Hoffnungsschimmer und Herausforderungen zum G7-Auftakt
15.06.2026 - 17:52:24 | dpa.deBeim G7-Gipfel suchen die EuropĂ€er fĂŒr ein Ende des Iran-Krieges den Schulterschluss mit US-PrĂ€sident Donald Trump. «Dieser Gipfel findet in einer ausgesprochen bewegten Phase der Weltpolitik statt. Die Lage fordert uns. Sie eröffnet aber auch einige Chancen», sagte Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Flug zum Treffen im französischen Ăvian am Genfersee. Die Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran dĂŒrfte in positiver Weise den Ton fĂŒr den dreitĂ€gigen Gipfel setzen.
Schon in der Nacht hatten Merz, Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, GroĂbritanniens Premierminister Keir Starmer und die italienische MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni zum Rahmenabkommen der USA und des Irans gemeinsam erklĂ€rt: «Mit dem Abkommen öffnet sich eine Gelegenheit, die Region und die Weltwirtschaft wieder zu stabilisieren.» Die vier europĂ€ischen Mitgliedstaaten der Gruppe demokratischer WirtschaftsmĂ€chte bekrĂ€ftigten auĂerdem ihre Bereitschaft, sich an einer «rein defensiv ausgerichteten, unabhĂ€ngigen» MilitĂ€rmission zur Sicherung der fĂŒr den Ălhandel so wichtigen StraĂe von Hormus zu beteiligen.Â
Das Thema Iran steht am Dienstag auf der Tagesordnung des Gipfels. Dann werden auch die RegionalmĂ€chte Ăgypten, Katar und Vereinigten Arabische Emirate dazustoĂen.Â
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EU: Ohne Gegenleistung keine Aufhebung der Iran-Sanktionen
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, die zusammen mit EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa auch am Gipfeltisch sitzt, machte klar, dass der Iran nicht ohne konkrete Gegenleistungen mit einer Lockerung der Sanktionen rechnen könne. «Das Grundprinzip von Sanktionen ist, dass wir echte VerĂ€nderungen vor Ort sehen mĂŒssen, bevor wir ĂŒber ihre Aufhebung nachdenken können», sagte sie in Ăvian.Â
Gipfel im Nobel-HotelÂ
Trump und die anderen Staats- und Regierungschefs der G7 tagen im Kurort Ăvian am Genfersee. Macron ist in diesem Jahr der Gastgeber. Zur Gruppe der Sieben gehören die wirtschaftsstarken Demokratien USA, Kanada, Japan, Frankreich, GroĂbritannien, Italien und Deutschland. Das Treffen sollte mit einem Abendessen mit noblen «Hotel Royal» beginnen.
Merz: Vielleicht kommt auch Lösung fĂŒr Ukraine-Krieg voranÂ
Vor dem Abflug zeigte sich Merz vorsichtig optimistisch auch fĂŒr Fortschritte bei der Lösung des Ukraine-Krieges. «Die Ukraine ist heute in einer neuen Position der StĂ€rke», sagte Merz. Russland könne militĂ€risch nicht gewinnen, zudem sei seine Wirtschaft angeschlagen. «Erstmals kann sich hier langsam ein Fenster fĂŒr die Diplomatie öffnen.»Â
Mit Trump wolle man ĂŒber VorschlĂ€ge sprechen, die Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien mit dem ukrainischen PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj beraten hĂ€tten. Selenskyj wird am Dienstag an den Beratungen teilnehmen.
Bisher galten die USA als alleiniger Vermittler in dem Konflikt. Jetzt wollen die E3 zusammen mit Trump neue Impulse setzen. Macron, Starmer und Merz - die sogenannten E3 - starteten eine neue Initiative. Die EuropĂ€er wollen mit am Verhandlungstisch sitzen, sollte es zu neuen GesprĂ€chen zwischen Russland und der Ukraine kommen. Das Problem: Sie sind sich untereinander nicht einig, wer in Sachen Ukraine fĂŒr sie sprechen soll. Die E3-Initiative ist bei osteuropĂ€ischen EU-Mitgliedern wie Polen auf Skepsis gestoĂen.
Chance fĂŒr Entspannung mit Trump vor Nato-Gipfel
Der Iran-Durchbruch bietet eine Chance fĂŒr die transatlantischen Beziehungen. Die fehlende UnterstĂŒtzung der EuropĂ€er fĂŒr den Krieg der USA und Israels hatte Trump massiv verĂ€rgert. Kritische ĂuĂerungen des Bundeskanzlers dazu haben sogar dazu gefĂŒhrt, dass der US-PrĂ€sident den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekĂŒndigt hat. Vor dem wichtigen Nato-Gipfel in Ankara im Juli könnte das Iran-Abkommen die transatlantischen Partner nun wieder zusammenschweiĂen.Â
Was sonst noch Thema in Ăvian ist
Neben den beiden Kriegen wird die weltwirtschaftliche Lage wie bei jedem G7-Gipfel Thema in Ăvian sein. Diesmal dĂŒrfte es vor allem um ein Land gehen, das die westlichen WirtschaftsmĂ€chte ziemlich in BedrĂ€ngnis bringt: China. Wie bremst man den chinesischen RekordhandelsĂŒberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar?Â
AuĂerdem auf der Tagesordnung der französischen PrĂ€sidentschaft: KĂŒnstliche Intelligenz, irregulĂ€re Migration, Schutz von MinderjĂ€hrigen im digitalen Raum, der Kampf gegen Drogenhandel sowie Ebola und Krebs.Â
Eine groĂe AbschlusserklĂ€rung mit allen Ergebnissen wird es nicht geben. Damit vermeidet man quĂ€lendes Ringen um einzelne Formulierungen und geht der Gefahr aus dem Weg, dass sich Trump am Ende doch wieder ganz ausklinkt. Er hat schon einmal eine G7-AbschlusserklĂ€rung auf dem RĂŒckflug von einem Gipfel wieder aufgekĂŒndigt. Es soll aber ErklĂ€rungen zu Einzelthemen geben. Und wo man sich nicht einig wird, hat die französische PrĂ€sidentschaft die Möglichkeit, einfach den Beratungsstand zusammenzufassen (Chair's Summary).
