Ukraine, Russland

EuropÀer wollen Trumps Ukraine-Plan entschÀrfen

23.11.2025 - 10:36:12 | dpa.de

Der US-Vorstoß fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs verlangt vor allem Kiew ZugestĂ€ndnisse ab. Kanzler Merz und andere UnterstĂŒtzer wollen retten, was zu retten ist. Stammt der Plan aus russischer Feder?

  • Putin (l) und Trump sehen den US-Plan an Grundlage fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs. (Archivbild) - Bild: Jae C. Hong/AP/dpa
    Putin (l) und Trump sehen den US-Plan an Grundlage fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs. (Archivbild) - Bild: Jae C. Hong/AP/dpa
  • Selenskyj steht auch militĂ€risch immer stĂ€rker unter Druck. - Bild: -/Press Service Of The President Of Ukraine/AP/dpa
    Selenskyj steht auch militÀrisch immer stÀrker unter Druck. - Bild: -/Press Service Of The President Of Ukraine/AP/dpa
  • «Kriege können nicht beendet werden durch GroßmĂ€chte ĂŒber die Köpfe der beteiligten LĂ€nder hinweg», sagt Kanzler Merz. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    «Kriege können nicht beendet werden durch GroßmĂ€chte ĂŒber die Köpfe der beteiligten LĂ€nder hinweg», sagt Kanzler Merz. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Putin (l) und Trump sehen den US-Plan an Grundlage fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs. (Archivbild) - Bild: Jae C. Hong/AP/dpa Selenskyj steht auch militĂ€risch immer stĂ€rker unter Druck. - Bild: -/Press Service Of The President Of Ukraine/AP/dpa «Kriege können nicht beendet werden durch GroßmĂ€chte ĂŒber die Köpfe der beteiligten LĂ€nder hinweg», sagt Kanzler Merz. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Unter hohem Zeitdruck drĂ€ngt Europa die USA, den Plan fĂŒr ein Ende des Ukraine-Krieges zugunsten Kiews nachzubessern. In Genf begannen am Vormittag GesprĂ€che von Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, der EU, der Ukraine und der Vereinigten Staaten. 

US-PrĂ€sident Donald Trump hat seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj eine Frist bis Donnerstag gesetzt, dem Plan grundsĂ€tzlich zuzustimmen. Die UnterstĂŒtzer der Ukraine lehnen den Plan in der derzeitigen Fassung ab. Das 28 Punkte umfassende Dokument verlangt vor allem dem von Russland angegriffenen Land große ZugestĂ€ndnisse ab. 

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin zeigte sich offensichtlich zufrieden mit dem Papier. US-Außenminister Marco Rubio sah sich gezwungen, klarzustellen, dass der Plan tatsĂ€chlich von den USA verfasst wurde und keine Wunschliste des Kremls ist. 

Sinneswandel bei Trump nach Kritik?

Angesichts der Kritik deutete Trump an, einzulenken. Die Frage einer Journalistin, ob der Friedensplan ein letztes Angebot sei, verneinte er in Washington und fĂŒgte hinzu: «Wir versuchen, die Sache auf die eine oder andere Weise zu beenden.» 

Trumps Linie, Frieden in der Ukraine zu stiften, bleibt somit widersprĂŒchlich. Ihr Ultimatum verknĂŒpften die USA nach Informationen der «Washington Post» mit der Drohung, der Ukraine ansonsten die UnterstĂŒtzung zu entziehen.

Europa beim G20-Gipfel im Krisenmodus

Der US-Vorschlag sieht zum Beispiel vor, dass die Ukraine bislang noch verteidigte Gebiete an Russland abtritt, ihre militÀrischen FÀhigkeiten beschrÀnkt und die Nato einen Verzicht auf jegliche Erweiterung erklÀrt. 

Russland mĂŒsste dagegen nur vergleichsweise geringe ZugestĂ€ndnisse machen und unter anderem auf in der EU eingefrorenes Staatsvermögen verzichten. Dieses wĂŒrde fĂŒr den Wiederaufbau der Ukraine genutzt werden.

Die VerbĂŒndeten der Ukraine stellten deshalb nach einem Krisentreffen am Rande des G20-Gipfels in Johannesburg in einer ErklĂ€rung klar, dass der Entwurf nur eine Grundlage sein könne, an der gearbeitet werden mĂŒsse. 

Merz: Über den Kopf der Ukraine hinweg kein Frieden möglich

Nach den Beratungen, bei denen auch Japan und Kanada vertreten waren, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU): «Kriege können nicht beendet werden durch GroßmĂ€chte ĂŒber die Köpfe der beteiligten LĂ€nder hinweg.» Ein Ende des Krieges könne es nur geben, wenn die Ukraine und auch die EuropĂ€er zustimmten.

USA, EuropĂ€er und Ukraine beraten ĂŒber Änderungen 

Vor dem Genf-Treffen ĂŒbermittelten die EuropĂ€er nach deutschen Angaben ÄnderungsvorschlĂ€ge an die USA. Einzelheiten sind bislang nicht bekannt. 

ZunĂ€chst stimmten sich in Genf die Delegationen der Ukraine und der EuropĂ€er ab, wie der ukrainische VerhandlungsfĂŒhrer Andrij Jermak miteilte. Dann stand ein Treffen mit den Amerikanern an. 

FĂŒr die USA sind Außenminister Rubio und der Sondergesandte von PrĂ€sident Donald Trump, Steve Witkoff, in die Schweiz gereist. Bundeskanzler Friedrich Merz entsandte Kanzlerberater GĂŒnter Sautter. 

«Wir sind sehr konstruktiv eingestellt», sagte Jermak. «Wir arbeiten weiterhin gemeinsam daran, einen nachhaltigen und gerechten Frieden fĂŒr die Ukraine zu erreichen.» 

Nach EinschĂ€tzung Selenskyjs droht der Ukraine bei einem Nein zum Plan, die USA als SchlĂŒsselpartner zu verlieren. Ohne UnterstĂŒtzung der grĂ¶ĂŸten MilitĂ€rmacht, die Waffen an die Ukraine verkauft und Daten fĂŒr die KriegsfĂŒhrung gegen Russland bereitstellt, wĂŒrde eine Fortsetzung des Abwehrkampfs gegen die Invasoren deutlich erschwert.

Ohnehin gerÀt die Ukraine nach bald vier Jahren des russischen Angriffskriegs militÀrisch immer mehr unter Druck. Den Ukrainerinnen und Ukrainern steht ein harter Winter bevor. Putin dagegen scheint keine Eile zu haben.

Rubio: Friedensplan wurde von den USA ausgearbeitet

FĂŒr Irritationen sorgten Aussagen des republikanischen Senators Mike Rounds, der nach einem Telefonat mit Rubio sagte, der Plan sei an die US-Regierung herangetragen worden. «Es handelt sich nicht um unsere Empfehlung, es ist nicht unser Friedensplan», sagte er unter Berufung auf Rubio. Senator Angus King fĂŒgte hinzu, der Plan sei «im Wesentlichen die Wunschliste der Russen». 

Dem widersprach Rubio spĂ€ter auf X. Der Plan sei von den USA erstellt worden und basiere auf «Anregungen der russischen Seite, aber auch auf frĂŒheren und aktuellen BeitrĂ€gen der Ukraine».

Vance und Putin auf einer Linie

Putin hĂ€lt den 28-Punkte-Plan fĂŒr eine Grundlage, Frieden zu erreichen. Russland hatte die Ukraine auf Befehl Putins am 24. Februar 2022 angegriffen. 

US-VizeprÀsident JD Vance warf den Kritikern des Plans vor, die wahre Lage im Krieg zu verkennen. «Frieden wird nicht von gescheiterten Diplomaten oder Politikern erreicht, die in einer Fantasiewelt leben», schrieb er auf X. 

Putin wirft den EuropĂ€ern ebenfalls Unkenntnis der Lage vor. Sie hĂ€tten keine echten Informationen ĂŒber die Lage auf dem Schlachtfeld.

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