndische Hilfsorganisationen haben von grausigen ZustĂ€nden in den wenigen noch im Gazastreifen arbeitenden KrankenhĂ€usern berichtet. «Wir sehen Verletzungen, die ĂŒberwiegend durch Explosionen und Splitter verursacht wurden», wird der Leitende Chirurg des UniversitĂ€tskrankenhauses Oxford und Klinischer Leiter des Medizinischen Notfallteams, Nick Maynard, in einer Mitteilung der privaten Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) mit Hauptsitz in New York zitiert.

«Viele Erwachsene, Kinder und Babys werden mit traumatischen Amputationen von Armen und Beinen eingeliefert. Wir haben kleine Kinder mit den furchtbarsten Verbrennungen im Gesicht gesehen», fĂŒgte Maynard hinzu.

Flure, TreppenhÀuser, Empfangsbereiche, Stationen - auf jedem Quadratzentimeter des Krankenhauses lÀgen Patienten auf dem Boden, sagte er. Viele seien zudem schwer unterernÀhrt.

«Die Szenen in Gaza sind erschĂŒtternd»

Ein erstes Medizinisches Notfallteam von Medical Aid for Palestinians (MAP/Großbritannien) und International Rescue Committee (IRC) seien inzwischen in einem Krankenhaus im Gazastreifen im Einsatz, um die vielen Opfer israelischer Bombardierungen zu versorgen, berichtete IRC weiter.

«Die Szenen in Gaza sind erschĂŒtternd. Schon in den ersten Stunden im Krankenhaus behandelte ich einen etwa einjĂ€hrigen Jungen, der bei der Bombardierung seinen rechten Arm und sein rechtes Bein verloren hatte - auf dem Boden, da keine Tragen zur VerfĂŒgung standen», berichtete die KinderĂ€rztin Seema Jilani von IRC. «Waisenkinder und Babys kommen mit schweren Verbrennungen an, stehen unter Schock, zittern vor Angst und leben kaum noch. Mein Herz bricht fĂŒr die Kinder in Gaza», sagte die Frau.

Nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn am 7. Oktober mehr als 57.600 Menschen im Gazastreifen verletzt. Die Zahl der Toten wurde mit mehr als 22.400 angegeben. Beim Kampf der israelischen Armee gegen die Hamas wurden zudem immense SchÀden an WohngebÀuden sowie der zivilen Infrastruktur wie etwa KrankenhÀuser angerichtet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte kurz nach Weihnachten mit, es seien nur noch 13 der ursprĂŒnglich 36 KrankenhĂ€user teilweise funktionsfĂ€hig. Sei seien völlig ĂŒberbelegt und es fehle ihnen an Treibstoff, Medikamenten, Narkosemitteln, Lebensmitteln und Trinkwasser.

Kinder im Gazastreifen nicht ausreichend ernÀhrt

Neben den Medizinischen Notfallteams wĂŒrden MAP und IRC zusammenarbeiten, um die KrankenhĂ€user in Gaza ĂŒber den Rafah-GrenzĂŒbergang aus Ägypten mit lebenswichtigen medizinischen GĂŒtern zu versorgen. Am 29. Dezember hĂ€tten vier Lastwagen mit Medikamenten und anderen HilfsgĂŒtern den Gazastreifen erreicht. Das Material sei an KrankenhĂ€user im sĂŒdlichen und mittleren Gazastreifen verteilt worden.

Nach drei Monaten Krieg im Gazastreifen spitzt sich dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge die Lage auch fĂŒr MinderjĂ€hrige weiter zu. 90 Prozent aller 1,1 Millionen junger Menschen in der Region seien Ende Dezember einer Untersuchung zufolge nicht vollstĂ€ndig mit NĂ€hrstoffen versorgt gewesen. 

«Die meisten Familien gaben an, dass ihre Kinder nur Getreide – einschließlich Brot – oder Milch bekommen, was der Definition von "schwerer Nahrungsmittelarmut" entspricht», teilte Unicef mit. Derweil sei auch die Zahl der Durchfallerkrankungen extrem gestiegen.

UN-Nothilfekoordinator: «Gaza ist zu einem Ort des Todes» geworden

«Gaza ist zu einem Ort des Todes und der Verzweiflung geworden», sagt auch der Chef des UN-NothilfebĂŒros OCHA, Martin Griffiths. Selbst Gebiete, in denen sich Zivilisten nach israelischer Aufforderung aufhielten, seien bombardiert worden. Auch medizinische Einrichtungen wĂŒrden «unerbittlich angegriffen». Von wem die Attacken jeweils ausgingen, teilte er nicht mit.

Israels Armee hat in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet immer wieder EinsĂ€tze in und um Kliniken durchgefĂŒhrt. Sie wirft der islamistischen Hamas vor, diese fĂŒr Terrorzwecke zu missbrauchen.

Die wenigen KrankenhĂ€user, die noch teilweise funktionsfĂ€hig seien, wĂŒrden von verzweifelten Schutzsuchenden ĂŒberlaufen, sagte Griffiths. «Es bahnt sich eine gesundheitliche Katastrophe an.» in den ĂŒberfĂŒllten NotunterkĂŒnften breiteten sich Infektionskrankheiten aus. Zugleich drohe den Menschen eine Hungersnot. TĂ€glich brĂ€chten in dieser Situation noch rund 180 Frauen pro Tag ein Kind zur Welt.

«Vor allem fĂŒr Kinder waren die letzten 12 Wochen traumatisch», so der UN-Nothilfekoordinator. «Kein Essen. Kein Wasser. Keine Schule. Nichts als die schrecklichen GerĂ€usche des Krieges, Tag fĂŒr Tag.» Der Gazastreifen sei schlicht «unbewohnbar» geworden. Zehntausende seien getötet und verletzt worden, vor allem Frauen und MinderjĂ€hrige, so Griffiths.

Auslöser des Krieges war das Massaker am 7. Oktober, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen in Israel verĂŒbt hatten. Dabei wurden rund 1200 Menschen getötet.

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