Frankreich, Wahl

Trotz Haftstrafe: Le Pen zieht in PrÀsidentschaftswahl

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 04:58 Uhr, dpa.de

Mit ausgebreiteten Armen als «Erlöserin»: Le Pen startet ihre Kampagne – trotz Haftstrafe. Kann die Rechtsnationale mit ihrem riskanten Schritt punkten oder verliert sie damit an RĂŒckhalt?

  • Marine Le Pen geht voll auf Risiko und tritt trotz eines offenen Gerichtsverfahrens als PrĂ€sidentschaftskandidatin an. - Bild: Christian Hartmann/Reuters Pool via AP/dpa
    Marine Le Pen geht voll auf Risiko und tritt trotz eines offenen Gerichtsverfahrens als PrÀsidentschaftskandidatin an. - Bild: Christian Hartmann/Reuters Pool via AP/dpa
  • Wenige Stunden vor ihrer AnkĂŒndigung hatte ein Berufungsgericht Le Pen schuldig gesprochen. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Wenige Stunden vor ihrer AnkĂŒndigung hatte ein Berufungsgericht Le Pen schuldig gesprochen. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
Marine Le Pen geht voll auf Risiko und tritt trotz eines offenen Gerichtsverfahrens als PrĂ€sidentschaftskandidatin an. - Bild: Christian Hartmann/Reuters Pool via AP/dpa Wenige Stunden vor ihrer AnkĂŒndigung hatte ein Berufungsgericht Le Pen schuldig gesprochen. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa

Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen geht mit ihrer AnkĂŒndigung vom Abend, trotz einer Verurteilung wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl zu kandidieren, voll auf Risiko. Denn ob die 57-JĂ€hrige im nĂ€chsten FrĂŒhjahr tatsĂ€chlich wird antreten können, spaltet noch die Juristen und wird auch vom Ausgang der von ihr angekĂŒndigten Berufung gegen das Urteil abhĂ€ngig sein, das das Pariser Berufungsgericht am Dienstagmittag fĂ€llte.

Es verhĂ€ngte ein Jahr Haft mit Fußfessel und entzog ihr das passive Wahlrecht fĂŒr 15 Monate. Diese hat Le Pen seit dem Urteil in erster Instanz aber bereits verbĂŒĂŸt. Weitere 30 Monate sind auf BewĂ€hrung ausgesetzt. Juristen aber sind sich uneins, ob mit Einlegen der Revision nicht wieder der befristete Entzug des passiven Wahlrechts fĂŒr fĂŒnf Jahre und mit sofortiger Wirkung aus erster Instanz greift. Wenn dies der Fall ist, wĂ€re eine Kandidatur nĂ€mlich unmöglich - ganz unabhĂ€ngig davon, was bei der Revision herauskommt.

Le Pen absolviert ersten Wahlkampfauftritt

Im Interview in den 20 Uhr Fernsehnachrichten des Senders TF1 aber zeigte Le Pen sich selbstbewusst, ohne Zweifel und ohne Einsicht in eine mögliche Schuld - es könnten sich schließlich auch zwei voneinander unabhĂ€ngige Gerichte irren, meinte sie auf eine entsprechende Frage des Moderators. «Heute Abend bin ich Kandidatin fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl», sagte sie, daran gebe es nichts zu rĂŒtteln.

Prompt verkĂŒndete sie auch ihren Kampagnenstart unter dem Motto «Pour la France, la Renaissance» (FĂŒr Frankreich, die Wiedergeburt). Schon heute Vormittag will Le Pen gemeinsam mit Parteichef Jordan Bardella einen ersten Marktplatzauftritt in der Provinz absolvieren. Der von vielen bereits fĂŒr sicher gehaltene Plan, dass Bardella statt Le Pen fĂŒr die PrĂ€sidentschaft kandidiert, scheint unterdessen wie vom Tisch gewischt.

Auf dem am Abend gleich im Netz prĂ€sentierten Banner ihrer Kampagne zeigte sich Le Pen mit ausgebreiteten Armen in weißer Bluse - quasi wie ein Messias und wie eine Erlöserin Frankreichs. Dabei zeigte sich in Reaktionen am Abend bereits, dass sie mit ihrem als kaltschnĂ€uzigem Übergehen der Justiz gedeuteten Verhalten das Land auch spalten könnte. Und offen ist noch, ob ihre AnhĂ€nger und potenziellen WĂ€hler sie umso massiver unterstĂŒtzen, weil sie der Justiz die Stirn bietet und kandidiert, oder ob fĂŒr etliche die Verurteilung wegen gravierender VorwĂŒrfe doch am Image der rechten Ikone kratzt.

 

Le Pens Chancen, in die Stichwahl einzuziehen, sind wohl ziemlich gut. In den Umfragen liegt sie seit Monaten mit gut ĂŒber 30 Prozent deutlich vorne. Dreimal bereits war sie bei der PrĂ€sidentschaftswahl in Frankreich angetreten. WĂ€hrend sie 2012 noch auf dem dritten Platz landete, konnte sie in den vergangenen Jahren deutlich an Zuspruch gewinnen. Sowohl 2017 als auch 2022 landete sie gegen Mitte-Kandidat Emmanuel Macron in der Stichwahl – und verlor gegen den politischen Senkrechtstarter beziehungsweise bisherigen PrĂ€sidenten.

Wer tritt von den anderen Parteien gegen Le Pen an?

Dennoch steigerte Le Pen ihr Ergebnis bei jeder Wahl. Dass sie auch 2022 so deutlich gegen Macron verlor, ist dem Umstand geschuldet, dass viele aus dem linken Lager Macron wĂ€hlten, um Le Pens Sieg um jeden Preis zu verhindern. Wie die Chancen stehen, dass Le Pen im kommenden Jahr tatsĂ€chlich zur PrĂ€sidentin gewĂ€hlt wird, hĂ€ngt sehr entscheidend auch davon ab, wer fĂŒr die anderen politischen Lager ins Rennen geht. Diese aber haben sich noch nicht klar sortiert - bis auf Frankreichs Linkspartei, fĂŒr die erneut deren AnfĂŒhrer Jean-Luc MĂ©lenchon kandidiert.

Der französische PrĂ€sident wird auf fĂŒnf Jahre direkt vom Volk gewĂ€hlt. FĂŒr die Wahl ist eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig. In der Regel fĂ€llt die Entscheidung daher in einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Die Wahl dĂŒrfte im kommenden April und Mai stattfinden.

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