Wie fÀhig ist die Koalition der Willigen?
04.09.2025 - 04:32:37 | dpa.deDie westlichen UnterstĂŒtzer der Ukraine beraten heute in Paris weiter ĂŒber eine Friedenssicherung fĂŒr die Ukraine. Zwar ist ein Ende des russischen Angriffskriegs derzeit nicht in Sicht, doch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron will die PlĂ€ne vorantreiben und vor allem den USA demonstrieren, Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Und auch an Moskau soll ein Signal ausgehen.
Ob das gelingt, ist allerdings fraglich, denn die sogenannte Koalition der Willigen hat sich bereits etliche Male getroffen, ohne dass konkrete Zusagen oder Ergebnisse mitgeteilt wurden. Es geht darum, wie militĂ€rische Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine nach einem Waffenstillstand oder Friedensschluss aussehen könnten. Dazu gehört die StĂ€rkung der ukrainischen VerteidigungsfĂ€higkeit, aber auch die mögliche Entsendung von Truppen in die Ukraine oder dicht an ihre Grenzen sowie weitere Sanktionen gegen Russland. Die Hauptlast eines Einsatzes wĂŒrden die europĂ€ischen Nato-Mitglieder tragen.Â
Macron: Vorbereitungen fĂŒr Garantien abgeschlossen
Bereits am Vorabend des Pariser Treffens verkĂŒndete Macron, die UnterstĂŒtzerlĂ€nder hĂ€tten ihre Vorbereitungen fĂŒr Sicherheitsgarantien abgeschlossen. Dank der Vorarbeit der Armeechefs seit dem Ukraine-Gipfel im WeiĂen Haus seien die EuropĂ€er nun bereit, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, sobald ein Friedensabkommen unterzeichnet sei, sagte Macron beim Empfang des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Paris.Â
«Die BeitrÀge, die vorbereitet, dokumentiert und heute Nachmittag auf Ebene der Verteidigungsminister unter strengster Geheimhaltung bestÀtigt wurden, lassen uns sagen: Diese Arbeit ist abgeschlossen und wird nun politisch gebilligt werden», sagte Macron.
Zusagen aus Washington lassen auf sich warten
Dabei hatten die EuropĂ€er immer wieder deutlich gemacht, dass es nicht ohne eine RĂŒckversicherung durch die USA gehen wird. Nach dem jĂŒngsten Besuch Selenskyjs in Washington, der die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten im Schlepptau hatte, sah es so aus, als lieĂe sich US-PrĂ€sident Donald Trump dazu bewegen. Doch konkrete Zusagen aus Washington lassen auf sich warten. Nach dem Pariser Treffen soll er telefonisch informiert werden.
Auch einige europĂ€ische Staats- und Regierungschefs schienen bereits gemachte AnkĂŒndigungen wieder abzuschwĂ€chen. So hatten ĂuĂerungen des britischen Premiers Keir Starmers und Macrons zunĂ€chst so geklungen, als könnten die beiden Nato-Mitglieder eine Art wehrhafter Friedenstruppe entsenden. Doch inzwischen ist mehr von einer Ausbildungs- und AufklĂ€rungsmission die Rede. Konkrete Ansagen, wie die Sicherheitsgarantien nun ausgestaltet werden sollen, wird es nach Angaben des ĂlysĂ©e-Palastes auch nach dem neuerlichen Treffen nicht geben.
Merz nimmt nur virtuell an dem Treffen teil
Der Enthusiasmus einiger KoalitionĂ€re scheint zu schwinden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und wohl auch der britische Premier wollen nur virtuell an der Sitzung teilnehmen.Â
Trotzdem gab sich Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte optimistisch. Er erwartet schon bald eine Einigung auf ein Konzept fĂŒr Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Es sei zu erwarten, dass «morgen oder bald nach morgen Klarheit darĂŒber herrscht, was wir gemeinsam leisten können, sagte er am Vortag der Beratungen. Das bedeutet, dass wir uns noch intensiver mit der amerikanischen Seite austauschen können», sagte Rutte nach einem Treffen mit Estlands PrĂ€sidenten Alar Karis in BrĂŒssel. Demnach seien die EuropĂ€er zusammen mit anderen Staaten dabei, auf der Ebene der MilitĂ€rchefs, Verteidigungsminister und Staats- und Regierungschefs die letzten Details zu klĂ€ren.Â
Karis bekrĂ€ftigte, dass Estland bereit sei, Soldaten fĂŒr eine mögliche europĂ€ische Friedenstruppe bereitzustellen. «Wir beteiligen uns weiterhin an dieser Planung», sagte er.
Putin bleibt bei alten ForderungenÂ
Ob es ĂŒberhaupt zu einer Friedenslösung kommt, bleibt aber weiter offen. So forderte Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz in China Selenskyj auf, nach Moskau zu kommen, wenn er mit ihm reden wolle - allerdings erst, wenn auf unterer Ebene alles ausverhandelt sei. Gleichzeitig sprach er seinem GegenĂŒber die LegitimitĂ€t ab. Kiew wies die Forderung eines Treffens in der russischen Hauptstadt als «von vornherein unannehmbar» zurĂŒck.Â
BezĂŒglich der Verhandlungen gab sich der Kremlchef zudem weiter hart. Russland sei bereit, weiter Krieg zu fĂŒhren, sollte es nicht zu einer Einigung kommen, die Moskau genehm sei, sagte er. Dabei zeigte er sich siegesgewiss. Die russischen Truppen wĂŒrden entlang der gesamten Front erfolgreich vorstoĂen, die ukrainischen Truppen hingegen seien erschöpft, wiederholte er seine These vom baldigen Zusammenbruch des Kriegsgegners.
Zweifel an Abschreckungswirkung
Der Sicherheitsexperte Ed Arnold von der britischen Denkfabrik Royal United Services Institute (RUSI) betont zwar die politische Bedeutung der Koalition der Willigen, zweifelt aber, ob sich die beabsichtigte Abschreckungswirkung eines MilitĂ€reinsatzes entfalten wird. Im schlimmsten Fall, so warnt er, könne eine Stationierung europĂ€ischer Nato-Truppen dazu fĂŒhren, dass die Beistandsklausel der Nato als hohl entlarvt werde.
«Werden die Amerikaner ein russisches Ziel angreifen, weil drei französische Soldaten bei einem Vorfall getötet werden, den die Russen wahrscheinlich als Versehen darstellen? Ich glaube das einfach nicht», sagte Arnold der Deutschen Presse-Agentur in London. Dann könne Putin die Anwesenheit von Nato-Truppen in der Ukraine ausnĂŒtzen, um unter Beweis zu stellen, dass die Bestandsklausel von Artikel 5 des Nato-Vertrags weniger belastbar ist als bisher angenommen.
Deutschland bislang zurĂŒckhaltend
Deutschland hatte bei dem Thema zuletzt gebremst. Ăber langfristige Sicherheitsgarantien könne erst entschieden werden, wenn es einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen gebe, sagte Bundeskanzler Merz in der Vorwoche. Zur Frage einer möglichen Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nach einem Waffenstillstand erklĂ€rte er, dass es solche konkreten PlĂ€ne fĂŒr einen MilitĂ€reinsatz jedenfalls in Deutschland nicht gebe.
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