Frankreich, Wahl

Urteil gefÀllt: Kann Le Pen noch PrÀsidentin werden?

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 15:05 Uhr, dpa.de

Die französische Rechtsnationale Marine Le Pen hatte auf einen Freispruch gehofft und wurde enttĂ€uscht. Die Schlappe vor Gericht könnte fĂŒr sie folgenschwer werden: Es geht um ihre politische Zukunft.

  • FĂŒr Le Pen ist das Urteil eine Niederlage, auch wenn es fĂŒr sie schlimmer hĂ€tte kommen können. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    FĂŒr Le Pen ist das Urteil eine Niederlage, auch wenn es fĂŒr sie schlimmer hĂ€tte kommen können. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Wenn Le Pen es nicht macht, könnte Bardella PrĂ€sidentschaftskandidat der Rechtsnationalen werden. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Wenn Le Pen es nicht macht, könnte Bardella PrÀsidentschaftskandidat der Rechtsnationalen werden. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • Le Pen möchte gern ein viertes Mal Anlauf fĂŒr die französische Staatsspitze nehmen. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa
    Le Pen möchte gern ein viertes Mal Anlauf fĂŒr die französische Staatsspitze nehmen. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa
FĂŒr Le Pen ist das Urteil eine Niederlage, auch wenn es fĂŒr sie schlimmer hĂ€tte kommen können. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Wenn Le Pen es nicht macht, könnte Bardella PrĂ€sidentschaftskandidat der Rechtsnationalen werden. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa Le Pen möchte gern ein viertes Mal Anlauf fĂŒr die französische Staatsspitze nehmen. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa

Ein Schuldspruch, ein Jahr mit Fußfessel und ein zeitweiser Entzug des passiven Wahlrechts: Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen hat vor Gericht eine herbe Niederlage eingefahren. Doch was heißt das komplizierte Urteil in einem Verfahren um mögliche ScheinbeschĂ€ftigung und EU-Gelder fĂŒr Frankreichs PrĂ€sidentschaftswahl im kommenden Jahr? Noch am Abend will die 57-jĂ€hrige Le Pen verkĂŒnden, ob sie fĂŒr das Rassemblement National (RN) antritt oder Parteichef Jordan Bardella. Was man dazu wissen sollte:

Ist eine Kandidatur Le Pens ĂŒberhaupt möglich?

Ja, theoretisch kann sich Le Pen zur Kandidatin ihres radikalen Rassemblement National erklĂ€ren. Denn das Gericht hat ihr das Recht, bei Wahlen anzutreten, nur fĂŒr 15 Monate entzogen und 30 Monate sind auf BewĂ€hrung ausgesetzt. Weil ebendiese Strafe aus erster Instanz bereits angewendet wird, sind die 15 Monate schon abgebĂŒĂŸt. Das Urteil fiel fĂŒr Le Pen damit weniger gravierend aus als befĂŒrchtet. Praktisch wĂ€re eine Kandidatur dennoch nur schwer umsetzbar.

Welches Risiko wÀre mit einer Kandidatur verbunden?

Ein zentrales Problem fĂŒr Le Pen ist, dass von drei Jahren Haftstrafe nur zwei zur BewĂ€hrung ausgesetzt sind. Eines soll sie zu Hause mit Fußfessel verbringen. Le Pen wĂ€re damit an strikte Ausgangszeiten gebunden. Ein Wahlkampf mit zahlreichen Terminen im ganzen Land ist da kaum vorstellbar. Bereits mehrfach hatte Le Pen gesagt, nicht mit einer Fußfessel kandidieren zu wollen.

Und fĂŒr Le Pen könnte es ein weiteres Risiko geben. Wenn die Anklage in Revision gehen sollte, wĂ€re das Berufungsurteil nicht rechtskrĂ€ftig. In Juristenkreisen ist umstritten, ob der fĂŒnfjĂ€hrige mit vorlĂ€ufiger Anwendung verhĂ€ngte Entzug des passiven Wahlrechts aus erster Instanz dann wieder greifen wĂŒrde.

Wird statt Le Pen jetzt Bardella kandidieren?

Das ist durchaus wahrscheinlich, aber nicht sicher. Rein juristisch gesehen wĂ€re es fĂŒr die Rechtsnationalen die sicherere Lösung. Ob Bardella aber der Kandidat mit den besseren Erfolgsaussichten ist, ist strittig. Und Le Pen möchte eigentlich unbedingt PrĂ€sidentin werden.

Wie stehen die Chancen der Rechtsnationalen?

Die Aussichten, zumindest in die entscheidende Stichwahl einzuziehen, stehen Stand jetzt ziemlich gut. Sowohl Le Pen als auch Bardella liegen in Umfragen seit Monaten mit mehr als 30 Prozent deutlich vor allen möglichen Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien. Allerdings sind die anderen Lager noch nicht vollstĂ€ndig sortiert. Wer genau gegen die Rechtsnationalen antreten wird, ist unklar, aber entscheidend fĂŒr ihre Chancen, tatsĂ€chlich PrĂ€sidentin oder PrĂ€sident zu werden.

Unklar ist zudem, wie der blutjunge Bardella mit seinen 30 Jahren sich im Wahlkampf schlagen wĂŒrde. FĂŒr das RN ist das ein Risiko, das die Partei ohne die VorwĂŒrfe gegen Le Pen sicherlich nicht eingehen wĂŒrde. Bei Le Pen, die bereits dreimal kandidiert hat, gibt es weniger Fragezeichen.

Wen fĂŒrchten die politischen Gegner mehr?

Le Pen. Zwar haftet ihr das Erbe ihres rechtsextremen Vaters und ParteigrĂŒnders an, doch sie ist deutlich erfahrener als Bardella, zudem bekannter und hat mit ihrem Kurs der «Entteufelung» in den vergangenen Jahren Sympathiepunkte gewonnen. Bardella ist mitunter unsicher. Ihm wird nachgesagt, unvorhergesehene Situationen nicht immer gut zu meistern. Im Wahlkampf dĂŒrften aber viele solche Szenarien auf ihn zukommen.

WĂŒrde das RN seinen Wahlkampf auf die Personalie zuschneiden?

Davon ist auszugehen. Bardella wĂŒrde ganz klar als Neuanfang inszeniert werden – auch wenn er bereits seit fast vier Jahren Parteichef ist. Das RN erhofft sich davon, auch diejenigen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler anzusprechen, die vom Namen Le Pen noch immer abgeschreckt werden.

Le Pen hingegen wĂŒrde abermals als Mutter der Nation auftreten, aber wohl auch aus dem Prozess Profit schlagen wollen. Sie könnte sich als politisch Überlebende und MĂ€rtyrerin darstellen.

Wie hat Le Pen bisher bei Wahlen abgeschnitten?

Bei ihrer ersten Kandidatur 2012 landete sie in der ersten Wahlrunde mit 17,90 Prozent der Stimmen auf Platz drei. 2017 und 2022 verlor sie in der Stichwahl gegen Emmanuel Macron mit 33,90 beziehungsweise 41,45 Prozent der Stimmen.

Welche Befugnisse hat der PrÀsident in Frankreich?

Der französische PrĂ€sident ist mit sehr viel Macht ausgestattet und deutlich einflussreicher als der Regierungschef des Landes. Er ist Armeechef und kann ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze sowie den Gebrauch von Atomwaffen entscheiden. FĂŒr lĂ€ngere EinsĂ€tze oder eine KriegserklĂ€rung benötigt er das Okay des Parlaments. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag hin die ĂŒbrige Regierung. Der PrĂ€sident kann die Nationalversammlung auflösen und Referenden ansetzen. In Gefahrensituationen gewĂ€hrt die Verfassung ihm nahezu volle Kontrolle ĂŒber den Staat.

Vor dem Hintergrund der MachtfĂŒlle des französischen PrĂ€sidenten blicken BrĂŒssel und Berlin mit Sorge auf einen möglichen Sieg der euroskeptischen und nationalistischen Le Pen oder ihres SchĂŒtzlings Bardella.

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